Im Jahre 2005 als Pilger auf der Vía de la Plata
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Vía de la Plata (Von Sevilla bis Granja de Moreruela)
Autor: Rudolf Fischer
Meine Netzadresse: Rudolf.Fischer
Esperanto.de
Mit eingearbeiteten Aktualisierungen bis Frühsommer 2007
Über die Herberge in Salamanca und über die Strecke ab Zamora siehe
meinen neueren
Bericht von 2007
Neuster
Bericht von 2015
über den Camino Sanabrés ab Zamora
mit dem direkten Weg nach Tábara als Variante.
Allgemeines: 26 Etappen, 618 km (bis Riego del Camino)
In diesem Kapitel beschreibe ich unsere Pilgertour im Frühjahr 2005 auf der
Via de la Plata von Sevilla bis zur Abzweigung des Mozarabischen Weges (der
über Ourense nach Santiago geht). Unsere letzte Übernachtung auf der Via ist in
Riego del Camino. Der Bericht geht aber noch einen Tag weiter, bis wir wirklich
die Abzweigung in Granja de Moreruela erreicht haben. Die Fortsetzung über
den Mozarabischen Weg ist dann im folgenden Kapitel nachzulesen.
Extremadura-Quader, die spezielle Wegekennzeichnung in dieser Provinz.
Es handelt sich um würfelförmige Blöcke, die oben eine Zeichnung haben, in welcher
Richtung es weitergeht. Außerdem haben sie an den Seiten Farbtafeln, entweder
einfarbig in Gelb, Grün oder Blau, oft auch gelbgrün gestreift. Diese Farben sind
verwirrend: Gelb bedeutet (meiner Erinnerung nach) den Pilgerweg, Grün und Blau
einen Wanderweg allgemein. Manchmal trennen sich beide Routen (einfarbige
Tafeln an den Blöcken), meist verlaufen sie übereinstimmend (zweifarbige Tafeln).
Gelbe Pfeile gibt es außerdem, und die fand ich insgesamt zuverlässiger. Ich gebe aber
zu, dass man manchmal einen Quader früher sah als einen (halb verborgenen) Pfeil,
und hin und wieder fehlten Pfeile überhaupt, und man wurde nur durch die Quader
geführt. -
Eine sehr gute Sitte in der Extremadura war, die Bachläufe und Senken mit einer
Reihe von Granitblöcken zu überbrücken, auf denen man problemlos hinübergehen
konnte.
Rennen wie auf dem Hauptweg: O Schreck, die Via ist jetzt auch kaputt,
dachte ich, nachdem ab Sevilla ein für die Via de la Plata ungeahnter Ansturm
von Pilgern einsetzte.
Mehr als 20 Pilger pro Etappe, da gab es wieder ein Wettrennen um Betten. Ich kann
aber zur Beruhigung sagen: Ab Salamanca wurde es wesentlich besser, und zum
Schluss kamen wir uns geradezu wie auf einer Erholungsreise vor. Weitere allgemeine
Ausführungen finden sich in der
Einleitung.
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Die Kilometerangaben in Klammern beziehen sich auf Sevilla. Zu unserer Marschleistung
sind jeweils 252 km für den ersten Teil von Gibraltar nach Sevilla hinzuzurechnen.
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25. April 2005, Montag: Ruhetag in Sevilla, 0 km
Wie man den Stempel in der Kathedrale bekommt
Dieser Ruhetag kam nun wie gerufen, denn so konnte mein linker Fuß sich von der
Verstauchung erholen, obwohl ich wie am Vortag einige Kilometer in der Stadt
zurücklegte. Hans und ich versuchen zunächst, in der Kathedrale einen Stempel für
unsere Ausweise zu bekommen. (Einen vom Oficina de Turismo hatte ich
bereits, aber für jeden Tag in Sevilla einen, war ja auch ganz sinnvoll.) Nach vielem
Fragen weist eine Ordnerin unbestimmt nach hinten. Innerhalb der Kirche finden
wir aber nichts. Dann weiß eine andere es genauer, führt uns sogar hin, weil sie
die Kathedrale gerade schließen, wir aber hartnäckig wissen wollen, wo es den
Stempel gibt. Es geht tatsächlich nach hinten rechts, dann aber aus dem Gebäude
heraus. Es ist ein Eingang, wo sich die Capilla Real de la S.I. Catedral befindet.
Wir warten in einem Vorraum. Angeblich soll 11h00 jemand kommen. Inzwischen haben
sich zwei deutsche Pilger aus Paderborn zu uns gesellt. Sie kennen mich vom Namen
her, denn meine Credenciales bekomme ich immer von der Paderborner
Jakobsgesellschaft, die dafür meine Berichte erhält. Die beiden wollen noch
heute aufbrechen, und später sehen wir ihre Namen noch in vielen Pilgerbüchern
der Refugios. Außerdem kommt ein deutsch-philippinisches Ehepaar, Rolf und
Virginia, die wie wir erst morgen loslaufen, also parallel mit uns. Rolf hat mir inzwischen
zwei Bilder und einige sehr nützliche Ergänzungen zu meinem Bericht geschickt, die
ich gleich eingearbeitet habe. Danke, Rolf!
11h22 erscheint ein Priester, lässt sich nieder und sagt unwirsch
"Venga!", will unsere Ausweise haben. Endlich gibt's den Stempel. Dieses ganze
Trara bestätigt die vielen Berichte, dass ausgerechnet in Sevilla, einem Zentrum
der Pilgergesellschaft für die Via, die Pilger in der Kathedrale sehr unfreundlich
behandelt werden. Warum gibt's außen keinen einzigen Hinweis, wo es den
Stempel gibt? Und warum wissen die meisten Ordner nichts darüber?
Preis für einen vorzeitigen Rückflug
Den Rest des Tages trennen Hans und ich uns, denn wir brauchen auch ein
wenig Urlaub von einander, haben auch verschiedene Dinge zu erledigen. Ich
kaufe mir eine neue Vorbezahlkarte (und erwische endlich eine mit der bewährten
Firmenvorwahl 900 900 999), außerdem erkundige ich mich vorsichtshalber
in einem Reisebüro nach Rückflügen. Mit ca. 280 EUR ist das billiger als erwartet.
Ich überlege, evtl. ein-zwei Etappen zu gehen, und wenn mein Knöchel das
nicht aushält, mit dem Bus zurückzufahren und nach Hause zu fliegen. Jedenfalls
habe ich das ganze Gespräch wieder auf Spanisch geführt und bin sehr
zufrieden, dass es keinerlei Missverständnisse gab; außerdem war der Angestellte
sehr freundlich und kompetent.
26. April 2005, Dienstag: Von Sevilla nach Guillena, 23 km (23 km)
Die Feuertaufe
Diese Etappe wird in manchen Berichten als die notwendige erste Prüfung bezeichnet,
ob man der Via überhaupt gewachsen ist und ob man bereit ist, sich der Einfachheit
des Pilgerlebens auszusetzen. Ich kann das nur unterstreichen. Manche fahren gleich
mit dem Bus nach Santiponce oder noch weiter, aber das kam für uns nicht in
Frage. Wie ich schon schrieb, muss man ödere Etappen hinnehmen, wie man auch
im Leben nicht so tolle Abschnitte bewältigen muss.
Der Weg nach Santiponce
7h50 ziehen wir los. Der Vorteil, dass unsere Unterkunft sehr nah am Pilgerweg
liegt, macht sich nun bemerkbar, denn die ersten 1,5 km haben wir heute gleich
gespart. Frühstück in der Calle San Jorge (1 bocadillo, 1 café con leche: 3,90 EUR).
Dann weiter. Die Straße macht bald einen
Rechtsschlenker und heißt dann Castilla. Früher gab es wohl eine andere
Wegeauszeichnung, denn das, was jetzt kam, war weder schwer zu finden noch
sonderlich schlimme Vorstadt. Wir folgen den Pfeilen über eine große Kreuzung,
laufen über einen Parkplatz und überqueren bald auf einer langen Brücke den Fluss.
Danach geht's rechts weiter auf einer Piste. Vor uns sind zwei Gestalten zu sehen:
Rolf und Virginia. Der Weg ist gut ausgesucht. Man läuft zwar durch eine
Industrielandschaft, aber in einem schmalen Grüngürtel parallel zum Fluss.
Schlechter wird's erst, nachdem man die Autobahn unterquert hat. (Von rechts
kommen 2 Pilger, haben Rolf und Virginia sich verlaufen? Nein, es sind die
beiden Engländerinnen, die eine andere Strecke gegangen sind. Sie bleiben
hinter uns zurück.) Vor Santiponce kam dann ein ganz schlimmes Stück
von ca. 1 km: Hier wurde an einem Autobahnzubringer gebaut. Lastwagen transportierten
ununterbrochen Erde über die staubige Piste. Ich zog mir mein Kopftuch übers
Gesicht. Man konnte kaum atmen und sah fast nichts, gefährlich. (Später erzählen
zwei andere Pilger, dass einer von ihnen hier gestürzt ist.)
Durch Santiponce. Ich schaue nach einem Hinweis auf die Ruinen
des römischen Theaters. Das Schild ist unübersehbar. Wir wollen uns heute
Zeit lassen für Besichtigungen, denn die Etappe schaffen wir auf jeden Fall, und
in der Turnhalle, die wir in Guillena erwarten, wird es ja genügend Platz
für alle geben. Das sollte noch eine böse Überraschung geben!
Sehr zu empfehlende Besichtigungen
Am Theater Milchpause. Eine Schulklasse kommt. Die Jugendlichen lassen
sich doch glatt mit dem Touristenbähnchen die paar hundert Meter zu dem Zentrum
der Ausgrabungen fahren. Zwei Pilger, die wir noch nicht
gesehen haben, stapfen vor uns her. Touristen in einem Straßencafé klatschen
Beifall, als wir erscheinen. Na, hier, gerade hinter Sevilla, ist das etwas verfrüht. Sie
wissen ja nicht, dass wir schon aus Gibraltar gekommen sind.
Die Besichtigung der römischen Stadt Italica ist wirklich sehr lohnend.
Für EU-Bürger kostenloser Eintritt. Unsere Rucksäcke werden weggeschlossen.
(Schade, wir hätten so gern ein paar Steine bis Santiago geschleppt ;-))
Im Amphitheater sind Hans und ich gerade in den Gängen unter den Sitzreihen,
als ein Führer der Schulklasse draußen was von den wilden Tieren erzählt, die
hier gehalten wurden. Ich kanns nicht lassen und brülle wie ein Löwe. Die
Hohlräume verstärken das Röhren prima. Die Jugendlichen lachen sich kaputt.
Später treffen wir die Engländerinnen wieder. Sie wollen heute nicht mehr weiter.
Bis zum Horizont geradeaus ...
Kurz vor 12h00 laufen wir aus Santiponce heraus, beten den "Engel des
Herrn". Vor einer bröckeligen Brücke geht es bei einer Baumgruppe links auf
Guillena zu. Ein Pilgerehepaar (Edward und Gunda aus Österreich)
nutzt den Schatten zu einer Pause. Wir
eilen grüßend vorüber, wissen nicht, dass wir uns dadurch eine Schlafmatte
für die Nacht gesichert haben.
Nun kommt ein schnurgerader Weg von 7,4 km, in glühender Sonne und
ohne Schatten. Das ist die erste unangenehme Überraschung. Als wir uns einmal
umschauen, erschrecken wir, wie nah die Baumgruppe noch ist. Mangels
Kontrasten schrumpfen die Entfernungen optisch zusammen. Vor uns als
Zwischenziel der Siloturm an einem Bauernhof. Er scheint einfach nicht
näherkommen zu wollen. Wir beißen die Zähne zusammen und marschieren
wie auf den Fernstraßen, zügig und gleichmäßig.
Mitte April 2006 wurde hier eine Pilgerin von einem grauhaarigen
Herrn, der mit einem Auto unterwegs war und sie
abpasste, belästigt. Sowas kommt also auch vor.
Ein ernstzunehmendes Hindernis
Endlich ist der Turm nah, als wir - die zweite böse Überraschung - einen
breiten betonierten Bachlauf vor dem Bauernhof entdecken. Darauf stellt einen
das Handbuch nicht ein. Ich weiß nur, dass es direkt vor Guillena
noch einmal einen schwierigen Übergang geben soll.
Durchwaten? Das Wasser ist dreckig und offenbar tief. Links geht ein Trampelpfad
übers Feld an einer Buschzeile vorbei, die den Bach säumt. Das Wasser ist hier
nicht so breit, aber mit schlammigen Ufern. Nicht auszudenken, wenn man da
reinfallen würde! Wir laufen 200 m, mein Mut sinkt schon, da liegt rechts ein Baum
über Schlamm und Wasser, mit hochragenden Ästen, an denen man sich
festhalten kann. O Freude! Wir gehen vorsichtig die steile Böschung hinunter,
hangeln uns ohne große Schwierigkeiten ans andere Ufer. Na, da haben wir ja
Glück gehabt!
Dieser Übergang war vielen anderen Pilgern, die wir später trafen, als
Horror in Erinnerung geblieben. Einige waren hier schier verzweifelt. Ein Pilger hatte Schuhe,
Strümpfe und Hose ausgezogen und war durchgewatet, den Rucksack über
dem Kopf, in der Mitte bis zum Bauch im schlammigen Wasser. Der muss
wohl lange bei den Soldaten gewesen sein. Das Handbuch erwähnt diesen
Bachlauf mit keinem Wort, weshalb ich hier deutlich auf diese schlimme Stelle
hinweise.
Andere Pilger berichten, dass sie den Bachlauf nur als Rinnsal
vorfanden. Das muss wohl typischer sein.
Von wegen "Sporthalle"!
Der weitere Weg ist wieder gut ausgezeichnet. Diekt vor Guillena müssen
wir abermals über einen Bach. Er ist schmal, stinkt wie eine Kloake. Hierüber hatte ich
im Netz gelesen, dass der Bürgermeister eine Lösung für die Pilger forderte. Sie
besteht in dicken Steinen, auf denen man das Dreckwasser problemlos überqueren
kann. Gut gemacht.
Der Ort ist klein, aber unübersichtlich. Wir halten uns wegen der glühenden
Hitze im Schatten der Häuser und finden mit etwas Mühe die Polizeistation, Hans
kann sich noch erinnern. Gleich gibt's Stempel. Dann zum Sportplatz, auch dieser
nicht ganz einfach zu finden, weil mehrere Straßen fast parallell laufen, aber nur
eine führt ans Ziel. Hans kann sich jetzt an die Unterkunft erinnern. Durch ein
Tor zu den Sportanlagen. Links am Tor eine Bar, in der es anderntags Kaffee gibt.
100 m weiter links in ein niedriges Gebäude.
Im Umkleideraum von Guillena
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Die dritte böse Überraschung: Von wegen
"Sporthalle"! Es ist ein Umkleideraum für die Sportler, gerade Platz für 4 Matten auf
dem Boden, und mehr gibt es auch nicht. Wir haben unglaubliches Glück: erst eine
ist belegt. Sofort schnappen wir uns zwei andere. Geradeaus eine Nische mit
Duschköpfen. Rechts ein Handwaschbecken mit nicht funktionierendem Kran.
Dahinter eine Toilette; wenigstens die in Ordnung. Junge, Junge, da sind wir
gleich mitten im typischen Pilgerleben.
Auch im Handbuch von 2005 steht noch zweimal irreführend "Sporthalle" anstatt "Umkleideraum".
Tatsächlich konnten Pilger früher in einer Sporthalle unterkommen, aber das ist schon seit
einigen Jahren nicht mehr so.
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Hans probiert die Duschen. Irgendwie entlockt er ihnen auch etwas lauwarmes
Wasser, bei mir nachher bleibt's grottenkalt. Ist nicht ganz so schlimm nach der
Hitze, man kann die Abkühlung gebrauchen. Ich bringe sogar das Handwaschbecken
zum Funktionieren: der Kran ist zwar kaputt, aber man kann die Sperre unter dem
Becken auf- und zudrehen. Die Tür muss offen bleiben, denn es gibt kein Fenster.
Aber ansonsten freunden wir uns schon mit unseren Matten an. Geht doch alles
irgendwie. Ich wasche sogar was, wobei ich ein Stück Plastik und einen Socken
als Stopfen benutze. Auch kommt gleich die mitgebrachte Wäscheleine in
Gebrauch.
Wir lernen die ersten Mitpilger kennen
Bald kommen Edward und Gunda, sind auch schockiert über den mangelnden
Platz. Sie wollen aber mit der 4. Matte zusammen hinkommen und schleppen sie
raus. Falls das Wetter gut bleibt, wollen sie draußen schlafen, bitten aber
darum, eingelassen zu werden, falls Regen kommt. Das sagen wir selbstverständlich
zu; wir wollen die Tür nachts ohnehin geöffnet lassen, um Frischluft zu haben.
Ich suche draußen im Schatten eine Bank, um eine Apfelsine zu essen und
mich auszuruhen. Von meinem Knöchel merke ich fast nichts. Super! Etwas
weiter haben Pilger ein kleines Zelt aufgeschlagen. Der Mann kommt zu mir und
stellt sich vor. Den Namen verstehe ich nicht; so etwas wie "Schacki", womit ich
ihm auch gleich einen Spitznamen anhänge. Er ist Deutscher, nennt sich Shakya,
und ist mit seiner Frau
Dakshina, die Engländerin ist, unterwegs. Später stellen wir fest, dass die beiden
auch noch "bürgerliche" Namen haben, aber wir bleiben bei "Schacki".
Während wir uns unterhalten, ahnt keiner, dass wir vier uns den gesamten
Pilgerweg über immer wiedersehen werden, manchmal völlig überraschend im
letzten verlassenen Winkel, bis hin zu einer abgelegenen Bucht am allerletzten Tag
in Finisterre. Nun war das nicht immer alles nur Zufall, da Schacki gleich herausfand,
dass ich eine gute Quelle an Wissen und Tipps zur Via war, und davon
profitierte er gern. Warum auch nicht? Ich freue mich immer sehr, "nützlich" sein
zu können, und das ist ja auch eine Triebfeder meiner Berichte hier.
Dann lernten wir auch Jesús kennen, der die erste Matte belegt hatte. Auch
er lief lange mit uns parallel und war ein sehr guter Pilgerkamerad, der für andere
mitsorgte. Ohne Spanisch hätte es allerdings keine Verständigungsmöglichkeit
mit ihm gegeben.
Andrang im Hostal
Abends gingen alle zum Hostal Francés, das für 8,50 EUR ein
Pilgermenü anbot. Alles schaute etwas entsetzt umher, denn hier saßen über 20
Pilger, darunter Rolf und Virginia;
die meisten waren im Hostal untergekommen. Schon konsultierte ich
das Handbuch, wie viele Betten die nächsten Quartiere hatten. Jedenfalls keine
20. Au weia! Heute hatten wir ja unverdientes Glück gehabt, aber würde das
anhalten? Diese erste Etappe hatte jedenfalls genügend viele Überraschungen
gebracht, vor denen mich weder das Handbuch noch andere Pilgerberichte
gewarnt hatten. Aber eigentlich war doch alles ganz gutgegangen, und das
Wichtigste: Mein Fuß hatte durchgehalten. Insgesamt war ich sehr zufrieden.
Auf dem
Rückweg vom Hostal zum Sportplatz haben wir uns doch glatt noch im Dunkeln
verlaufen! Wir waren am Ende froh, unser Quartier überhaupt wiedergefunden
zu haben. Peinlich.
27. April 2005, Mittwoch: Von Guillena nach Castilblanco de los Arroyos, 18 km (41 km)
Eine problemlose Flussüberquerung
Nachts schnarchen wir alle friedlich. Die Matten sind natürlich etwas hart, aber es geht. Das
Wetter bleibt gut, so dass Edward und Gunda nicht bei uns Schutz suchen müssen. 7h00 stehen
wir auf. 8h15 in die Bar rechts am Eingang, die schon geöffnet ist. Wir geben dort den Schlüssel
ab, da Jesús längst weg ist, und trinken auch Kaffee, da in der Unterkunft keine Steckdose ist.
Das Handbuch kündigt hinter dem Ort eine Flussüberquerung an, aber es gibt einen Damm
mit großen Rohren, durch die der Fluss geleitet wird, kein Problem.
Man weiß leider nie, ob mit "Überquerung" eine Brücke
gemeint ist oder ob man durchwaten muss. Da sind Überraschungen vorprogrammiert, aber
ich kann schon hier sagen, dass der betonierte Bachlauf vor Guillena das Schlimmste war, was
uns auf der ganzen Pilgerfahrt an zu durchquerendem Wasserlauf unterkam.
Herrliche Natur, viele Vögel
Zügig erreichten wir den Kreisverkehr und liefen durch das kleine Industrieviertel. Bald
konnten wir nach links in eine grüne Hügelkette abzweigen. An diesem Morgen war es nicht
so heiß, und deshalb fanden wir den leicht ansteigenden Weg auch nicht sehr beschwerlich.
Einige Pilger haben sich laut Berichten hier verlaufen. Ist mir schleierhaft, wie sie das gemacht
haben, denn der Hauptweg war immer unschwer auszumachen. Wahrscheinlich gibt es inzwischen
einfach ein paar gelbe Pfeile mehr.
Ich weiß nicht, ob wir sie schon vorher gehört haben: Aber spätestens hier setzte immer
wieder das dumpfe Huphuphup, Huphuphup! unsichtbarer Wiedehopfe ein. Bis weit in den Norden
begleitete uns das Rufen und Singen von Nachtigall (praktisch aus jedem Busch, der in Wassernähe
war), Kuckuck, Wiedehopf und Pirol. Auch das Tütürilö des Pirols, das ich bewusst noch nie gehört
hatte, konnte ich bald sehr leicht identifizieren. Aber in der ganzen Zeit haben wir den scheuen gelben
Vogel trotz allem lockenden Flöten meinerseits nur einmal deutlich gesehen, Wiedehopfe auch nur
sehr selten. Wie gesagt: gesehen! Gehört haben wir diese Vögel zu unserer großen
Freude viele Wochen lang fast jeden Tag.
Andrang wie auf dem Hauptweg
Bald machen die ersten Pilger Pause und sitzen an jedem Fleck, wo es Schatten gibt; denn
jetzt brennt die Sonne doch ganz schön. Außer Edward und Gunda sowie Schacki und Dakshina
treffen wir noch zwei deutsche Frauen (Karin und Christel),
zwei Niederländerinnen und andere, insgesamt 14 andere Pilger, und vor uns
sind angeblich 12 Betten (es waren am Ende 14). Also hebt doch wieder ein unauffälliges Gerenne
an.
Leider erreicht man später die Landstraße, die zwar nicht sehr viel befahren wird, aber jedes
Fahrzeug stört. Gleich zu Anfang liegt links ein großer schwarzer Hund tot im Graben. Seine
Reißzähne leuchten. Ich stelle mir vor, dass er einen armen Pilger bis auf die Straße verfolgt
hat und dann von einem Auto auf die Hörner genommen wurde. Dann war ihm Recht geschehen.
Bald gibt es rechts der Straße einen Trampelpfad, den alle nehmen. Weit vor uns sind vier
Pilger zu sehen, wir selbst haben zwei etwa 1 km hinter uns im Nacken. Nun, es ist nicht mehr weit
bis zum Zielort Castilblanco de los Arroyos.
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Vorsicht: ein irreführender Pfeil
Man läuft zum Schluss eine kleine Anhöhe hoch und
sieht auf ihr schon die ersten Häuser. Hier wartet eine kleine Falle: Auf einem dicken Stein weist
ein Pfeil nach halbrechts, was falsch ist.
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Da ich die Kopie der betreffenden Handbuchseite
immer griffbereit hatte, bog ich entschlossen nach links ab, auf die Landstraße zu. Hans ließ sich
überzeugen. Wenige hundert Meter weiter kam dann eine Tankstelle rechts, an der zwei Pilger
standen. Deutsche (Bernd und Christiane),
die wir noch nicht gesehen hatten. (Mein Gott, noch mehr Konkurrenz!)
Man könne sich den Stempel im Haus rechts holen, informierte mich Bernd, aber ich winkte ab.
Erst Betten belegen, denn die
Herberge lag gleich rechts, etwa 30 m entfernt, etwas von der Straße weg.
Die Pilgerherberge: viel Platz, gut eingerichtet
Hans und ich laufen drinnen die Treppe hoch zu den Schlafräumen. Hm, links in den kleineren
sind schon Pilger, aber rechts in dem großen ist noch alles frei. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Tatsächlich haben wir noch mehrere Pilger vor uns in letzter Minute abgehängt, weil die dem
erwähnten gelben Pfeil nach rechts und damit in die Irre gefolgt sind.
Links sind ein 2-Bett- und ein 4-Bett-Zimmer, der große Schlafraum hat 8 Betten; keine
Doppelstockbetten,
alle einzeln, mit sehr viel Platz. Super! Draußen zwei Terrassen. Auf der vor den kleineren
Schlafräumen sind zwei Waschbecken für Wäsche und sogar Leinen. Duschen und Toiletten im
Prinzip in Ordnung, aber nicht abschließbar. Auch fehlen die Toilettendeckel. Aber "heruntergekommen",
wie ein Pilger schreibt, ist diese Herberge wirklich nicht.
Den Stempel bekomme ich im Haus rechts von der Tankstelle. Man geht eine Außentreppe hoch,
über eine Terrasse in ein großes Zimmer. Dort erwartete mich eine Frau, mit der ich mich ein paar
Sätze unterhielt. Doch, auch an den vorigen Tagen seien recht viele Pilger dagewesen.
In unserem Schlafsaal kommen außer uns Edward und Gunda, Bernd und Christiane und ein
Niederländer unter. Bernd und Christiane kommen mir wie ein junges
(nettes) Paar vor; später erfahre ich, dass sie schon erwachsene Kinder haben. An solchen
Überraschungen merkt man, wie alt man selbst schon ist.
Es bleibt sogar noch ein Bett frei. Offensichtlich sind einige Pilger zu anderen
Unterkünften in den Ort gegangen. Tatsächlich war das auch künftig durchweg der Fall, weil
Refugios nicht jedem liegen. Uns war das sehr Recht; nur so bekamen wir auf einigen Etappen überhaupt
ein Bett in der Pilgerherberge. Das soll auch eine Ermunterung an diejenigen sein, die sich
jeden Tag finanziell ein Hostal leisten können. Ich bin weit davon entfernt, das zu kritisieren.
Ein Pilger muss nicht unnötigerweise in einfachster Umgebung unterkommen, das ist zwangsweise
schon häufig genug der Fall.
Kein Menüangebot in der Stadt
Abendessen (nach langem Suchen) in der Bar Isidoro. Das Essen war zufriedenstellend,
aber das meiste, was auf der
Karte stand, gab es nicht. Rolf und Virginia haben gegenüber der Herberge in der Bar
del Peregrino gegessen; viel zu teuer: pro Person 16 EUR und nur mittelmäßiges Essen,
schreibt Rolf.
Viel wichtiger als das Abendessen war für mich aber an diesem Tag:
Mein Fuß hatte abermals durchgehalten, und ich
konnte weiterlaufen. Da war ich doch sehr froh.
28. April 2005, Donnerstag: Von Castilblanco de los Arroyos nach
Almadén de la Plata, 30 km (71 km)
Achtung: Entgegen dem Hinweis im Handbuch gibt es auch nach 19 km kein
Trinkwasser, allenfalls "auf eigene Gefahr".
Wieder ein ödes Stück Landstraße
6h30 stehen wir auf, machen uns ohne Hast fertig, frühstücken und ziehen 7h45 als Letzte los.
Heute haben wir eine sehr lange Etappe vor uns, wird mein Fuß das durchhalten?
Es geht auf der Hauptstraße durch den Ort und dann links ab auf eine Landstraße in Richtung
Almadén de la Plata. Bestes Wetter, wie immer zunächst erträglich, später langsam immer
heißer werdend. 16 Kilometer auf der Straße, die "hauen wir einfach weg", wie wir das untereinander
ausdrücken. Das heißt, wir machen äußerstes Tempo wie auf den Fernstraßen vor Sevilla, nur mit
kurzen Trinkpausen, bis dieser öde Straßenabschnitt hinter uns liegt. Wieder gibt es einigen
Autoverkehr. Links und rechts liegt eine schöne Weidelandschaft mit Eichen, wie gestern. Schade,
dass hier die Grundbesitzer kein Betreten erlauben.
Bernd und Christiane laufen mit uns parallel, d.h. immer, wenn eine Zweiergruppe eine kurze Pause
macht, wird sie von der anderen überholt. Milchpause auf einer Brücke, denn sonst gibt es keine
Sitzgelegenheiten.
Endlich um 11h30, nach 3 3/4 Stunden, die lange erwartete Abzweigung in den
Naturpark rechts, nicht zu übersehen, mit großem (unbesetztem) Pförtnerhaus. Auf einer schmalen
und teils defekten Asphaltstraße durch ehemaliges Weidegebiet mit vielen Eichen. Hier sollte
es angeblich von seltenen Tieren, darunter Schlangen, wimmeln. Na, ich war gespannt. Vergeblich:
den ganzen Tag bekam ich trotz eifrigen Spähens keinen Schwanz zu sehen. Nach kurzer Zeit links
ein Metallturm, der wohl als Beobachtungsstation diente, um Waldbrände zu entdecken. Ich
klettere hoch, sehe oben weit über das hügelige Land. Aber Almadén ist durch den
nächsten Höhenzug, den wir überwinden müssen, verdeckt.
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Rolf bei einer Pause unterwegs
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Doch kein Trinkwasser im Forsthaus
Nach einiger Zeit erreichen wir das Forsthaus. Dort könne man um Wasser bitten, schreibt
das Handbuch, notfalls einfach zum Kran im Hof. Ja, denkste! Kaum haben wir den Hof erreicht,
saust ein Waldwart aus dem Gebäude auf uns zu und will uns unwirsch vertreiben. Auf meine Bitte
um Wasser ein Schwall von Erklärungen, die ich kaum verstehe. Aus dem Kran dürfe man sich nicht
bedienen, sie hätten auch ihr eigenes Wasser mit. Ist das Wasser nun trinkbar oder nicht?
Er beginnt die Leier ärgerlich von vorn; sicher musste er sie heute schon ein dutzend Mal halten.
Wir ziehen verärgert ab. Also nichts mit "Wasser unterwegs"!
Inzwischend ist es sehr, sehr heiß geworden. Mittagspause von 12h00 bis 13h00 im Grünen.
Ich versuche vergeblich, einen Wiedehopf anzulocken. Einmal läuft ein Reh durch die Büsche.
Wir sitzen bzw. liegen ganz still. Trotzdem nicht mal eine Eidechse, geschweige denn Schlange, die
sich nähert. Dieses Naturparadies ist doch ziemlich übertrieben geschildert worden. Unterdessen
ziehen der Niederländer sowie Bernd und Christiane vorbei. Letztere lassen sich etwas weiter
an einem kleinen Stausee nieder, der rechts unterhalb des Weges liegt. Baden ist aber verboten.
Wir kommen an einen Bach, in dem Hans eine Wasserschildkröte entdeckt, die eilig in Deckung
schwimmt. Noch weiter ist der Wasserlauf rechts und links gestaut. Hans möchte im Wasser
herumplanschen, ich will weiter, weil es gefährlich heiß ist, ich nicht mehr sehr viel Wasser
habe und das Schwierigste (der Höhenzug) noch vor uns liegt. Also trennen wir uns. Hans
meint, er findet den Weg auch ohne Beschreibung, nur nach den Pfeilen; außerdem hat er einiges
in Erinnerung, als er vor drei Jahren hier alleine herlief.
Der berüchtigte Aufstieg vor Almadén de la Plata
Die Handbuchkopie in der Hand, laufe ich äußerst vorsichtig weiter, spähe unablässig nach
den beschriebenen Abzweigungen. Zu meiner Erleichterung kommt irgendwann
wieder ein Pfeil. Die unsichere Stelle, bei der man zwei Tore vor sich hat und
durch das linke auf einen kaum sichtbaren Pfad abbiegen muss, meistere
ich auch. Was einen irritiert, sind gelbe Plastikstreifen an fast ganz umgekippten rostigen
Zaunpfählen. Zeigt die jetzige Position (nach dem Umkippen) die Richtung an, oder muss man sich
die Zaunpfähle aufgerichtet denken, um die Richtung zu bestimmen? Ersteres ist richtig.
Manche kurze Pause im Schatten der wenigen Bäume am Weg. Ich teile mir den Rest des
Trinkwassers rigoros ein, mit kleiner Sicherheitsreserve. Nun geht es auf die Hügelkette zu. Der
Weg steigt längst an, aber er windet sich noch durch die Höhen hindurch. Ich werde schon
ungeduldig, habe die Richtung schon ziemlich verloren. Vor mir sind mehrere Pisten auszumachen,
die den (letzten?) Kamm überqueren, aber wo geht der Pilgerweg her? Nun, ich habe ihn nicht
verloren. Endlich geht es wie angekündigt, sehr, sehr steil hoch. Dieser Aufstieg ist aus allen
Wegebeschreibungen bekannt. Ich setze Fuß vor Fuß, mache ganz kurze Schritte (das nenne ich
meinen "Geländegang"). Der Schweiß strömt mir am Körper herunter. Ich verspreche ihm oben
wieder Wasser, aber erst oben, und dann eine schöne Siesta in der Herberge. Das Handbuch schickt
mich weiter steil nach oben. Die Piste macht aber einen Linksbogen mit Serpentine, da wäre es
etwas gemächlicher gewesen. Egal, endlich nicht mehr so steil und bald die Höhe erreicht. Puh!
Die Serpentinen vor Gaucín und dieser Aufstieg waren aus der Rückschau die
anstrengendsten Abschnitte unserer Pilgerfahrt. Nur hier wurde das Wasser knapp. Später
haben wir uns vorsichtigerweise immer reichlich mit Vorräten versehen, bei langen Etappen
mit einer zusätzlichen Reserveflasche, aber so viel Hitze und Steigung gleichzeitig gab es den
Rest unserer Tour nicht mehr.
Durch Almadén de la Plata: Nicht ganz leicht zu finden
Auf der Höhe sind zwei ausgebaute Aussichtsplattformen, die Ausblicke ins Tal zurück
und nach vorn auf
Almadén de la Plata bieten, das zum Greifen nahe ist. Blick zunächst zurück: Hans ist
nicht zu sehen. Noch einen Schluck Wasser, jetzt kann ja nichts mehr passieren, und dann an den
Abstieg. Dieser erweist sich als überraschend schwierig. Steil geht es hinunter, das war klar, aber
so einen gerölligen Hohlweg hatte ich nicht erwartet. Mit äußerster Vorsicht tappe ich langsam
hinunter, setze pausenlos den Stock ein. Ich erreiche einen Felsen, auf dem ein Wegekreuz
errichtet worden ist. Ich mache den Abstecher 20 m nach rechts, verzichte aber darauf, zum
Kreuz hochzuklettern. Ich bin heilfroh, als ich endlich die angekündigte Betonpiste vor dem
Dorf erreiche. Unten laufe ich auf eine Werkstatt zu. Christiane erzählt später, hier sei man ihnen
mit einem Krug herrlich frischen Wassers entgegengekommen. Hm, mir nicht. Vielleicht habe
ich einen nicht so abgekämpften Eindruck gemacht, als ich forschen Schrittes (es ging ja immer
noch bergab), stolz wie Oskar, dass ich alles überstanden hatte, die Dorfstraße erreichte.
Laut Handbuchbeschreibung laufe ich einen Linksbogen durch den Ort, erreiche auch
ohne Mühe die Plaza de la Palmera. Hier löse ich mein Versprechen an meinen Körper
ein und gehe links in eine Bar, kippe zwei Colas. Ahhh! - Nun drückt sich das Handbuch sehr
unklar aus: Angeblich trifft man auf die Landstraße und folgt ihr bis zum Ortsende. Ich laufe
also von der Bar aus links am Platz weiter und halte mich geradeaus, will das Ortsende
erreichen. Das war falsch. Immerhin finde ich so rechts die Bar La Conda, wo wir zu
Abend essen werden.
Die Straße, die ich hochlaufe, ist nämlich schon die Landstraße, ohne dass man das
merkt, und sie kommt einem entgegen, läuft an der Plaza de la Palmera oben entlang
und biegt dann rechtwinklig links ab in Richtung Ortseingang. Ich hätte mich also an dem
Platz rechts halten und geradeaus gehen müssen, nicht links geradeaus. Ich ärgere mich,
dass "hilfreiche Spanier" mir entgegeneilen und "poco mal" rufen, mich zum Platz zurückwedeln
wollen, kombiniere richtig und laufe am Ende der falschen Straße einfach nach rechts weiter,
ein Stück zurück, und treffe so auf die richtige Straße, die links zum Ortsausgang führt.
(Das war auch die kürzeste Verbindung von der Herberge zur Bar.)
Aber es gibt noch eine Überraschung. Nach dem Handbuch soll man von da, wo der
Wanderweg "Sendero de los Molinos" ausgeschildert ist, noch 150 m weiterlaufen, wo
rechts die Pilgerherberge liegt. Das Schild kommt, sagt zusätzlich "100 m". Ich missdeute das
als Vorwegweiser, nämlich dass es 100 m weiter die Straße hoch rechts in den Wanderweg
geht, laufe also etwa 100 m weiter (dort geht eine Straße rechts ab), dann die vom Handbuch
angekündigten 150 m - und sehe weit und breit keine Herberge. Eine Frau schickt mich
wieder zurück. Die Herberge liegt an der Abzweigung 150 m vorher, wo - so dachte ich -
der Wanderweg abgeht. (Er ging aber schon vorher ab, weil das Schild mit den "100 m"
meinte: "Hier rechts ab, dann kommt nach 100 m der Wanderweg.") Kleine Fehldeutung
meinerseits. Zudem ist die Herberge - mein Blick hatte sie flüchtig gestreift - äußerlich
überhaupt nicht als städtische Jugendherberge zu erkennen: eine große kahle Wand, die
regelrecht nach einer Beschriftung schreit, der Eingang in einem Innenhof verborgen.
Nirgendwo ein Hinweis oder ein Pfeil.
In der städtischen Jugendherberge
16h30 betrete ich die Herberge (die nicht nur Pilgern offensteht). Im Schlafsaal rechts
ist schon alles recht voll, nur noch obere Betten frei. Ich reagiere etwas verstimmt, aber
Gunda räumt bereitwillig einen Stuhl, damit ich wenigstens zum oberen Bett hochentern
kann. (Das war überflüssig, denn ich hätte mir einen Stuhl aus dem Tagesraum holen können.
Im weiteren Verlauf der Pilgertour wurden solche kleinen Kniffe selbstverständlich.)
Unter mir lag der Niederländer. Zwei neue Pilger, ein baumlanger hagerer Mann und eine
junge Fanzösin waren angeblich von Norden gekommen. Hans kommt und bezieht eines
der noch freien oberen Betten. Dann treffen auch Bernd und Christiane ein, aber für sie
scheint der Platz nicht mehr zu reichen. Oben ist aber ein weiterer abgeschlossener Schlafsaal.
Als die Herbergsmutter kommt und von uns allen 6 EUR kassiert, schließt sie ohne
Zögern den oberen Schlafsaal auf. Also, Platz ist genug. Stempel haben wir auch.
Im Übrigen ist es eine sehr gute Herberge mit einem riesigen Tagesraum und sogar einem
Kühlschrank. Steckdosen selbstredend. Was will man mehr?
Vom "Schnüffeln" und anderen "Fachausdrücken"
Nachmittags gehen wir "schnüffeln". Es ist lustig, wie sich in einer bestimmten Situation
wie einer Pilgerfahrt spezielle Ausdrücke etablieren, die sich sehr schnell verbreiten.
"Schnüffeln" hieß, den Ort abzuklappern und herauszufinden, wo man einkaufen kann, wo
es ein Abendessen gibt und wo es anderntags weitergeht, ferner natürlich auch, was es zu
besichtigen gibt, wobei ein Besuch im Oficina de Turismo meist sehr nützlich ist.
Ein weiterer Ausdruck war die ständige Redensart zwischen Hans und mir: "Macht nichts, das hauen wir
auch noch weg." Das passte als Reaktion auf alle möglichen Mitteilungen wie "Mann, jetzt
kommen 16 km Landstraße.", "Au, morgen gibt's eine Doppeletappe", aber auch: "Wir
haben zwei große Bier bestellt, und da bringt der jetzt Literkrüge." :-))
Keine Fußprobleme mehr
Auch diese lange
Etappe hatte mein linker Fuß heute "weggehauen", jetzt war ich nicht mehr zu bremsen.
Morgens habe ich an den nächsten Tagen noch etwa 1 Stunde lang leichte Schmerzen,
aber sobald ich eingelaufen bin, kann ich ganz normal auftreten.
Abends gibt es ein 0815-Menü für 9 EUR in der schon genannten Bar La Conda.
Wir sind 14 Pilger: darunter 8 Deutsche, 3 Niederländer und nur 1 Spanier. Typisch für die Via um diese
Zeit.
29. April 2005, Freitag: Von Almadén de la Plata nach
El Real de la Jara, 17 km (88 km)
Eine der schönsten Strecken: gesperrt
Über diese Etappe hatte ich mich gründlich vorinformiert. Im Handbuch von 2004
stand schon warnend, es
gäbe Probleme mit einer Finca, deren Besitzerin die Pilger nicht gerne sähe. Man müsse deshalb über
ein Tor klettern. Dieser Streit hat sich wohl ausgeweitet, denn jetzt ist zwei Drittel des Weges gesperrt,
und das auf einem der schönsten Abschnitte der Via. Theoretisch könnte man zumindest noch durch das
Areal der ehemaligen Finca "Arroyo Mateo", die jetzt im Staatsbesitz und Landschaftsschutzgebiet
ist, auf der alten Strecke weiter,
aber danach gibt es keine Möglichkeit mehr, die Landstraße zu erreichen. Zwei Pilger, die das
versucht haben, raten ab: sie mussten die ganze Zeit über Zäune klettern. Statt dessen ist der
Streckenverlauf des Pilgerweges bis auf weiteres geändert worden: Nach ca. 3 km wird man an einer
Stelle, wo die Landstraße ganz nah ist, auf diese umgeleitet und kann dann den Rest der Etappe darauf
bleiben: trotz der schönen Landschaft rechts und links ein Jammer, wieder geht es stur die Straße entlang.
Auch wenn sie wenig befahren ist, Landstraße bleibt Landstraße.
Das neue Handbuch von 2005 schickt einen ohne weiteren Hinweis die neue
Streckenführung entlang. Geblieben ist aber der Hinweis "Diese kurze Etappe ist
landschaftlich sehr schön, aber teilweise ziemlich anstrengend". Das galt für die alte
Route. Die neue ist überhaupt nicht anstrengend und nur noch bedingt landschaftlich schön.
Ein übler Hund
Erst 8h32 rücken wir ab, sind bis auf einen Pilger, der schlimm humpelt, die Letzten. Die junge Französin
hat mich aufgehalten, über die Strecke nach Gibraltar ausgefragt. Sie scheut wohl vor nichts zurück.
Man munkelt, sie sei die gesperrte Strecke gegangen, einfach übers Tor geklettert. Ich trau ihr's zu.
Der Weg von der Herberge aus durch Almadén de la Plata ist verwirrend. Man folgt zunächst
dem Schild "Sendero Los Molinos", das mich tags zuvor irritiert hatte. Dann geht es vom Gefühl her
ein ganzes Stück ins Dorf zurück, bis man endlich links in Richtung Stierkampfarena abzweigt.
Danach war der Weg wieder leicht zu finden, und bald liefen wir durch ein schönes hügeliges
Weidegelände. Aber nur 1 km weiter kommt die im Handbuch erwähnte Villa in Sicht, die, wie ein anderer
Pilger schreibt, "von aggressiven Hunden gut bewacht" wird. Nun, drei kleine Kläffer wickelte Hans
ohne Mühe um den Finger, aber im Garten wurde eine große Dogge von der jungen Besitzerin
zurückgehalten. Das Biest wäre uns gern ans Leder gegangen. Andere Pilger erzählten am Abend,
dass sie den Hund noch freilaufend angetroffen und Todesängste ausgestanden hätten. Gut, dass
ich noch nicht Raimund Joos' Hinweis im Handbuch gelesen hatte, dass er hier gebissen wurde.
(Wer diesem Risko entgehen will, kann von Anfang an die Landstraße nach El Real de la Jara benutzen.) Nachtrag von 2007: Das Hundeproblem besteht weiterhin, aber laut dem
letzten Bericht einer Pilgerschwester war er angeleint. Hoffentlich immer.
Der Rest war Landstraße
Wenige hundert Meter weiter kommt hinter einer Anhöhe dann rechts die Landstraße in Sicht
und es geht durch ein Tor und in einem Rechtsbogen zurück, bis man sie erreicht hat.
Hier holten wir Karin und Christel ein, die etwas Knieprobleme haben. Sie pflegten in Hostals zu
übernachten und milderten damit den Ansturm auf die Refugiobetten. Dann kommt ein Schild,
auf dem was von "20 km" steht. Laufen wir etwa zu allem auch noch einen riesigen Umweg?
Nein, gegen 11h00 sind wir an einem Wegweiser: "El Real de la Jara 4 km", das hört sich schon
besser an. Die Mittagspause lassen wir ausfallen, wie später noch oft, wenn das Ziel schon in
Reichweite ist. Die junge Französin hatte mir gesagt, die Herberge sei am Ortseingang.
Aber es ist nichts zu sehen, als wir kurz nach Mittag an den ersten Häusern vorbeiziehen.
Der Weg zur neuen Herberge
An einem größeren Platz (Plaza de España) machen wir erst mal halt und fragen.
Ich weiß ja, dass es eine neue Herberge gibt. Man zeigt uns: links ab, dann nochmal links
(= Calle Picasso), dort am Ende rechts. Das stimmt. Die Calle Picasso verläuft also
parallel zu unserer Landstraße; dort kommt auch sicher der gesperrte Pilgerweg heraus, und
wenn die Französin den (in der umgekehrten Richtung) gegangen ist, hatte sie Recht, dass
die Herberge am Ortsanfang (für sie am Ortsausgang) liegt.
Wie wir abbiegen, kommt Jesús und winkt uns. Er weiß schon, wo man die Schlüssel bekommt,
praktisch! Es geht von der Plaza links ab, dann rechts in eine große Geschäftsstraße, die
parallel zur Hauptstraße verläuft. Recht weit, ca. 500 m die Straße hinunter,
liegt rechts das Oficina de Turismo.
Wir bekommen gleich unsere Stempel und zahlen jeder 8 EUR für die Unterkunft. Richtig so!
Dann hat die Gemeinde wenigstens Geld, die Herberge auf Vordermann zu halten. Ich bin immer
dafür, dass man seinen Obolus dazu beitragen soll. Die junge Dame (Sara heißt sie) schließt
dann zu unserem Erstaunen bierernst das Touristenbüro ab und besteht darauf, uns persönlich
zur Herberge zu geleiten, und die ist immerhin fast 1 km entfernt. Ja, wir bekommen nämlich
keinen Schlüssel, sie ist angewiesen, selbst aufzuschließen, erzählt sie. Man sieht Jesús an
seinem Gesicht an, dass ihm das nicht spanisch, sondern preußisch vorkommt. (Andere
Pilge berichten, dass sie den Schlüssel dort erst um 18 Uhr bekommen haben. Auch gibt
es am Wochenende Schwierigkeiten, wenn das Tourismusbüro geschlossen ist.)
Die neue Herberge von El Real de la Jara
Ansonsten entpuppt sich Jesús als lustiger Gesell, der, obwohl im Großvateralter wie wir
alle, mit dem jungen Mädchen scherzt und auch sonst Stimmung verbreitet. Von der Geschäftsstraße
aus (dort kann man einkaufen) geht es zurück und dann in der Linkskurve
praktisch geradeaus über die nächste Querstraße
in die Calle Picasso. (Das Handbuch schickt einen mit einem überflüssigen Schlenker über die Plaza de España.).
In diesem Ort hat man's mit der Orientierung leicht. Die Herberge ist schon geöffnet, in einem
Zimmer sind schon Edward, Gunda, Schacki und Dakshina. Nun bekommen wir ein zweites
aufgeschlossen, das wir mit Jesús zusammen beziehen. Insgesamt gibt es 3 Zimmer a 4 Betten,
alles sehr neu und prima in Schuss, in einem alten, aber vorbildlich restaurierten Haus. Nur der
Waschbeckenabfluss auf der Männertoilette ist undicht. Der Flur ist zugleich Aufenthaltsraum mit Tischen
und Bänken. Dort kochen die anderen am Abend Spaghetti. Auf der
Terrasse hängen bald unsere Wäscheleinen.
Planung tut Not
Heute war die Etappe ja kurz, und einige sind deshalb bis Monesterio weitergelaufen.
Edward und Gunda erzählen harmlos, dass sie in wenigen Wochen in Santiago sein wollen.
Hm, und dann laufen sie Kurzetappen? Sie ziehen sich zum Nachrechnen zurück und kommen
etwas konsterniert wieder: Wir haben Recht, Kurzetappen können sie sich gar nicht leisten.
Morgen wollen sie über Monesterio hinaus und dann auf halbem Wege nach Fuente de
Cantos im Freien nächtigen, den anderen Tag gleich bis Zafra. - Das haben sie wohl
alles gemacht, denn wir haben sie hinter El Real de la Jara nicht wiedergesehen.
Ein lohnender Ausflug und ein gutes Restaurant
Es ist noch früh am Nachmittag, also zum "Schnüffeln" in die kleine Stadt. Wir haben sogar
Zeit, zu der renovierten Festung hochzusteigen und den Rundumblick zu genießen. Auch machen
wir neben der Kirche ein Restaurant aus, das Mesón La Cochera. Abends esse ich dort Ensalada mixta, pescados a la plancha,
2 Bier, alles zus. 8 EUR, prima.
Dort treffen wir auch
die Niederländerinnen wieder, die wie einige andere im Casa Molina untergekommen
sind. (Einige haben gar nichts von der neuen Herberge gewusst.)
Rolf schreibt, dass auch diese Unterkunft sehr zu empfehlen ist. 10 EUR pro
Bett im Doppelzimmer. Schöner Innenhof, wo man Wäsche waschen und trocknen kann.
Telefonische Reservierung problemlos möglich (klares Kastilisch). (Im Frühjahr 2006
soll die Unterkunft unsauber gewesen sein.)
30. April 2005, Samstag: Von El Real de la Jara nach Monesterio, 20 km (108 km)
Aufbruch in die Extremadura
Wie so oft, ziehen wir nach ausgiebigem Frühstück als die Letzten los. Den Schlüssel werfen
wir in den Briefkasten. 8h00 laufen wir die Hauptstraße entlang, am Casa Molina vorbei
und aus dem Ort heraus. Diese Strecke haben wir gestern von der Festung aus
schon von oben gesehen.
Grenze zur Extremadura
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Hinter der nächsten Hügelwelle geht es zu einem Bach hinab.
Er bildet die Grenze zur Extremadura. Ab jetzt betreten wir die gefürchtete Provinz,
die ärmste und heißeste Spaniens. Die Ruine einer kleinen Grenzburg empfängt uns.
Danach stapfen wir ca. 11 km auf einer Piste zwischen schönen Weiden mit den üblichen
schwarzen Schweinen, noch alles bewachsen mit Eichen, aber doch auch schon sehr trocken.
Immerhin ein sehr angenehmer Weg, ohne jegliche Schwierigkeiten. Da zieht man wirklich
fröhlich und zufrieden dahin.
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Nach ca. 8 km holen wir Jesús ein, der Pause macht. Während wir uns niederlassen, um
unsere übliche Milch zu trinken, eilt er wieder davon. Wenige Kilometer weiter ist es mit
dem schönen Weg vorbei. Wir kommen an die N630, aber damit nicht genug: zugleich laufen
wir in eine riesige Autobahnbaustelle, die bis Monesterio reicht. Links soll es
zunächst eine Tankstelle mit selbst produzierten Lebensmitteln geben. Schacki und
Dakshina haben diesen Abstecher gemacht und erzählten nachher, es habe sich gelohnt.
U.a. habe es leckere Pröbchen gegeben. Da wir gleich weitergingen, überholten wir sie,
aber bald tauchten sie hinter uns wieder auf.
Durch eine lange Autobahnbaustelle
Rechts der N630, wo der Pilgerweg mal verlief, war kein Durchkommen mehr. Wir liefen
also zunächst links auf dem Seitenstreifen. Dichter Verkehr. Als ich einmal zurückschaue,
sehe ich zwei Gestalten, die links über die Erdhaufen der Baustelle klettern und uns
signalisieren, dass wir falsch gehen. Ich winke ab, kann die Personen nicht erkennen; es
waren aber Schacki und Dakshina. Nach etwa 1 km sehe ich im Gebüsch auf der rechten
Seite der Straße einen Weg. Wir kreuzen also die N630 und laufen auf diesem Weg weiter;
es ist die ursprüngliche Pilgerroute. Sie wird nach 1,5 km von der Baustelle unterbrochen,
aber wir finden die Fortsetzung noch geradeaus. Etwas später ist aber ganz Schluss,
wir müssen wieder zur linken Straßenseite hinüber. Das liegt aber nicht an der
Baustelle, so verlief der Pilgerweg auch vorher. Schacki und Dakshina sind jetzt
dicht hinter uns, bleiben auf den folgenden Kilometern aber zurück. Statt dessen sehen
wir Jesús vor uns. Manchmal gibt es links einen Fußpfad hinter der Leitplanke.
Endlich kommt die Abzweigung der alten Nationalstraße nach links. Von hier
blieb der Pilgerweg früher links der N630 bis Monesterio, aber jetzt landen wir
gleich wieder in der Baustelle. Wir versuchen, uns 1-2 km an Baggern und Lastwagen
vorbeizuschlängeln. Es geht auch noch bergab, obwohl die N630 schon die vor uns
sichtbare Höhe zu erklimmen beginnt, hinter der unser Zielort Monesterio liegt.
Deshalb geben wir auf, gehen lieber zur N630 nach rechts hinüber und folgen ihr
zum Pass hoch. Jesús sehen wir unten weiter durch die Baustelle laufen; er muss jeden Meter,
den er jetzt hinuntergeht, nachher wieder hochlaufen. Auch nicht sehr attraktiv.
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Herrliche Landschaft neben der Fernstraße
(Bild: Ingrid)
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Stumpf hauen wir die 2 km zum Pass hoch weg. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe,
laufe ich einfach automatisch weiter, hänge meinen Gedanken nach und blende den
Verkehr neben mir einfach aus.
Die Herberge im Haus des Roten Kreuzes
Jesús erreicht die Anhöhe noch etwas vor uns, er
bleibt aber in Sichtweite. Oben geht es gleich in die Stadt hinein, die N630 verläuft
mitten durch sie hindurch. Nach wenigen 100 m kommt links eine Tankstelle und
direkt daneben, etwas abseits der Straße, steht das Haus des Roten Kreuzes, das
zugleich die Herberge ist. Weiße Fassade mit großen Buchsteben "Cruz Ro"; das
"ja" fehlt, da hat die Farbe nicht gelangt, oder es war Siestazeit oder ... Spanien!
Nachtrag von 2007: Die Herberge ist geschlossen. Man kann im
Hotel Moya unterkommen. Weitere Unterkünfte im Ort.
Jesús kommt vom nahen Hotel Moya (dort soll man auch günstig
unterkommen, schreibt ein Pilger) schon zurück und hat den Schlüssel
geholt. Praktisch! Hans passt mit seinem sperrigen Rucksack kaum durch die enge Tür.
Innen gibt es links einen
Aufenthaltsraum, dahinter ein Zimmer mit 2 Doppelstockbetten und ein Badezimmer,
alles ganz ordentlich. Von der Tür aus geradeaus noch ein Schlafzimmer mit einem
Doppelstockbett und nochmal Dusche und Toilette. Außerdem steht noch eine
Krankenliege da, aber das ist mehr als Behelf. Hans und ich ziehen 12h44 ins linke Zimmer,
Jesús ins rechte. Als dann Schacki und Dakshina kommen, tritt Jesús ihnen großzügig
sein Zimmer ab und verzieht sich ins Obergeschoss, wo wohl noch Matratzen sind.
Die Idee mit den "Wanderbüchern"
Im Aufenthaltsraum liegt Informationsmaterial, ferner einige alte Bücher, sogar
deutsche. Hans und ich fallen darüber her. Manche schleppen Bücher mit, aber die
sind ja schwer, und wenn man sie gelesen hat, nur noch Ballast. So kommt mir die
Idee mit den Wanderbüchern. Man nimmt von zu Hause ein oder zwei
gebrauchte Bücher mit, auf die man verzichten kann und legt sie im nächsten
Refugio aus. Ein Pilger, der ein Buch gern lesen möchte, nimmt es einfach mit,
bis er es durchgelesen hat; dann lässt er es einfach in einem anderen Refugio liegen.
(So kommen die Bücher irgendwann alle nach Santiago, es sei denn, Pilger, die
entgegengesetzt laufen, transportieren sie ein Stück zurück.) Der Gedanke gefällt mir,
und ich setze ihn gleich in die Tat um, indem ich ein Buch einstecke. ;-)) Sein Titel
lautet "Nach Norden, Strolch!" Passt ja wie die Faust aufs Auge. "Nach Norden,
Strolch!" habe ich in den kommenden Wochen dann auch mehrmals zu mir selbst gesagt und
mich (als Strolch) dabei sehr wohlgefühlt :-))
Noch ein paar Tipps zu Monesterio
Der Ort ist ziemlich trist, die Straße schwer zu überqueren. Rechts von der
N630 liegt das Zentrum mit der Kirche. Dort gehen wir abends in die Messe.
Die übrigen Pilger außer uns fünf übernachten in Hostals. So gibt es z.B.
Bar/Hostal Extremadura, wo das Bett nur 12 EUR kostet, wie mir einer
später berichtet.
Mein Tagebuch berichtet nicht, wo wir zu Abend gegessen haben; ich vermute,
im Hotel Moya. Evtl. haben wir uns aber auch selbst mit dem verpflegt,
was wir vom Einkaufen mitgebracht hatten. Das kam schon mal vor. Längst war ich von dem
ewigen trockenen Weißbrot auf Vollwertzwiebäcke umgestiegen, und diese schmeckten mit
schönen Scheiben Käse oder Schinken auch sehr gut.
In dem Informationsmaterial stand auch etwas von einem Großsteingrab in der
Nähe. Siehe da, nach Vergleichen der Karten stellte ich fest, dass der Pilgerweg
anderntags nur ca. 30 m daran vorbeigehen würde. Da war ich ja gespannt.
01. Mai 2005, Sonntag: Von Monesterio nach Fuente de Cantos, 22 km (130 km)
Feiertagsregelung in Spanien
Dieser 1. Mai fiel auf einen Sonntag. In so einem Jahr wird dann in Spanien einfach auch
der Montag zum Feiertag erklärt, damit die arbeitende Bevölkerung nicht um einen freien
Tag betrogen wird. (In Deutschland wird umgekehrt erwogen, den Nationalfeiertag vom
3. Oktober immer auf den nächsten Sonntag zu legen.) Für uns Pilger bedeutete das,
dass wir aufpassen mussten, irgendwo einkaufen zu können, vor allem eben Wasser.
Der Tag begann mit dem herrlichen Gefühl, gut geschlafen zu haben, denn zu zweit
in einem Vierbettzimmer, das hatten wir seit Sevilla nicht mehr gehabt. Außerdem war
der Verkehr von der N630 gar nicht so störend, wie ich erwartet hatte. Vielleicht fehlten
die Lastwagen wegen des langen Wochenendes.
Eine Sehenswürdigkeit am Wege
Jesús verabschiedet sich von uns. Er ist nach Hause zurückbeordert worden, zur
Erstkommunion eines Neffen, da ist nichts zu machen. Gerade hatten wir uns an ihn
gewöhnt, schade! 7h45 marschieren wir los, erst die Hauptstraße entlang, dann links
auf eine Piste, und dann folgt lange ein landschaftlich sehr schöner Weg, abwechslungsreich,
mit Bächen und kleinen Hügeln und viel Grün, rechts und links natürlich wieder Viehweiden.
Nach 6 km überqueren wir eine kleine Landstraße. Danach halte ich nach dem
Hügelgrab Ausschau. Rechts liegen ein-zwei niedrige, bewachsene Erdbuckel, die Grabhügel sein
könnten, aber wir durchsuchen sie ergebnislos. Etwas weiter, ca. 200 m von der
Landstraße entfernt, gegenüber einer
Weidentür links, liegt noch einer, mit dem typischen Uhrglasprofil. Ich drehe schon ab,
weil ich keine Steine sehe, aber Hans klettert hoch und ruft mich. Natürlich, das Grab
steht nicht auf dem Hügel, wenn er noch nicht abgetragen ist, sondern liegt
in ihm, hier von oben freigelegt,. Man sieht deutlich die Kammer und bearbeitete
Felsbrockenwände als Seitenflächen. Ich freue mich, dass wir dieses denkwürdige
Zeugnis früherer menschlicher Schaffenskunst gefunden haben. Eigentlich sehr weit im
Inland, wo doch die Großsteinkultur meist nur in den Küstenstreifen entdeckt worden
ist. (Allerdings hatte ich sogar in der Schweiz einen Menhir gesehen.)
In die typische Landschaft der Extremadura hinein
Milchpause um 9h40 unter einem Schatten spendenden einzelnen Baum. Ringsum ist die
Vegetation schon spärlicher, geht langsam in Heide über. Ja, wir lassen die Eichen
hinter uns und laufen nun in die echte öde Extremadura hinein. Während wir lagern,
ziehen Bernd und Christiane vorbei. Fuente de Cantos ist schon in der Ferne zu
sehen, aber noch 10 km entfernt. Wir laufen nun lange, lange Pisten durch eine
Ackerlandschaft. Man kann sowohl weit voraus als auch zurückschauen. Alles das ist
typisch für die Extremadura. Wir kommen an einen breiten Bach und überqueren
ihn ohne Mühe. Vögel singen im Gebüsch. Solche Grünzeilen gibt es nur noch
entlang der Wasserläufe, und zu unserer Freude sind fast überall Nachtigallen in
diesen Vegetationsoasen heimisch. Nicht eine einzige haben wir gesehen, aber um so
besser gehört, manchmal direkt neben uns im Gebüsch.
Oberhalb des Wasserlaufes geht es an einer Mauer scharf
links weiter. Ein wenig später sehen wir weit vor uns sogar zwei Pilgerpaare,
ohne sie aber einholen zu können.
Dann passieren wir eine Schweinezucht, wo sich die glücklichen Viecher in künstlichen
Schlammlöchern wälzen. Da wird viel Wasser in dieser Trockenheit investiert.
Die touristische Herberge von Fuente de Cantos
Unser Ziel, Fuente de Cantos ist längst wieder sichtbar, und wir haben keine
Mühe, unablässig auf den Ort zuzustapfen. Bald haben wir ihn erreicht und laufen zur
Kirche. Dort ist gerade eine Art Kirmes, so dass alle gaffen. Wir flüchten regelrecht,
im Linksbogen um
die Kirche herum. Ein Polizist spricht uns an, weist den Weg zum Quartier. 12h45 treffen
wir dort ein.
Die Herberge liegt etwas außerhalb in einem renovierten Kloster. Im Hof liegt ein
Riesenvieh von Hund, ist aber völlig friedlich. Pilger, darunter auch neue, unbekannte,
sitzen schon in der Sonne und - haben Bier auf dem Tisch vor sich. Das sieht ja sehr
einladend aus. Rechts ist ein großer Gebäudeflügel. Am Anfang Waschräume und Toiletten,
erstaunlicherweise nicht nach Geschlechtern getrennt,
die Wäschewaschbecken etwas unbequem. Dahinter folgen Zimmer. Ein Mann begrüßt uns
freundlich und weist uns in ein Vierbettzimmer (2 Doppelstock-Betten), aber was für eins! Ganz
neu und riesengroß. Jedes Doppelstockbett hat praktisch einen ganzen Bereich für sich.
12 EUR für die Übernachtung (Einzelzimmer bzw. Doppelzimmer 15 EUR pro Nase),
einschließlich Frühstück.
Insgesamt gibt es je vier 4-Betten- und 2-Betten-Zimmer.
Der Mann weist uns fair darauf hin, dass zu uns zweien noch maximal zwei weitere
in diesem Zimmer untergebracht werden. Damit haben wir natürlich kein Problem.
Tatsächlich kommt später noch eine deutsche Pilgerin (Ingrid)
mit zu uns aufs Zimmer, wie gesagt, kein Problem, bei dem Platz.
Das Pilgerleben kann ja so schön sein ...
Glücklich richten wir uns ein. Dann die Routine mit Duschen, etwas Wäsche waschen.
Draußen brennt die Sonne, und es geht ein leichter Wind, ideales Wetter, um die Wäsche
in Rekordzeit trocken zu bekommen. Ich inspiziere den Hauptteil des Klosters.
Innen sehr große Räume, einer davon Esssaal, an einer Theke 0,4 l Bier für 1,50 EUR.
Damit versorge ich mich, sitze gemütlich draußen an einem Tisch und strecke die Beine von mir,
esse ein bisschen, da wir die Mittagspause wieder haben ausfallen lassen. Der riesige Hund
kommt und bettelt, trollt sich aber, als ich "Venga!" schnappe.
Ein älterer Franzose versucht mit mir ein Gespräch; er meint, alle Welt kann
Französisch, sieht aber bald ein, dass meine rudimentären (aktiven) Kenntnisse
nicht ausreichen, um seine Fragen zu beantworten. Er selbst versteht keine Fremdsprache.
Im Übrigen fällt "Schnüffeln" im Ort heute
flach, denn es wird hier ein Abendessen für 9 EUR angeboten.
Ein opulentes Abendessen
Das Abendessen um 19h00 (!) verdient eine ausführliche Aufzählung. 1. Gang:
Appetithappen (praktisch ein "pincho": ein Stückchen Brot mit Mayonnäse und Fisch
darauf, lecker). 2. Gang: Feldsalat mit Schinken- und Mozzarella-Stückchen. 3. Gang:
Reis, Fleisch, gedünstete Paprika. Nachtisch: Obstsalat (nicht aus der Dose). Dazu
2 Gläser Wein. Dann noch Kaffee und zum Schluss - ich staune echt - ein Glas Sekt.
Donnerwetter! - Es war extra eine Köchin aus dem Ort gekommen, um alles anzurichten.
Wir applaudieren begeistert.
Der Hausherr bittet uns zu einer (kostenlosen) Führung zur Geschichte des Klosters
und seiner Renovierung, außerdem über den Maler Zubarán, der aus dem Ort stammt.
Leider besteht der Mann darauf, die Führung auf Englisch zu machen. Sein Englisch ist
aber so schlecht (vor allem die Aussprache), dass Schacki alle Mühe hat, ins Deutsche
zu übersetzen, und selbst Dakshina, die ja Engländerin ist, fragt ein paarmal, was
um Himmelswillen er da gesagt habe.
Dann stehen wir an der Theke an und bekommen Stempel in die Ausweise.
Für 1,20 EUR gibt's auch noch 1 1/2 Liter Trinkwasser. Also haben wir alles, was wir
anderntags brauchen.
Mein Blick fällt auf eine halb volle Sektflasche, die ein jugendlicher Helfer dort vom
Abendessen stehen gelassen hat. (Die Spanier pflegen ja oft nicht zu Ende zu essen
und zu trinken.) Sicher wird das kostbare Nass später weggegossen. Das kann ich nicht
mit ansehen und stelle die Flasche für einen Gutenachttrunk sicher; Hans und ich haben
ihn genossen.
Finanzielle Erwägungen
Insgesamt habe ich heute 15 Pilger hier gezählt. Einige könnten Wochenendpilger sein.
Diese touristische Herberge (kein Refugio) hat mir ausnehmend gut gefallen. Ich kann
sie wärmstens empfehlen. Natürlich muss man berücksichtigen, dass wir hier 21 EUR
als Basiskosten aufbringen mussten (Unterkunft und Halbpension); das kann nicht jeder.
Unser durchschnittliches Budget von 25 EUR pro Tag war damit aber nicht überschritten.
02. Mai 2005, Montag: Von Fuente de Cantos nach Zafra, 25 km (155 km)
Geänderte Etappenpläne
Bis auf die lange Etappe nach Almadén de la Plata waren wir noch gar nicht
richtig gefordert worden, aber jetzt kam eine etwas längere Etappe als ursprünglich
geplant. Der Grund der Änderung war die Nachricht, dass die private Herberge in
Puebla de Sancho Pérez geschlossen sei. Nun musste das nicht unbedingt
stimmen, denn es stellte sich manchmal heraus, dass ich auf ein Pilgergerücht
hereingefallen war. Jedenfalls hatte ich die Etappen bis Torremegía neu
aufgeteilt und dadurch gleichzeitig auch noch einen langen Abschnitt von 35 km
auf 29 km verkürzt.
Wenig beeindruckende Pisten
Morgens in Fuente de Cantos schliefen wir mit Rücksicht auf Ingrid
(gemäß Absprache mit ihr) bis 7h00. An der Tür hingen die Frühstücksbeutel:
1/2 Bocadillo mit Käse, dazu 0,25 l Fruchtmilchgetränk. Kaffee konnten wir uns ja selbst
machen. (Die Herbergsleitung wohnte wohl nicht im Haus bzw. schlief heute in den
Feiertag hinein.) 8h15 ging es los. An die ersten Kilometer bis Calzadilla
de los Barros kann ich mich nicht erinnern, sie müssen sehr öde gewesen sein.
Hinter uns - sagt mein Tagebuch - waren drei Pilger in Sicht, die aber alle wohl
zu einem zweiten Frühstück in Calzadilla zurückblieben. Ich glaube, Virginia
hat später erzählt, sie hätten dort auch eingekauft. (Da kann man auch an Feiertagen
Glück haben.) An den Ort erinnere ich mich dunkel, nämlich wie wir am Rathausplatz
links abgebogen sind.
Private Herberge (1,8 km außerhalb von Calzadilla de los Barros) wird von Pilgern im Frühjahr 2006 empfohlen.
Übernachtung 6 EUR.
Dann setzt meine Erinnerung wieder deutlicher ein. Es geht durch
ein hügeliges Geländer durch endlose Felder, bis man auf die N630 trifft. Neben ihr
ein kleines Stück parallel und dann nach links in ein grünes Tal. Hier holt uns ein
deutsches Radfahrerehepaar ein, die auch in Fuente de Cantos übernachtet
haben. Wir wechseln ein paar Worte, dann fahren sie weiter. Kurz darauf gilt es
zwei Bäche zu überwinden, ist aber kein Problem. Milchpause um 10h40.
Auch die folgende laut Handbuch 6 km lange schnurgerade Piste hat keinerlei
bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Die müssen wir stur "weggehauen" haben.
Herberge in "Puebla de Sancho Pérez" mal geöffnet, mal
geschlossen
13h00 haben wir Puebla de Sancho Pérez (Was für ein Name!) erreicht.
Am Hauptplatz Plaza de España sitzen wir zu acht Pilgern (darunter
Rolf und Virginia) und essen etwas zu Mittag. Ich bestelle eine Portion Bacalao
und bekomme einen riesigen Teller voll geraspelten Stockfisch. Es schmeckt
gut, aber es ist zu viel, ich muss richtig einen "Geländegang" einlegen, um alles
zu bewältigen. Ich frage den Ober nach der privaten Herberge. Es stimmt, sie
ist geschlossen, aber ich verstehe seine Erklärung dafür nicht. Irgendwas mit der
Wasserversorgung, glaube ich. Na, gut, dass ich sowieso geplant habe, bis
Zafra weiterzugehen. Das sind nur noch wenige Kilometer.
Pilgerfreund Detlef Gehring fand die Herberge am 31.8.2005 wieder geöffnet,
aber sie war nicht mehr billig, wie im Handbuch gelobt: 15 EUR ohne Frühstück
wollte die junge Betreuerin haben. Da ist er dankend weitergezogen. - Mitte April 2006 war die Herberge geschlossen.
Komplizierter Weg nach Zafra hinein
Diese Kilometer habe ich recht deutlich in Erinnerung. 13h50 verlassen wir den Ort.
Gar nicht so einfach, die richtige Straße zu finden. Die Gegend ist fast leergeräumt,
Zafra schon zu sehen. Kurz vor dem Ort geht es links an Gleisen entlang
in Richtung Bahnhof und Innenstadt. Man bleibt eine Weile so auf dem
weiten Bahnhofsgelände, bis endlich rechts ein Kontrollturm auftaucht, sieht
wie eine Ruine aus. Dort hüpft man über die Geleise auf die Rückseite des Bahnhofs
zu, wendet sich aber gleich wieder in die ursprüngliche Richtung, also ohne ihn zu
betreten. Dann verliere ich die Orientierung nach dem Handbuch
(das geschieht in Städten öfter), denn ich sehe nach 700 m links keine Straße, die
durch einen Tunnel führt. Wir laufen deshalb einfach den gelegentlichen
gelben Pfeilen nach lange weiter geradeaus
und gelangen an eine große Kreuzung mit einem Park dahinter. Über die Kreuzung, durch den
Park, immer geradeaus, durch einen Kreisverkehr, und dann liegt die Altstadt offenbar
linker Hand (Stadtmauer, Parador); wir gehen aber geradeaus weiter.
Ich werde schwankend, als ich Schilder sehe, die in die Altstadt nach links
zeigen. Sie weisen u.a. auf ein Hostal Las Palmeras, das mehrere Pilge in ihren
Berichten loben. Andererseits will ich doch die im Handbuch angepriesene touristische
Herberge testen. Sie liegt dort, wo die Straße, die wir rechts an der Altstadt
entlanggelaufen sind, endgültig rechtsum biegt. Die Herberge liegt dann gegenüber auf
der Ecke.
In der touristischen Herberge von Zafra
Der Besitzer empfängt uns sehr freundlich, fast untertänig. "Señor" hier
und "Señor" da. Wir bezahlen für 2 Betten a 15 EUR.
Danach werden wir in ein enges Zimmer mit 2 Doppelstock-Betten
geschoben. Auf den ersten Blick ist alles voll. Auf den zweiten sind nur beide unteren
Betten von zwei Pilgern belegt; es sind der schon erwähnte Franzose und ein
älterer Spanier, der ihm den Führer macht. Sie haben sich fein ausgebreitet.
Ich bin etwas sauer. Kein Vergleich hier mit der Unterbringung in Fuente de
Cantos. Der Franzose sieht mein Gesicht und räumt seine Sachen zusammen,
macht eine Geste, wir sollten uns gern hier einrichten. Das stimmt mich schon versöhnlicher.
Immerhin gibt es ein eigenes Bad, Toilette aber auf dem Korridor. Als ich höre, dass Schacki
und Dakshina für denselben Preis ein 2-Bett-Zimmer bekommen haben, beschwere ich mich
doch bei dem Herbergsleiter. Er lässt natürlich nicht mit sich reden. Deshalb verkneife ich
mir das Abendessen hier (8 EUR). Ansonsten gibt es einen schönen Innenhof, und alles
ist ordentlich und neu, das muss man zugeben.
Pilgerfreund Detlef Gehring fand die Herberge am 31.8.2005 verschlossen vor. Im
Verkehrsbüro ließ man durchblicken, dass der Besitzer sie nach Lust und Laune
öffnet. Keine gute Reklame. - Evtl.ab Sommer 2006 mit neuem Pächter wieder geöffnet.
Eine bessere Unterbringungsalternative
Beim "Schnüffeln" in der Innenstadt versuche ich, das Oficina de Turismo
zu finden, vergeblich. Ich habe sogar die Adresse (Plaza de España),
finde aber das Haus mit der Nummer 8B
nicht. (Andere hatten mehr Erfolg.) Im Hostal Plaza Grande wollen sie 45 EUR für
ein Doppelzimmer. Hm, denke ich, vielleicht ist der Preis der touristischen Herberge
doch konkurrenzlos günstig.
Am anderen Morgen erzählen Karin und Christel aber, dass sie im Hostal
Las Palmeras nicht nur ausgezeichnet untergekommen sind, sondern sogar nur
32 EUR für das Doppelzimmer bezahlt haben (zusätzlich 9 EUR Abendessen pro Person).
(Alle genannten Hostals liegen
an der Plaza de España.) Nach allem empfehle ich also dieses Hostal,
wenn man in der touristischen Herberge kein 2-Bett-Zimmer bekommt, was man ja
vorher klären kann.
Fast ein verhängnisvoller Unfall
Zu ergänzen ist noch, dass Hans am anderen Morgen auf der Leiter von seinem
oberen Bett heruntersteigen will, als die Aufhängung abreißt und er regelrecht
abstürzt. (Das ist immer eine meiner Befürchtungen bei oberen Betten.) Zum Glück
lädiert er sich nur einen Zehennagel; er hätte sich was brechen können, und dann
wäre das das Ende der Pilgertour gewesen.
03. Mai 2005, Dienstag: Von Zafra nach Villafranca de los Barros, 21 km (176 km)
Wie immer bestes Wetter, aber zunächst kalt
Nachdem Hans morgens fast einen üblen Unfall hatte (siehe den Bericht vom Vortag),
kommen wir gegen 8h00 los. Das Wetter ist wieder einmal bestens, Sonne, aber einige
Wolkenstreifen. Mäßig kalt, 12 Grad. Gleich vor der Herbergstür treffe ich auf einen
Niederländer, den ich noch nicht kenne. (Ihn haben wir viele hundert Kilometer
später hinter Ourense wiedergetroffen. So ist das manchmal.)
Ein Beispiel dafür, wie der "Pilgertelegraf" funktioniert
Der Pilgerweg geht an der Herberge weiter die Straße hoch
stadtauswärts. Bald stoßen wir auf Karin und Christel, die uns von dem
Hostal Las Palmeras erzählen. Außerdem habe der Hotelier gesagt,
dass Pilger bei ihm telefonisch reserviert hätten,
weil eine Welle von über 30 Leuten hinter uns herkommt. Also, zusehen, dass uns die
nicht einholen.
Herberge und Bar in Los Santos de Moimona
Auf dem nächsten Bergrücken liegt rechts - aber weiter weg - schon die
Pilgerherberge von Los Santos de Moimona. Später haben uns andere Pilger
erzählt, dass die Polizei sie samt Rucksäcken vom Ort aus dorthin transportiert habe.
Herberge Mai 2006 geöffnet, Schlüssel aber bei der Polizei.
Das Dorf liegt unten 1 km vor uns. Dort gibt es eine Bar, zu der Rolf schreibt:
"Wir haben dort sehr schön gefrühstückt. Der Wirt ist total auf Pilger eingestellt und hat jede Menge pilgerspezifische Fotos an der Wand. Zu empfehlen (zumindest, um es mal zu probieren): Tostadas in Olivenöl."
Die touristische Herberge in der renovierten Ölmühle
Ansonsten geht der Pilgerweg in einem irren Zickzack durch die Ortschaft.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht einfacher geht. Ohne Handbuch wäre man da
völlig verloren. Danach läuft man einige Zeit in Sichtweite landwirtschaftlicher Gehöfte,
bis es endlos durch Olivenhaine geht. Ein Problem war, den Abzweig zu der ausgebauten
ehemaligen Ölmühle Almazara, die jetzt eine touristische Herberge ist, zu finden. Von meiner Etappenplanung her lag sie mir zu ungünstig,
deshalb war unser Ziel Villafranca de los
Barros, einige Kilometer weiter. Zugleich wurde dadurch die nächste lange Etappe nach
Torremegía um 6 km auf 29 km verkürzt, wie ich schon schrieb.
Man kann den Weg zur Almazara, wie er im Handbuch beschrieben ist, abkürzen,
indem man schon vorher rechts abzweigt, und zwar dort,
wo rechts eines der vielen Betonhäuschen und gleichzeitig eine Ölmühlenruine liegen.
An dem Betonhäuschen ist auch ein gelber Pfeil. Es ist aber noch ein ganzes Stück zu laufen.
Als wir ankamen, war die Almazara geschlossen. Das war wirtschaftlich
ungeschickt, den wir hätten gern was getrunken. Dann suchen wir nach der
Fortsetzung, gehen um ein Haar den breiten Weg rechts hinter der Almazara
weiter. Davor warnt uns aber das Handbuch, das uns auf den Weg, vom Eingang
aus gesehen, halblinks durch die
Olivenbäume verweist. Dort ist aber keinerlei Zeichen zu sehen. (Der Pilgerweg muss
irgendwie etwas anders verlaufen. Man stößt etwa 1 km weiter wieder auf ihn.)
Als ich gerade den Weg nach Fußspuren absuche, kommen die beiden Pilger,
der Spanier und der Franzose, die mit uns letzte Nacht im Zimmer waren. Sie glauben
unserem Handbuch nicht recht. (Gut, wenn man den falschen Weg nach rechts geht,
landet man auf der Nationalstraße, die auch zum Ziel führt.) Sie böllern einfach an
das Tor der Almazara, bis eine junge Frau erscheint. Nein, sie haben geschlossen.
(Das war nicht sehr freundlich und auch nicht geschäftstüchtig.) Nun, die
beiden fragen nach dem richtigen Weg. Sie weist in unsere Richtung. Ja, die deutschen
Handbücher! Ich benutze die Gelegenheit, um die Frau zu fragen, ob die touristische
Herberge in Torremegía wirklich geschlossen ist, wie ein Pilger im Netz mitteilte.
Nein, ist sie nicht. Ich glaubte ihr, da ich einem Reklameanschlag in einer der
vorigen Herbergen entnommen hatte, dass die Almazara und die Herberge in
Torremegía denselben Besitzer haben. (Inzwischen gibt es in Torremegía einen
neuen Pächter.)
Ingrid beschrieb mir später ihre Erfahrung in der Ölmühlenherberge so:
Das junge Ehepaar, das die Herberge bewirtschaftet,
war sehr freundlich, wir bekamen gleich zu trinken und im Speisesaal wurde
aufgedeckt. Ein weiterer Pilger kam dazu, wir saßen im gemütlichen Garten im
Schatten und plauderten über unsere Erfahrungen auf der Via.
Wir hatten schöne Zimmer im 1. Stock des Nebengebäudes, die Duschen waren im
Erdgeschoss, alles sauber und großzügig angelegt. Das Pilgermenü war gut und
reichlich, der Wein ausreichend.
Es gibt acht Zimmer mit 3-4 Betten, alles sauber, zum Gebäude gehört ein
schöner Innenhof sowie ein Olivenmuseum, in dem man sieht, wie beim Pressen
der Früchte verfahren wurde. Es ist eine Original-Ölpresse vorhanden.
Almacara ist 7 km von Villafranca de los Barros entfernt. Für Bett,
Pilgermenü und einige Kleinigkeiten zum Essen für den nächsten Tag bezahlte
ich 22 EUR. Wenn ich mich recht erinnere, kostete die Übernachtung 12 EUR.
Im Juni 2006 war die Herberge geschlossen.
Nach Villafranca de los Barros hinein
Also laufen wir den richtigen Weg, vor den beiden anderen Pilergn her,
bis wir die Nationalstraße erreichen und ein
Viadukt der Autobahn unterqueren. Gegenüber geht es durch einen Zaun auf eine Piste. Links liegt
Villafranca schon greifbar nahe. Aber es geht noch ein ganzes Stück geradeaus, bis
man endlich nach links auf den Ort abbiegt, der immer noch fast 3 km entfernt ist.
Die anderen beiden bleiben bei unserem scharfen Tempo zurück. Vor uns tauchen Rolf
und Virginia auf. Bis zum Rand der Innenstadt haben wir sie um 12h35 fast eingeholt, aber sie
bemerken uns nicht, verschwinden nach links, während der Pilgerweg noch eine
Straße weiter geradeaus über eine Brücke geht, bevor er sich auch links wendet.
Unter der Brücke ist ein breites Flussbett, aber kein Tropfen Wasser, ein erbärmlicher
Anblick.
Casa Perín, eine der empfehlenswerten Unterkünfte
Wir kommen zum Marktplatz an der Kirche. Ich frage die üblichen herumlungernden
Rentner, wo die Pension Casa Perín liegt, die ich als Tipp für eine Unterkunft
habe. Eine Herberge gibt es hier nämlich nicht. Es stellt sich nachher heraus, dass
dieses Hostal direkt am Pilgerweg liegt, nämlich an der Plaza de la Coronada
(an einer belebten Kreuzung, gegenüber einer Kirche).
Da die Auszeichnung im Ort schlecht ist, hier noch eine kurze Beschreibung.
Man überquert den Marktplatz diagonal und geht links an der Kirche entlang die
Straße hoch. Hinter der Kirche liegt die Plaza de España, auch diese
bleibt rechts liegen. Nach ca. 300 m liegt links ein Platz mit einer Jesussäule.
Um diesen läuft man links herum (es gab einen Pfeil, aber den musste ich lange
suchen) und geht, zur ursprünglichen Richtung nach links versetzt, die Calle
Calvario hoch (kein Straßenschild, zur Kontrolle fragen). Diese immer geradeaus,
und man kommt zur Plaza de la Coronada. Die
Casa Perín liegt genau geradeaus
hinter der Kreuzung.
Dort empfängt uns 12h55 die
Pensionsbesitzerin, eine junge Frau. Wir bekommen ein großes Doppelzimmer mit eigenem
Bad, Vorraum mit Kühlschrank, Balkon usw.
Außerdem können wir Küche, Terrasse, Aufenthaltsraum u.a. benutzen.
Dafür ist der Spaß auch recht teuer: 40 EUR insgesamt. (Nebenan ist ein
weiteres Schlafzimmer mit zwei Betten. Wer dort also zu viert in zwei getrennten
Zimmern nächtigt und sich das Badezimmer teilt, kommt sicher günstiger weg. -
im März 2006 zahlten Pilger 20 EUR für ein Einzelzimmer, 30 EUR für ein Doppelzimmer.)
Ich bereite die junge Wirtin dummerweise auf einen Pilgeransturm vor, der dann aber
ausbleibt. Es waren wohl genug andere Hostales in diesem Ort.
Weitere Informationen zu Villafranca de los Barros
Beim Einkaufen treffen wir Rolf und Virginia, die im Hotel Diana untergekommen sind.
45 EUR für das Doppelzimmer (2006: 50 EUR). Auch habe es ein preiswertes
Abendessen gegeben. Die meisten Unterkünfte gibt es an
der N630, etwas außerhalb. Auch das Oficina de Turismo ist dort zu finden.
Leider muss man dafür doch recht erheblich vom Pilgerweg abgehen. Unsere Casa Perín
hatte den Vorteil, direkt am Weg zu liegen (aber auch vom Stadt- und Einkaufszentrum
ziemlich weit entfernt). Nachtrag von Frühjahr 2007: Hostal "Amigos del
Camino del Santiago" (Lage unbekannt), Preise zwischen 15 und 18 EUR pro Bett.
Wo blieben nur die übrigen Pilger, z.B. Schacki und Dakshina, unsere "ewigen
Schatten"? Wo die beiden Niederländerinnen, Karin und Christel, Bernd
und Christiane? Mir war das ein Rätsel. Unsere ganze Pilgergruppe hatte sich doch
wohl schon mächtig zerstreut. Der Spanier und der Franzose waren wohl nur
Wochenendpilger; ich habe in Erinnerung, dass der Spanier sowas gesagt hat,
dass ihm nur der Abschnitt bis Villafranca de los Barros noch von der Via fehle.
Unsere nette Herbergsbesitzerin, die vergeblich auf mehr Pilger gewartet hat,
leiht uns einen Stadtplan. Mit ihm laufen wir den kürzesten Weg zum Restaurant
"Mesón Monterrey", das uns von mehreren Seiten empfohlen wurde. Es ist geschlossen.
Wir gehen dann auf gut Glück in eine Bar nahe der Av. de la Constitución.
Hans bestellt eine Wurstplatte für 6 EUR, aber der Wirt gibt dazu lange Erklärungen
ab, fragt, ob er jamón ibérico haben will u.a. Wir akzeptieren schulterzuckend.
Damit hatte der Wirt Hans auf 9 EUR hochgejubelt, naja. Die Platte war aber sehr groß
und ordentlich, und der berühmte Schinken von den schwarzen Schweinen ist eben
auch sehr teuer. Insgesamt ging es an. - Nach der Rückkehr noch ein Bierchen aus
dem Kühlschrank und dann herrlich geschlafen.
04. Mai 2005, Mittwoch: Von Villafranca de los Barros nach Torremegía, 29 km (205 km)
Durch die typische Landschaft der Extremadura
"Endlich" wieder eine lange Etappe! Wir springen 6h30 aus dem Bett, alles ist Routine.
In der Küche machen wir uns einen schönen Kaffee und frühstücken mal nicht auf der
Bettkante, sondern an einem Tisch. Im Haus ist sonst niemand. Wir legen den Stadtplan
zurück und ziehen 7h50 die Haustür hinter uns zu. Zum ersten Mal erwartet uns ein
bedeckter Himmel; es ist kalt, um 10h30 erst 15 Grad. (Hans hat ein Thermometer mit,
das wir morgens oft konsultieren.) Draußen ist lebhafter Verkehr, sehr viele landwirtschaftliche
Fahrzeuge.
Aber wir verlassen gleich die Stadt und biegen auf eine Piste zwischen
endlosen Anbauflächen ein. Heute gibt es Extremadura pur: kein Baum, kein Strauch,
nur endlose Felder, meist Weinanbauflächen. Ab und zu unterbricht ein Bewässerungskanal
die Eintönigkeit. Hier kann man die Kilometer nur "weghauen", ohne nach rechts und links
zu blicken, und das tun wir dann auch.
In weiter, weiter Ferne liegen Berge vor uns. Unglaublich, dass wir sie heute fast
noch erreichen werden. Von der Planung her haben wir keinen Gedanken daran
verschwendet, auf halbem Weg nach Almendralejo abzuzweigen. Was soll der
Umweg? 29 km sind doch kein Thema mehr. Mein Fuß macht sich zwar immer noch
morgens erst bis zum Einlaufen bemerkbar, aber auch daran habe ich mich gewöhnt.
Das Handbuch kündigt nach ca. 10 km einen breiten Bewässerungskanal an, an dem
wir Milchpause machen.
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Milchpause in der Kultursteppe "Tierra de Barros"
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Vorsicht: ein irreführender Extremadura-Quader
300 m weiter geht es auf der Piste nach rechts. Hier darf man sich
nicht irritieren lassen, dass links eine Piste einmündet, in der ein Extremadura-Quader
steht. Da kommt allenfalls eine Nebenstrecke heraus. Zur Verdeutlichung legte ich rechts
am Wegesrand ein Steinmännchen.
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Kein Infostand
Ein Pilger hatte im Netz geschrieben, an der Abzweigung nach Almendralejo
gäbe es einen Infostand und gleich dabei eine neue Unterkunft. Das muss wohl ein
Missverständnis gewesen sein. Allenfalls bezog er sich auf einen Ort
in Almendralejo selbst, denn
am Pilgerweg war an beiden Abzweigungen nichts zu sehen. Ich hatte auch kaum damit gerechnet.
Tipp von Januar 2006: Privatpension in Almendralejo, Av. San Antonio, 33. 14 EUR p.P.
Virginia auf dem Marsch (Bild: Rolf)
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Inzwischen
hatten sich die Wolken verzogen, und die Sonne brannte wie eh und je.
Etwas weiter, gegen Mittag, entdecken wir in der Ferne vor uns vier schwarze Pünktchen,
zwei Pilgerpaare. Hans kann seine Neugier nicht bezähmen und rennt los, dass ich
nicht mehr Schritt halten kann. Bald habe ich ihn wieder eingeholt. Er steht bei Rolf und
Virginia, die Mittag machen. Die anderen beiden waren Schacki und Dakshina gewesen.
Es sieht also wohl so aus, als seien i.W. wir sechs heute auf dieser Etappe. Wenige
Zeit später machen wir selbst auch Mittagspause, so dass Rolf und Virginia wieder
vorbeiziehen.
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Ein merkwürdiger Umweg
Dann kommt eine merkwürdige Warnung des Handbuchs: Man soll 7,4 km hinter
der zweiten Einmündung von Almendralejo nicht dem Pilgerweg geradeaus
folgen, sondern auf der Piste bleiben und einen großen Linksbogen laufen. Ein
anderer Pilger bestätigte diese Warnung, da man geradeaus im Sumpf lande.
Wir hielten uns also an diesen Umweg. Kurz vor der Eisenbahnbrücke, unmittelbar
vor Torremegia sahen wir aber zwei Radfahrer links auf einem Pfad nahen.
Das war offensichtlich der Pilgerweg. Sie machten keineswegs den Eindruck, als ob
sie im Sumpf versackt seien und zogen zügig davon, zu weit, um sie anzurufen.
Wenn also jemand risikofreudiger ist als wir, soll er diese Streckenempfehlung mal
überprüfen. Vielleicht war es nichts mit dem Sumpf, da doch ziemliche Trockenheit
herrschte und wir mühelos Bäche zu Fuß durchschritten, bei denen andere Pilger
von "reißenden Flüssen" und "Brückenbauen" geschrieben hatten.
Diese Vermutung
wurde inzwischen von anderen Pilgern bestätigt: Also, bei trockenem Boden ruhig
den Kennzeichen geradeaus folgen!
Suche nach der Notunterkunft
In Torremegia soll man gleich in die erste Straße rechts in die Stadt
hinein. 14h45 trafen wir ein, sehr früh für eine so lange Etappe.
Leider gibt es kein Straßenschild "Calzada Romana", man muss die Einwohner
fragen, ob man richtig ist. Das Handbuch empfiehlt eine neue touristische Herberge.
Von der war aber viel Negatives zu lesen gewesen. Deshalb wollten wir mal testen,
ob es die alte Pilgernotunterkunft noch gab. Wir fragten uns deshalb
zum Rathaus durch, es war geschlossen. Wo ist die Polizeistation? Ein Passant
erklärt das gar nicht erst, weil sich ein Polizeifahrzeug nähert, und hält dieses gleich
an. Die Polizei ist ja für die Pilger zuständig. Der Polizist schickt uns in Richtung N630
zur Polizeistation, dort sollen wir warten. Etwa 1 Stunde später erscheint wohl der
Chef, schließt die Wache auf und winkt uns herein. Stempel. Dann: Es gäbe doch eine
neue Herberge. - Ja, aber wir möchten doch in die Behelfsunterkunft. - Nun gut, die
stünde aber erst ab 20h00 zur Verfügung. - Wir reißen die Augen auf. Hat sich erledigt,
sagen wir dann, dann gehen wir doch die touristische Herberge. Er lächelt zufrieden.
Die Herberge in Torremegía - im Frühjahr 2006 verbessert
Die Albergue turístico Palacio de Lastra liegt, wie der Name schon sagt,
in einem renovierten Adelspalast direkt neben der Kirche, jenseits der
N630. Ein älterer Deutscher aus Köln mit kaputten Füßen lässt sich gerade ein Glas Rotwein
kredenzen und lobt die Gastfreundschaft hier. Zu früh gefreut! Der junge Wirt kassiert
zunächst von jedem von uns 12 EUR. Dann eröffnet er uns, dass es kein warmes Wasser gebe.
Wer entsetzt guckt, bekommt von ihm eine Wanne mit heißem Wasser nach oben zur
Dusche gebracht. Später merken wir, dass es überhaupt keinen Strom gibt. Die
Einrichtung ist so pleite, dass sie die Versorgung nicht bezahlen kann. Der bedauernswerte
junge Mann ist mit der ganzen Arbeit allein und macht uns abends für 7,50 EUR auch
noch ganz allein ein Abendessen: Salat, Omelett, Spaghetti mit Tomaten-/Fleischsoße,
1 Glas Wein, Brot. Das war's. Es schmeckt wohl, aber etwas karg, das Ganze. Wer ein zusätzliches
Glas Wein bestellt, zahlt 1 EUR extra. Bei allem
Verständnis für die prekäre Lage der Herberge, sie ist kaum zu empfehlen. Die Einrichtungen
sind zwar neu, es gibt viel Platz und man kann durchaus - im Gegensatz zu einer Behauptung
im Netz - Wäsche waschen; hinter dem Haus sind Leinen.
Auch ist hervorzuheben, dass die Betten sogar oben eine Ablage mit Leselampe haben,
ein sehr wertvoller Luxus für diejenigen, die oben schlafen. Aber was nützt das alles, wenn
warmes Wasser und Strom fehlen. Zwar warf der junge Wirt abends für 1 Stunde
(21h00 bis 22h00) ein Notstromaggregat an, aber nachts im Dunkeln auf die Toilette ist
doch immer ein fragwürdiges Abenteuer, trotz Taschenlampe.
Die Verhältnisse sollen sich inzwischen durch einen neuen Betreiber wesentlich
gebessert haben. Übernachtung 10 EUR.
Das gibt es nur in Spanien
Nachmittags "schnüffeln" wir wie üblich, finden Läden an der Hauptstraße, suchen
die Post. Es ist ein winziger Laden, direkt an der Straße von der Herberge zur N630; wir
sind daran vorbeigelaufen. Hans will Postkarten einwerfen: Der Briefkasten ist zugeklebt.
Da kriegt er den Mund nicht wieder zu. - Im Laden ist man sehr freundlich zu uns und
nimmt sogar die Ansichtskarten zum Einwerfen in einen anderen Briefkasten mit.
Ein Postamt, wo man keine Briefe einwerfen kann - o Spanien!
Evtl. doch wieder ein Hostal eröffnet
Im Handbuch sind außer dem Notquartier keinerlei andere Unterkünfte erwähnt.
Ich habe aber später einen Pilger getroffen, der in einem Hostal an der
N630 übernachtet haben will (Doppelzimmer 20 EUR). Leider können einem die Leute
nie was Eindeutiges sagen, so dass man immer den Verdacht hat, sie erinnern sich falsch.
Ich würde beim nächsten Mal erst die Bares an der Hauptstraße abklappern.
Singen mit dem Pfarrer
Als wir vom Einkaufen zurückkommen, steht eine große Menschenmenge an der
Kirche. Alles schwatzt munter durcheinander, Kinder tollen herum, wir kommen kaum
zum Eingang der Herberge. Ob man ein Volksfest begehe, frage ich einen jungen Mann.
Nein, sagt der fröhlich, eine Beerdigung. - Ich muss wohl recht dumm geguckt haben ...
Nach der ganzen "Trauerfeier" dürfen wir noch die Kirche besichtigen. Ich ergreife die
seltene Gelegenheit und singe. Der Pfarrer ist begeistert und blättert in meinen
Texten. Dann singen wir zu zweit ein-zwei modernere spanische Kirchenlieder.
Das war prima! Schade, dass ich das nicht öfter erlebt habe. Leider ignorieren die
Pfarrer in der Regel die Pilger; warum, habe ich nie herausgefunden.
Abends im Schlafssal
Im Schlafsaal sind wir dann zu siebt. Schacki und Dakshina, Rolf und Virginia,
der Kölner, Hans und ich. Als echte Westfalen müssen wir den Rheinländer natürlich
ein wenig foppen, und als er sich seine kaputten Füße beguckt, intonieren wir leise:
"... Ich möcht ze Foß nao Kölle john". Gemein, nicht wahr? Auch ihn haben wir
irgendwo sehr, sehr viel später überraschend wiedergesehen. - Später am Abend kommt
noch ein spanischer Radfahrer hinzu.
05. Mai 2005, Donnerstag: Von Torremegía nach Mérida, 16 km (221 km)
Etappenpläne und Ruhetage
Heute haben wir nur eine Kurzetappe vor uns, und das mit Absicht. Bei den Städten
wie Mérida, die eine Besichtigung lohnen, wollen wir uns nahe heranschieben,
um ganz früh da zu sein. Dann sieht man am selben Tag noch genug von der Stadt, um
anderntags beruhigt weitergehen zu können, ohne das Gefühl, etwas
verpasst zu haben. Nun hatten wir ja sogar einen Ruhetag eingeplant. Aber Hans und
ich sehen es uns gegenseitig an: Ruhetage kommen für uns nicht mehr in Frage,
die würden uns verrückt machen. Wir wollen vorwärts, vorwärts! Unser Etappenplan,
aber ohne Ruhetage, ist dafür da, uns in Maßen zurückzuhalten, dass wir nicht blind
vorwärtsstürmen und uns dabei kaputtmachen, aber weniger, als in diesem Plan
vorgesehen, wollen wir schon gar nicht.
Drei Straßen nebeneinander
8h00 brechen wir auf. Zunächst zur N630, diese überqueren, bis man auf die Verlängerung
der Calzada Romana stößt und dieser links bis zum Ortsrand folgt. Nach kurzer Zeit
erreicht man doch wieder die N630 und geht an ihr entlang. Jetzt sind die Berge erreicht, die
man am Vortag von Villafranca de los Barros so weit vor sich sah. Eine schöne
Hügelkette, die einen links begleitet, während man selbst an ihnen vorbei schon wieder
in flaches Land mit Anbauflächen vorstößt.
Der immer noch geschwollene Knöchel an meinem Fuß schmerzt anfangs. Später
"memmen" (wieder ein Pilgerwegausdruck) zwei Zehen an meinem rechten Fuß. Sie
drücken wohl vorn gegen den Schuh.
Eine Brücke voraus. Ein Fußpfad geht rechts davon in die Tiefe. Wir folgen, weil
ich auch hinter die Büsche muss. Wenn nur welche da wären! Unten hampelt man ganz
schön über den Bachlauf hinüber. Man sollte oben auf der Straße bleiben. Danach geht es lange
auf der alten Trasse neben der N630 her. Parallel dazu verläuft noch die neue Autobahn,
was einem bewusst macht, was die Spanier für eine Landschaftsverschwendung
mit ihren Straßen betreiben: 3 Asphaltbahnen nebeneinander. Nun die, auf der wir laufen,
wird gerade wieder von der Natur vereinnahmt. Ich hatte mehrmals den finsteren
Verdacht, dass es von der EU bei Straßen nur Geld für einen Neubau gegeben hat, nicht für
Reparaturen. Da war es dann naheliegend, einfach neben der alten Straße, für deren
Flicken man kein Geld bekam, eine neue zu bauen. Arme Natur!
Auf die Stadt zu
Auf einer Höhenkuppe taucht Mérida vor einem auf, und zugleich geht
es über die Leitplanke, ziemlich steil und über Stock und Stein in Richtung Felder hinab, nicht
ganz einfach zu finden. Bald ziehen wir wieder durch Weinbaukulturen. Schon gegen
11h00 durchqueren wir eine Industrieanlage und flüchten in Richtung Fluss. Aus einem
Gebüsch tönt doch glatt das "Huphuphup" eines Wiederhopfs, so nahe an Häusern,
aber der Kerl bleibt wie immer unsichtbar. Nach Überqueren einer Straße links an den
Flussauen entlang. Hier wohnen weniger Betuchte: Müll liegt rum, das Grün des Ufers ist
fast ganz der nackten Erde gewichen. Auf einmal abrupt schönster grüner Rasen: Bis hier
wird die städtische Bewässerungsanlage eingesetzt; wir bekommen auch gleich eine
kostenlose Dusche ab.
11h45 erreichen wir die Römerbrücke. Sie erstreckt sich von weit links bis rechts von uns
über den Fluss zur Stadt. Wir müssen aber keinen Rechtsbogen machen; geradeaus
führt eine Treppe hoch. Andächtig und langsam gehen wir über die Brücke, genießen
dieses einmalige Bauwerk (nur noch mit der Brücke von Hospital d' Órbigo am
Hauptweg zu vergleichen) und die Sicht auf die Stadt. Rechts voraus liegt die maurische
Festung.
Zur neuen Herberge
Die Stadtskizze im Handbuch hilft mir, mich zu orientieren. Hinter der Römerbrücke
geht es links, ziemlich weit, bis man eine moderne zweite Brücke erreicht. An dieser
noch weiter vorbei. Wir stießen auf der rechten Straßenseite
auf eine Apotheke, die der Himmel dort ganz schnell für
mich aufgebaut hatte, denn mir fehlte einfaches Pflaster für meine Zehen (das Elastoplast
ist für Zehen nicht geeignet), und das bekam ich jetzt sofort. Wenig weiter, schräg
gegenüber (also links von der Straße) lag am Rand der Flussaue die neue Herberge,
eine renovierte ehemalige Flussmühle, gar nicht zu übersehen.
Eine erstklassige Unterkunft
Geschlossen. Ein Zettel an der Tür sagt was von "Schlüssel" und "Kiosk". Als
Passanten auf einen Kiosk, etwa 150 m entfernt (zurück), zeigen, kapiere ich. Ich
laufe dort hin und melde mich bei dem Kioskverkäufer, einem dunklen Typen, der
maurische Vorfahren gehabt haben könnte. Aber freundlich ist er, will uns in wenigen
Minuten den Schlüssel bringen und hält Wort. So bekommen wir gleich die kostbaren
Stempel, nach denen wir immer lechzen. Die Übernachtung kostet 4 EUR, sehr günstig.
(2006: 5 EUR)
Die Herberge ist bestens. 6 Doppelstockbetten, Flur, kleine Küche, kleiner Nebenraum,
wo man essen kann, zwei Badezimmer mit Toilette (nach Geschlechtern getrennt).
Getränke-Automat. Im (einzigen) Schlafraum sind schon
5 Betten belegt, aber sonst noch alles frei. Herz, was willst du mehr? -
Erst Wäsche waschen. Wieder einmal brauche ich meine mitgebrachten Schnüre als
Wäscheleinen. Dann duschen.
Die Lokalpresse rückt an
Ich stehe gerade genüsslich unter der Brause, als es
an die Haustür klopft. Wir dürfen aber niemanden hereinlassen, jeder muss sich am Kiosk
melden. Es klopft lauter. "Zum Kiosk!" schreie ich, aber jetzt wird noch heftiger
geklopft und dabei gerufen, wir sollen aufmachen. Hans öffnet die Tür (höre ich, ich bin
immer noch unter der Dusche, mich bringt an diesem schönen Tag nichts aus der
Ruhe). Hans schreit nach mir, es seien Reporter. Na und wenn schon! "Tranquilo!"
schreie ich zurück.
"Tranquilo" ist in Spanien ein Zauberwort. Spanier sagen das zu den hektischen
Ausländern, bei denen immer alles sofort passieren muss. Das kann einem ja
die ganze Lebensfreude nehmen! Da haben die Spanier wirklich Recht, und ich habe mich
inzwischen gründlich dieser Sitte angepasst und sage ab und zu, so wie jetzt, als
Ausländer zu einem Spanier "tranquilo". Das wirkt immer unheimlich: die Spanier
zucken dann wie ertappt zusammen und hören sofort auf zu drängen. Ja, ich habe
einiges an "interkultureller Kompetenz", wie man so vornehm sagt, erworben;
jedenfalls macht es Spaß, die Spanier mit ihrem eigenen "tranquilo" zu beunruhigen.
Nach einigen Minuten versuche ich doch, an den Reportern vorbei, halbnackt
den Schlafraum zu erreichen. Während ich in die Unterhose steige, zücken sie schon
die Kamera. "Tranquilo!" Es sind ein Mann und eine Frau vom Lokalblatt "Hoy",
die wissen wollen, wie den Pilgern die neue städtische Herberge gefällt. Sie ist erst
2 Monate eröffnet und hat schon 400 Pilger aufgenommen, davon nur jeder 13. ein
Spanier (lesen wir anderntags). Klar, im Frühjahr sind kaum Spanier unterwegs; haben
wir ja auch schon festgestellt. Ehrensache, dass ich versuche, in südländischer
Manier die Herberge über den grünen Klee zu loben. Immerhin meine ich es ehrlich.
Hans und ich müssen uns an der Wäsche zu schaffen machen, auch das wird abgelichtet.
Dann befragen sie noch zwei junge Katalanen, die mit dem Fahrrad kommen und neben
uns die Betten beziehen. Überhaupt trudelt noch einiges an Fahrradfahrern ein,
bald ist alles belegt. Endlich kann ich die Zehen einpflastern, sie haben nur Druckstellen.
In die Stadt und Abschied von Rolf und Virginia
Der Vorsitzende des örtlichen Pilgervereins kommt, dann noch ein regionaler
Funktionär. Wir machen tiefe dankbare Diener, wie es erwartet wird.
Am Nachmittag besichtigen wir die sehenswerte Römerstadt, einschließlich
Museum (freier Eintritt). Ich gehe für 6,50 EUR auch noch ins Amphitheater und Theater.
(Man fragt nach meinem Alter: ab 65 Jahren hätte ich nichts bezahlt, aber ich leiste
gern meinen Beitrag für die Unterhaltung der Ruinen.)
Ein letztes Mal treffen wir
Rolf und Virginia, die sich von uns verabschieden. Sie bleiben noch einen weiteren Tag in
der Stadt, laufen insgesamt noch bis Cañaveral. Wir werden
uns an neue Mitpilger gewöhnen müssen. Merkwürdig, wo die anderen alle geblieben
sind.
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Abschied in Mérida (Bild: Rolf)
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Rekordmäßiger Andrang
Zum Abendessen ausgehen, fällt flach. Der Vorsitzende hat uns eingeschärft,
Punkt 22h00 werde abgeschlossen und das Licht ausgemacht. Als wir zurückkommen,
liegen neben den Betten die ersten zwei Matratzen als Notlager.
Wir haben gar nicht mitbekommen, dass dort Schacki und Dakshina gelandet sind.
Sie wussten nichts von der
neuen Herberge und waren erst durch die Stadt in Richtung der alten, die inzwischen
geschlossen ist, gegangen, bis sie von Passanten zurückgeschickt wurden. Dieses
Erlebnis festigt bei ihnen den Entschluss, mich häufiger nach Tipps für die nächste
Etappe zu befragen. :-))
Einige Randbemerkungen über die Radfahrer
21h30 kommen nochmal Radfahrer. Zwei weitere Matratzen werden ausgepackt,
ganz neue, noch original aus der Plastikhülle. Mit anderen Worten, der Andrang heute
ist Rekord. Wir liegen inzwischen brav im Bett. Der Trubel geht aber noch bis 23h30,
von "um 22h00 Licht ausmachen" kann nicht die Rede sein. Nachts ist es aber ruhig.
Es war das erste Mal, dass wir wieder auf viele Radfahrer stießen. Diese fahren eben
gern die größeren Städte an, vor allem, wenn es da auch eine billige und gute Unterkunft
gibt. Wie üblich wurden die Räder mit ins Haus genommen, eine Stolperfalle für die,
die nachts auf die Toilette müssen.
06. Mai 2005, Freitag: Von Mérida nach Aljucén, 17 km (238 km)
Vorstellung der "Fünfergruppe"
Als wir an diesem Morgen um 8h15 losziehen, sind wir mal wieder die Letzten, zumindest
von den Fußpilgern. Die 5 erwähnten, bei unserer gestrigen Ankunft schon belegten
Betten, gehörten einer Gruppe von 5 Pilgern, die untereinander fast nur Englisch sprachen.
Es waren drei ältere Niederländer sowie zwei junge Engländer, von denen die Frau abends
die Fußmasseuse spielte, während der Jüngste im Bunde (Robert) zum Teil in Deutschland
studiert hatte und daher auch ganz gut Deutsch sprach. Im Folgenden werde ich sie nur
die Fünfergruppe nennen. Mit ihnen zogen wir jetzt lange parallel. Sie waren
morgens immer sehr früh weg und deshalb in der Regel eher als wir am Ziel, aber dadurch
hatten wir mit einer Ausnahme keinen Nachteil: Die Fünfergruppe hatte viel Geld und zog
in teurere Restaurants und Hostales, während wir uns mit den Herbergen begnügten.
Jedenfalls konnte ich zwischendurch mein Niederländisch anwenden, obwohl die drei
Älteren auch ein hervorragendes Deutsch sprachen. Es waren wohl polyglotte Akademiker,
einer von ihnen war Arzt.
Ein für andere Pilger unnötiger Umweg
Wir zogen zunächst in die Stadt zurück. Dafür gab es gleich 3 Gründe: Erstens kauften
wir eine Zeitung, in der ein ganzseitiger Artikel samt unserem Konterfei stand. Zweitens
wollte ich noch den Trajansbogen sehen (und durchschreiten). Drittens hatten wir keinen
Stadtplan bekommen und hätten daher die Abkürzung von der Herberge hoch zu
dem Viertel, das der Pilgerweg durchquerte, evtl. gar nicht gefunden. Wer diese Gründe nicht
hat, wird hier etwa 1-2 km sparen können. Eigentlich muss man nur rechtwinklig vom
Fluss weg, bis man auf die kreuzende Calle Calvario stößt, auf der dann links
der Pilgerweg verläuft.
Am Proserpina-Stausee
Nun hatten wir heute sowieso nur wieder eine kurze Etappe.
Zunächst erreichten wir den Rand der dichtesten
Bebauung und gingen durch einen Tunnel unter einer Eisenbahnlinie her. Auf der
anderen Seite bestaunten wir die Reste der immer noch riesigen römischen Wasserleitung.
Dann ging's über Landstraßen zum Proserpina-Stausee und im Rechtsbogen um
ihn herum. Ab hier wird der Weg sehr schön. Im Stausee kann
man baden, sagt das Handbuch, aber an diesem sehr frischen Morgen
verzichteten wir gern; das Wasser schien mir auch nicht sehr rein zu sein. -
Achtung: Nicht oben dem
Fußweg die Staumauer entlang folgen. Links wird die
Böschung immer steiler, und am Ende kann man nicht mehr hinunter zur Straße, wenn
der Pfad vor einem hohen Mauerteil endet. (Hier musste ich zurück.)
Das Ehepaar mit dem Karren
Nachdem man lange
am Ufer entlanggegangen ist, wandert man auf einer kleinen Asphaltstraße das Tal
hinauf, durch das der Bach, der den See speist, herabkommt. Hans sah im Wasser wieder
einmal eine Schildkröte, ich kam wie immer zu spät. Dann sah ich weit vor uns im lichten
Wald sich etwas bewegen: Personen, mit einem Kinderwagen? Eine halbe Stunde später
hatten wir sie eingeholt: ein niederländisches Ehepaar, der Mann zog einen großen
zweirädrigen Lastkarren hinter sich her, hochbepackt, mit einem Stuhl oben drauf,
wie sich das für Niederländer unterwegs gehört. Dabei stemmte sich der bedauernswerte
Mann in zwei große gepolsterte Handgriffe, während der Wagen hinter ihm wie wild
schwankte und dauernd umzustürzen drohte. Die Frau, die wohl aus gesundheitlichen
Gründen nur einen kleinen Rucksack trug, erklärte, dass ihr Mann diesen Wagen selbst
konstruiert habe, sogar mit Rädern, deren Spur er verstellen konnte, um auch auf schmalen
Pfaden den Karren ziehen zu können. Das war technisch misslungen, denn bei Engstellung
war ihnen der Karren fast pausenlos umgestürzt. Es ist mir heute noch schleierhaft, wie der
Mann die folgenden holprigen und manchmal schlammigen Wege bewältigen wollte. Sie
liefen zwei Etappen mit uns parallel, blieben dann aber endgültig zurück.
Kurz darauf holen wir auch Schacki und Dakshina ein. Sie lassen es mit Recht
heute langsam angehen, das Ziel ist ja nicht allzu weit. Wir kommen aus dem Wald sofort
in ein kleines Dorf, das wir ohne anzuhalten an der Kirche rechtwinklig links verlassen.
Etwas weiter kommt eine riesige Autobahnbaustelle, aber bis zu unserem Ziel Aljucén
ist es nicht mehr weit.
Tatsächlich: Nur bis 14h00 Einkaufsmöglichkeit!
Dieser Ort hat eine Besonderheit: Man soll in ihm nur bis mittags einkaufen können,
hatte ich zweifelnd gelesen. Im Ort kommt uns eine Frau mit einer Einkaufstüte entgegen,
ich spreche sie gleich an. Tatsächlich schließt der kleine Laden (geradeaus, links,
tabacos) im Ort gegen 14h00. Es ist aber gottlob erst 12h45. Wir biegen rechtsrum
auf die Kirche zu und laufen dann eine zweite Straße (mehr hat der Ort nicht) in etwa
parallel wieder zurück. Wir passieren rechts das Altenheim, wo es abends was zu
essen gibt, und sehen dann links die Herberge liegen. An der Tür ein Hinweis: Man soll
den Schlüssel im Altenheim holen, aber es sind doch schon Leute im Haus. Wir benutzen
die Gartenpforte rechts und kommen so von hinten, vom Hof ins Haus. Die Fünfergruppe
ist schon da, hat sich aber bescheiden eingerichtet: Sie belegen ein 4-Bett-Zimmer und
haben eine Matratze auf den Fußboden gelegt. Ziemlich eng das Ganze, aber so sind
sie zusammen. Hans und ich bekommen das Sahnestück, ein 2-Bett-Zimmer (alles
Doppelstock und recht eng). Außerdem gibt es noch ein 3-Bett-Zimmer, in dem sich
etwas später Schacki und Dakshina einrichten. Es gab in ihrem Zimmer auch noch eine Liege.
Eine gut eingerichtete, aber enge Herberge
Die Herberge ist gut eingerichtet, mit funktionierender Küche und
Kühlschrank, aber nirgendwo viel Platz, alles ziemlich beengt.
Außerdem nur 1 Badezimmer. Auch ist das Warmwasser gleich nach dem Duschen der ersten
Gruppe zu Ende, danach gibt's nur noch kaltes. Nur Dakshina hat noch ein bisschen
warmes für ihre Wäsche bekommen. Dann rennt alles zum Einkaufen.
Im Laden geht es mit "spanischer Hektik" zu, jeder kommt dran, irgendwann
ganz bestimmt.
Es gibt keine Literflaschen Bier, also muss ich einen
Sechserpack mitnehmen. Die Fünfergruppe zieht mit einem Kanister Rotwein ab,
sympathisch!
Die beiden einzigen Straßen laufen etwas weiter spitzwinklig an
einem kleinen Platz zusammen, da steht auch eine Telefonzelle.
Riesiger Andrang in Aljucén
Die Herberge wird im Laufe des Nachmittags proppenvoll,
denn außer dem niederländischen Ehepaar mit dem Karren
kommen noch zwei deutsche und zwei spanische Radfahrer, später noch zwei
Engländer und ein Franzose. Da liegen die Matratzen und Schlafsäcke dicht an dicht
im Flur. Wir sind immerhin 18 Leute!
Später erfahren wir durch den Pilgertelegraf: Die in Zafra angekündigte Welle
war nur noch einen Tag hinter uns gewesen und schwappte anderntags (am Samstag) mit
34 Leuten in diese Unterkunft mit 9 Betten und 6 Liegen. Alle im Haus hätten ihre Decken
abgeben müssen, damit 4 Pilger draußen im Garten schlafen konnten. Au weia!
Trotzdem mussten alle wie wir 9 EUR für die Übernachtung zahlen, hieß es dazu etwas
bitter. Und 8,50 EUR für das Abendessen, denn man konnte in diesem Kaff ja nirgendwo
hin. (Naja, gegenüber der Kirche gibt es eine Bar.)
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Evtl. eine Übernachtungsalternative
Tipp: Inzwischen hat mir ein Pilger geschrieben, es gäbe etwas weiter auf dem Pilgerweg
in Richtung Ortsausgang eine Casa rural. Nun, ich habe nur ein Schild
habitaciones gesehen, und wenn ich mich nicht sehr getäuscht habe, schaute
die zweite der beiden Schwestern, die die Herberge betreuen, aus der Tür.
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Tatsächlich habe ich nun einiges klären können. Meine Beobachtung scheint richtig
gewesen zu sein. Im Netz findet sich eine
Casa rural La Bóveda
(Preise,
Reservierungen),
Adresse: Av. Extremadura 25,
und die Telefonnummer 696 958 443 ist identisch mit der
der Herberge (=> dieselben Besitzer, nämlich die zwei Schwestern).
Was man nicht alles mit Google herausfinden kann!
Inzwischen (Juni 2006) wird gemeldet, dass die beiden unternehmungslustigen Schwestern
auch in Puerto de Béjar eine Unterkunft eröffnet haben.
Abendessen und Ausklang
Um 17h30 ist Anmeldung bei der aktiveren der beiden Schwestern, eine
tüchtige und freundliche junge Frau, aber, wie der Kurzbericht oben zeigte, auch
durchaus geschäftstüchtige. Das Essen am Abend bestand aus: Suppe mit viel Gemüse,
Makkaroni, Birne mit Schokoladensoße, 2 Gläser Wein und als Krönung 1 Glas Amaretto.
Die zweite Schwester machte die Theke, wo man auch noch Getränke kaufen konnte.
Der Abend klingt geruhsam aus. Wir schwatzen im Garten mit den anderen Pilgern
und trinken, was wir haben. Die Nacht ist ruhig. Sicher: 18 Leute für 1 Toilette und
1 Waschbecken ist sehr wenig. (Wie muss das erst mit 34 gewesen sein!? Der Hauptweg
lässt grüßen.)
07. Mai 2005, Samstag: Von Aljucén nach Alcuéscar, 20 km (258 km)
Morgens wie im Refugio
In der vollen Herberge von Aljucén ist natürlich morgens ab 6h00 Trubel wie in einem
Refugio auf dem Hauptweg. In unserem kleinen 2-Bett-Zimmer bleiben wir noch bis 7h00
liegen, denn Toilette und Waschbecken sind ohnehin dauerbesetzt, und auf dem Flur
quetschen sich die Leute pausenlos aneinander vorbei. Als die meisten weg sind, machen
wir auf dem Herd Kaffee heiß und frühstücken gemütlich unter dem Vordach im Garten
auf der Bank. 8h30 sind wir dann aufbruchbereit.
Durch einen Naturpark
Der Pilgerweg setzt sich einfach auf der Hauptstraße fort und führt über eine schmale
und alte Asphaltstraße zu der unvermeidlichen N630. Kurz nach links bis zu einer Tankstelle,
dann die Straße überqueren und an einem kleinen Flusslauf entlang ins Grüne. Wieder
hören wir die vertrauten Vögel: Nachtigall, Kuckuck, Wiedehopf und Pirol. Tatsächlich
sind wir in einem Naturpark, mit sehr viel Büschen und Bäumen (meist Eichen). Nach
einiger Zeit holen wir die Fünfergruppe ein, dann das Ehepaar mit dem Karren, wobei sich
der Mann noch schlimmer abmühen muss als gestern. 100 m vor uns fällt er der Länge lang
hin, man kann es fast nicht mit ansehen.
Ein altes Wegkreuz vor Alcuéscar
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Von dem weiteren Weg ist mir kaum etwas in Erinnerung. An einem Feldkreuz macht
man von uns ein Foto. Evtl. sogar der Niederländer mit dem Karren, der uns nach einer
Pause wieder eingeholt hat. Auch die Fünfergruppe ist schon lange wieder vorbeigezogen.
Dann verlassen wir den Naturpark, und die Landschaft wird
wieder zur Kultursteppe mit weiten, kargen Feldern. Es ist inzwischen wieder sehr heiß.
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Ca. 2 km vor unserem Ziel holen wir die Fünfergruppe fast wieder ein, lassen sie aber
laufen. Das stellte sich als nachteilig heraus. Dann wird echtes Römerpflaster angekündigt,
aber die paar Steine lassen uns in Erinnerung an die Strecke Ubrique-Benacoaz nur
müde lächeln. Immerhin kommt dann am Ortsrand doch noch ein Stück, was deutlich als
Römerpflaster zu erkennen ist: mit einer Zeile von Steinen in der Mitte und mit
abgegrenzten Steinfächern rechts und links davon. 13h00 haben wir Alcuéscar
erreicht.
Bei den "Sklaven von Maria und den Armen"
Das Handbuch führt uns in einem großen Linksbogen durch den Ort, wobei die
Altstadt voraus gar nicht berührt wird. Gegenüber einer großen Kreuzung mit der N630 liegt
dann die Pilgerunterkunft von Alcuéscar, das Behindertenheim, über das so viel
geschrieben worden ist. Also hinein. Ein kleiner Pater empfängt uns am Pförtnerzimmer.
Hans erkennt ihn wieder, aber der Pater sei in den drei Jahren sichtlich gealtert. Da dieser
ihn damals pausenlos auf die Gottesdienste hingewiesen hat, fragen wir lieber gleich,
wann heute die Messe (im Haus) ist. Der Pater wehrt ab, im Haus gäbe es nur noch sonntags
eine Messe. - Schlecht, das bedeutet, dass wir in der ziemlich weit entfernten Altstadt
"schnüffeln" müssen, um die Uhrzeit herauszubekommen. Unterkunft? - Ja, geht nur in den
2. Stock, sagt der Pater.
Eine heruntergekommene Unterkunft
Zahl und Beschreibung der Schlafplätze im Handbuch stimmen nicht.
Im 2. Stock sind die Einzelzellen entlang des Hauptganges alle schon belegt: die zwei
Engländer (David und John) und die Fünfergruppe. Ein-zwei weitere Zellen sind unbewohnbar.
Ein benachbarter großer Raum mit fast einem Dutzend Duschen ist komplett Ruine, nichts
benutzbar, kein Wasser. In der Mitte des Ganges ein einziges Bad für alle (in den Zellen
gibt's aber ein Waschbecken). Der Deckel des Wasserbehälters der Toilette ist geborsten,
die Spülung defekt. Man muss mit einem Eimer nachspülen. Wasser gibt's aus der Dusche
über der Badewanne daneben. Nur kaltes! - Naja, insgesamt alles sehr heruntergekommen.
Und wo bleiben wir? - Der Gang mündet in einen Aufenthaltsflur mit Sitzmöbeln
(und einer Spendendose). Links führt eine Tür in einen Schlafssaal, der zwei Doppelstockbetten
enthält. Platz ist genug, es liegen noch Matratzen in der Ecke. Aber kein Stuhl,
keine Ablage und das Schlimmste: das Licht ist defekt. Wieder mal ist die Taschenlampe
bei Dunkelheit Trumpf. Das Ehepaar mit dem Karren ist kurz nach uns eingetroffen und
findet in unserem Schlafsaal hinten links noch eine weitere Tür mit einem noch dreckigeren
Matratzenlager als unser Raum. Also wird erst geputzt.
Insgesamt bin ich sehr enttäuscht; das war aus der Rückschau so ziemlich die
schlechteste Unterkunft der ganzen Via. Unser Fenster geht auch noch auf den Innenhof,
gegenüber dem Glockenturm, der die Viertelstunden schlägt, dass es einen von der
Matratze haut. (Man kann die Fenster ja nicht schließen, dafür ist es zu stickig.)
Ich höre nachts die Turmuhr "direkt hintereinander" (so kommt es mir vor) 11, 12 und
1 Uhr schlagen.
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Tipp: Beim Schnüffeln finde ich in der 3. Etage einen weiteren Schlafsaal, wo wohl
Schacki und Dakshina untergekommen sind, da sie sich ja immer möglichst absonderten.
Ich drehte aber zu früh wieder ab. Sonst hätte ich auch noch neue Duschen und Toiletten
entdeckt, die in gutem Zustand gewesen sein sollen. Und Licht gab es auch.
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Manchmal
hypnotisiere ich mich selbst durch negative Erwartungen. - Diese Zusatzinformation, um
die Kritik hier etwas zu relativieren. Natürlich kann man als Pilger auch nichts verlangen,
aber ich hätte gern 10 EUR bezahlt, um wie anderswo dafür ein sauberes Bett und Zugang
zu einem funktionierenden Bad zu erhalten. Nun, im Ort gibt's sicher auch Hostales, aber
wir wollten ja gleichzeitig überall die Pilgerunterkünfte testen, damit ich authentisch
berichten konnte.
Ein sehr gutes Abendessen
Noch ein Lichtblick: Abends gab es um 21h30 tatsächlich ein sehr gutes Abendessen.
Inzwischen waren 18 Pilger eingetroffen (nur John erschien nicht zum Abendessen).
Es gab Gazpacho, Pommes mit Fleisch in Tomatensoße, dazu Würstchen, als Nachtisch
einen Berliner und außerdem Äpfel und Apfelsinen. Dazu Rosé nach Belieben. Ich
gab dann eine Spende von 7 EUR oben in die Dose.
Andrang und Unruhe
Am Rand der Altstadt gab es gute Einkaufsmöglichkeiten. Im Restaurant gegenüber
dem Behindertenheim soll man sich inzwischen (Juni 2006) vor "Abzocke" hüten. -
Abends 20h00 Messe
in der Pfarrkirche (ziemlich weit weg und in dem Gassengewirr schwer zu finden).
Am nächsten Tag - so der Pilgertelegraf - sei wieder die Pilgerwelle hinter uns,
diesmal mit 30 Leuten, eingetroffen. Nun, David und John waren sicher schon Vorläufer
gewesen. Die Fünfergruppe hatten wir in Mérida eingeholt, weil sie dort einen
Ruhetag hatten (und zwei Nächte in der Herberge blieben). - Nachts war es sehr
unruhig, da viele schnarchten. Neben uns lagen mehrere Radfahrer, darunter auch
Deutsche, auf dem Boden.
08. Mai 2005, Sonntag: Von Alcuéscar nach Cáceres, 38 km (296 km)
Wie man auch die längsten Etappen bewältigt
Heute hatten wir eine der Rekordetappen vor uns. Nur zur Not wollten wir auf die
Behelfsunterkünfte vor Cáceres zurückkommen. Die Bewältigung einer langen
Etappe findet im Kopf statt: Wenn man sich psychisch darauf einstellt und ein paar kleine
Tricks gegen sich selbst anwendet, schafft man fast alles. Der Haupttrick besteht in der
"Salamitaktik": Nicht gleich das Tagesendziel anvisieren, sondern das nächste Teilziel,
und sich da mit etwas belohnen, einer Pause, einem Getränk usw. Danach wird das
nächste Teilziel angepeilt usw. Zum spanischen Mittag (14h00) sollte man mehr als
die Hälfte, möglichst etwa zwei Drittel des
Weges zurückgelegt haben, da die Leistungsfähigkeit danach stark nachlässt. Die heutige Etappe
war für die Salamitaktik ideal: 1. Teilziel Aldea del Cano (15,5 km), 2. Teilziel:
Valdesalor (26,4 km), beides Ortschaften, in denen es Notunterkünfte und Bares gab.
"Vorpackende" Knistertüten
Ich war in Kampfstimmung. Schon abends zuvor hatten wir etwas Neues ausprobiert:
Die Rucksäcke "vorpacken", also auf die gewohnte Ordnung verzichten, so dass der
Schlafsack im Rucksack oben landete, als letztes reingestopft, gerade noch evtl. Vorräte
darüber. Man muss sich dabei genau überlegen, was man nachts und morgens noch
braucht, sonst gibt es Probleme. 5h45 spielten wir dieses Mal die Knistertüten und zogen
mit Rucksack, Schlafsack und Hut und Stock in den Aufenthaltsflur. Die Schuhe hatte
ich mir nur povisorisch angezogen; die mussten noch einmal ausgezogen werden, weil die
Füße einzuschmieren waren. Das machte ich jetzt nur noch ab und zu, vor allem bei
längeren Etappen. Im Flur war wenigstens Licht. Wir waren natürlich nicht die ersten. Ich
lauerte darauf, auf die Toilette zu können. Danach, mir die Zähne zu putzen. Kaum hatte ich
angefangen, hämmerte Dakshina an die Tür... Also abgebrochen. Frühstücken, Kaffee fiel aus
(keine Steckdose).
Der Weg nach Aldea del Cano
6h50, das war Rekord, zogen wir aus der Haustür. Draußen war es noch so dunkel, dass
ich die Handbuchkopie nicht lesen konnte, aber schon nach 10 Minuten war es hell genug.
Der Pilgerweg ging direkt vor dem Altenheim her aus dem Ort heraus. Etwas später kamen
wir an Herden vorbei, die von Hunden bewacht wurden. Sie bellten zwar aggressiv, machten
aber keine Anstalten, die Herde zu verlassen und uns anzugreifen. Die Landschaft blieb
eigentlich ganz schön; grüne Weiden und etwas Baumwuchs. Nach ca. 7 km holen wir die
Fünfergruppe ein und lassen sie zurück. Etwas später passieren wir
eine Weide, auf der ein Bulle mit herabhängendem blutigen Horn steht. Das arme Tier sah
aus wie eine Illustration zu der Redensart: "Nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen."
Kurz vor der Ortschaft Casas de Don Antonio folgt man der asphaltierten Landstraße
etwa 200 m (nicht 20 m, wie im Handbuch steht) und biegt dann halbrechts
ab. Bald danach kommt eine schöne alte Brücke; wir machen dahinter Milchpause.
Störche kreisen in der Luft. Zwei ärmlich gekleidete Bäuerinnen kommen mit einer Schiebkarre
voll Grünzeug und reden ein paar Worte mit uns. David und John erscheinen und ziehen
nach kurzem Halt weiter. Auch die Fünfergruppe überholt uns wieder. Als wir selbst auch
weiterziehen und die N630 erreichen, sitzen dort die fünf Pilger und machen ihrerseits Pause.
Warum an der öden Straße und nicht an dem schönen Fleck, wo wir Halt gemacht haben?
Heute merkt man, dass wir in etwa die alte Römerstraße entlangziehen, denn es geht zwar
erst rechts, dann links die N630 parallel entlang, aber mehrmals sieht man aufgestellte
Teile oder ganze Miliaria, römische Meilensteine, einmal auch eine Römerbrücke,
manchmal Pflasterreste. Nach einigen Kilometern kommen wir an eine Kreuzung, wo es
rechts nach Aldea del Cano geht. Als Pilger weicht man nicht gern vom Weg ab
und läuft Umwege. Aber hier sind Hans und ich uns einig: Es soll eine Bar geben, und wir
könnten einen Kaffee gut gebrauchen. Ca. 500 m sind es bis zum Ort, und man sieht kurz vor dem
Ortsrand auch schon eine Piste spitzwinklig zurückführen, die man laufen kann, um den
Pilgerweg wieder zu erreichen, ohne denselben Weg zurücklaufen zu müssen. Gut!
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Römische Brücke (Bild: Ingrid)
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Notquartier in Aldea del Cano (Bild: Ingrid)
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Gleich an der Hauptstraße (N630) liegt links das Restaurant Las Vegas, und da
treffen sich dann alle: David und John sind schon da (und hauen sich zwischen Kaffee
und Magdalenas einige Schnäpse rein), nach uns kommen die Fünfergruppe und natürlich
Schacki und Dakshina. Hans genießt frisch gepresste Apfelsine für 1 EUR das Glas. Bald
ist der Wirt seinen ganzen Vorrat an vitaminreichen Südfrüchten los.
Im Ort gibt's auch eine Notunterkunft. Ingrid und Renate, die eine Zeitlang mit
einem deutschen Pilgerkameraden Gunnar zusammen liefen, haben hier 1 Woche vor
uns übernachtet, landeten aber auf dem Boden. - Inzwischen soll es 12 Betten geben.
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Bis Valdesalor
In bester Laune schlendern wir zum Pilgerweg zurück.
Haben wir doch schon ein großes Stück der Etappe hinter uns und sind frisch wie am Morgen.
Es ist auch (noch) nicht zu heiß. Schacki und Dakshina bleiben lange in Sichtweite. Ein
angekündigter Bach ist trocken, trotzdem führen Extremaduraquader hinüber. In der Nähe
liegen weitere Reste von Meilensteinen.
Eine knappe Stunde später stoßen wir auf einen Sportflughafen, an den Hans sich gut
erinnern kann. Keine Ordner, keine Sperren, wir müssen einfach geradeaus über die
Rollbahnen, obwohl gerade ein Schulflugzeug pausenlos starten und landen übt. Es stört
keinen. Jenseits des Feldes stoßen wir auf ein Häuschen mit einem Schild refrescos.
Zwei nette Frauen (mit einem kleinen Jungen) fragen uns neugierig aus, bestaunen uns
ausreichend ob der Leistung (von Gibraltar bis hier zu Fuß!) und verkaufen uns eisgekühlte
Getränkedosen für 1 EUR. Sehr willkommen, denn jetzt ist es doch wieder heiß geworden.
Danach verlassen wir eine Hochfläche, sehen weit voraus schon Valdesalor, davor aber
eine lange Römerbrücke und darauf Gestalten, die sie überqueren. Pilger? Unwillkürlich
beschleunige ich den Schritt und sause los, unterstützt von der Abschüssigkeit des Weges, dass
Hans alle Mühe hat mitzukommen. Natürlich holen wir die fernen Gestalten nicht ein, es
waren ohnehin nur Autotouristen, die einen Spaziergang zur Brücke gemacht hatten.
Die Notunterkunft im Rathaus
Schon gegen 13h00 haben wir Valdesalor erreicht, eine prima Leistung.
Der merkwürdige, recht junge Ort gruppiert sich um den zentralen Platz, an dem alles
Wichtige liegt. Jetzt knallt die Sonne unbarmherzig, und wir suchen vergebens einen Platz
mit Schatten und einer Bank. (Die vorhandenen Bänke stehen in der Sonne und sind
leider fest montiert.) Da kommt Robert, der junge Engländer, an. Er hat die Füße kaputt,
ist mit dem Taxi gekommen, hat aber schon den Schlüssel für die Unterkunft besorgt. Es
ist das Büro des Bürgermeisters mit einem kleinen Ratszimmer davor, wo man auf dem Boden
schlafen kann, direkt am zentralen Platz. Aber es gibt nur 3 Matten! Neben den Räumen
ist noch ein großes Badezimmer mit Dusche und Toilette. Gar nicht schlecht.
David und John kommen auch herangeschlendert, etwas später auch Schacki und Dakshina.
Auf, nach Cáceres!
Hans und ich machen in dem Gebäude (Schatten!) etwas Pause, dann ziehen wir weiter.
Die anderen bleiben unschlüssig zurück. Heute laufen wir wohl allen davon, wir fühlen uns
bestens. Der restliche Weg schlängelt um die N630 herum. Achtung: Hinter dem Tunnel unter der
Fernstraße her kann man besser links neben ihr parallel weiterlaufen, anstatt am Zaun entlang
hinunter und später wieder hoch, wie das Handbuch empfiehlt.
Dann kommt Cáceres in Sicht, es liegt auf einem Hügel. Bald sind die ersten Häuser
in greifbarer Nähe. Der Rest sieht wie ein Kinderspiel aus, aber das täuscht gewaltig. "Das sind
mindestens noch 2 km bis zur Innenstadt" sage ich zu Hans und glaube dabei, das großzügig
angesetzt zu haben. Es waren noch 4,5 km, und wir liefen noch ab 16h00 eine ganze Stunde,
bis wir die Plaza Mayor nach einigem Fragen gefunden hatten. Die gelben Pfeile hatten
wir verloren, sobald es steil in die Altstadt hinaufging. Es gab einfach keine Straßenschilder
und nur Touristen, die auch nicht Bescheid wussten. Egal.
Unterkünfte in Cáceres
An der zentralen Plaza Mayor suche ich die Pensión Carretero, die ein
Pilger empfohlen hatte, denn die beiden touristischen Herbergen, die im Handbuch aufgeführt
sind, kamen mir erstaunlich teuer vor (15,96 EUR mit Frühstück die eine bzw. 17,50 EUR ohne
Frühstück die andere), und bislang hatten wir ja die Erfahrung gemacht, dass die Preise
inzwischen noch gewaltig gestiegen waren. - In "Las Veltas" tatsächlich inzwischen 20 EUR,
das kann man vergessen.
Eine dubiose Einladung
Zwei junge Männer sprechen uns an, Bierflaschen in der Hand. Wir sollten doch mitkommen und bei ihnen
übernachten, mindestens zwei Tage in dieser schönen Stadt bleiben, ihre Eltern seien nicht
zu Hause usw. "Was soll das?" frage ich, "ihr seid jung und wir alt." Sie kichern, das wäre doch
ganz lustig. Ach, und Pilger seien wir? "Muy curioso". Nein, die Pension Carretero
kennen sie nicht. Wir stehen auf den Treppen des Rathauses, da sehe ich jenseits des Platzes links
ein Schild: Da ist sie doch! Wir lassen die beiden verdächtigen Jugendlichen, die uns
vielleicht für ein Homo-Paar gehalten haben, stehen. Ich ziehe los und habe ruckzuck! ein
Doppelzimmer für 20 EUR. Na bitte! Und das mitten in der Altstadt. Natürlich sehr einfach,
nicht einmal ein Waschbecken, aber groß, mit Fenstern zum Platz, Aussicht auf die Stadtfestung gegenüber.
In der Pensión Carretero
Auf dem Flur begegne ich einem Mädchen, genau so erstaunt wie ich, als sie mich
sieht. Sie gehört zu dem deutschen Radfahrerpaar, das letzte Nacht neben mir geschlafen hat.
Wir vier haben die Etage für uns, da reicht das Bad am Ende des Korridors allemal, vor allem
nach dem Gewusel in Aljucén und Alcuéscar. Und hier ist wenigstens alles
sauber und funktioniert, sogar warmes Wasser. Ich sagte zu Hans: "Man wird das doch leid,
wenn tagelang das einzige warme Wasser das in der Feldflache ist." ;-)) - Als ich am Zimmer
der beiden Radfahrer vorbeikomme, sehe ich den jungen Mann bei der Lieblingsbeschäftigung
der Pedalritter: Er klempnert an seinem Rad herum. Die haben doch glatt ihre Räder hier drei
Treppen raufgeschleppt und mit ins Zimmer genommen!
An unserem Wesen sind (fast) alle genesen ;-)
Abends steigt auf dem Platz unten eine Ausstellung von Tourenwagen, die aus
eigener Kraft anreisen. Wir flüchten vor dem Lärm in eine Besichtigung der Stadtfestung.
Wer kommt uns da entgegen? Die Fünfergruppe. Es stellt sich heraus, dass alle unserem
Beispiel gefolgt und weitergezogen sind. Der Stolz, das geschafft zu haben, ist allgemein.
Nur Schacki und Dakshina sind allein in Valdesalor geblieben.
Abendessen im Mesón El Rineón, unserer Pension gegenüber in einer Ecke des
Platzes, vor der Festung. Plato combinado für 6 EUR ist in Ordnung, aber Brot 1 EUR
und 1/3 l Bier 2,20 EUR, teurer als zu Hause. Andere Restaurants waren aber noch viel
teurer, und die Fünfergruppe meinte, mit einem Menü für 17,50 EUR günstig weggekommen zu
sein. Na, die hatten Maßstäbe! - Jedenfalls stiegen wir am Abend recht zufrieden mit unserer
Leistung in die Federn. Unten auf dem Platz waren die Tourenwagen wieder verschwunden, da röhrten nur
noch die Spanier.
09. Mai 2005, Montag: Von Cáceres nach Casar de Cáceres, 11 km (307 km)
Schon vor Mittag am Ziel
7h30 nach einem herrlich langen ruhigen Schlaf aufgestanden. In aller Ruhe gepackt. Etwas noch
eingekauft, dann etwas weiter links den Pilgerweg hinunter. Man kommt nach wenigen 100 m an der
privaten Herberge Las Veletas vorbei. Das Handbuch führt einen sicher aus der Stadt.
Beim Kreisverkehr mit der neuen Schnellstraße (im Handbuch nicht erwähnt)
werden Fußgänger sehr aufwändig über die
Kreuzung geführt. Dann die kleine Landstraße in Richtung Casar de Cáceres entlang. Rechts
und links magere Weiden, wenig Wasser. Nach ein paar Kilometern kann man auf einem Feldweg
links parallel weiterlaufen, bis man sich auf ihm von der Straße entfernt. Milchpause. Da kommt
ein Wanderer angelatscht. Es ist kein Pilger, ein Österreicher, der Urlaub macht und hier und da
Tageswanderungen. Wir gehen zu dritt weiter, machen wegen der Autobahn einen Schlenker zur
Landstraße zurück und haben auf einer Piste dann bald Casar de Cáceres erreicht.
Hans erinnert sich an die Blumen- und Palmenpracht der Allee, auf der wir in Richtung
Innenstadt gehen, aber es ist noch ein ganzes Stück. Schließlich sind wir am zentralen
Platz, an dem links die Herberge ist. Rechts im Rathaus gibt's Stempel, solange dort Angestellte
noch Dienst haben. Nun, wir sind ja schon 11h30 da. Der Österreicher zieht weiter.
Die Herberge in Casar de Cáceres
Die Herberge wird sehr unterschiedlich beurteilt. Wir finden sie fast leer vor. Außer David und
John, die ja jeden Morgen früher loskommen als wir, ist niemand da. Links ist ein großer Raum zum
Wäschetrocknen. Rechts kommt erst eine Küche (mit Kühlschrank!) und Tisch und Stühlen, dahinter
zwei Schlafräume. Die genaue Aufteilung habe ich nicht notiert, aber ich glaube, im ersten waren
12 Betten, sehr eng zusammen, dazu 2 Toiletten und 1 Dusche; im zweiten Schlafraum 8 Betten,
2 Duschen und 1 Wäschewaschbecken, wesentlich besser aufgeteilt als der erste und mit Fenstern
an zwei Seiten.
Ein Ruhetag
Für mich unverständlich, haben sich David und John im ersten Schlafraum
einquartiert, die Betten am Gang, wo jeder unmittelbar vorbeimuss. John hat die Füße kaputt und
muss sie ernsthaft versorgen. Hans und ich beziehen die Doppelstockbetten im zweiten
Schlafraum ganz hinten am
Fenster und haben damit fast eine Ecke für uns. Gegenüber unserem Fußende ist unten noch
ein Bett bezogen. Es gehört Michelle, einer in Spanien lebenden Französin, wie wir später
erfahren. Wir haben sie eingeholt, da sie ebenfalls die Füße kaputt hat. Das passiert alles Leuten,
die morgens wie wild losrennen und beliebig lange laufen, bis ihr Körper die Notbremse zieht.
Wir sollten nämlich noch mitbekommen, dass Michelle eine unheilbare Knistertüte war ...
Wir genossen den Ruhetag, kauften gemütlich ein (Bier in den Kühlschrank!) und wuschen
mal wieder gründlich einen Haufen Wäsche. Vor den Fenstern hingen Leinen, an denen man
die Herberge gleich von außen erkennen konnte, und in dem Sonnenschein und Wind trocknete
alles in Rekordzeit. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, habe ich das Eintreffen weiterer Pilger
an diesem Tag penibel notiert.
Wieder Riesenandrang
14h00: Schacki und Dakshina treffen ein, belegen Betten, sichern sich aber nur die Matratzen,
mit denen sie abends in den Raum zum Wäschetrocknen ziehen, denn der wird wegen des guten
Sommerwetters nicht für die Wäsche gebraucht. So haben sie wieder mal ihr Separee, entlasten
aber dafür auch den ersten Schlafraum, was sehr nützlich war. 14h45 "Die drei Musketiere"
(so nennen sie sich am Ende selbst) stapfen herein, auf den ersten Blick als Deutsche zu
erkennen: Norbert, Hermann und Karl-Heinz. Sie sind der hinter uns anrollenden Pilgerwelle
davongefahren, kommen direkt von Aljucén. Etwas später, siehe da: Bernd und
Christiane (mit dem Bus von Alcuéscar), ein frohes Wiedersehen mit uns. Die Kette
der eintreffenden deutschen Pilger reißt nicht ab: Egge trifft ein, ist ganz langsam gegangen,
denn er hat ebenfalls die Füße voller Blasen. Ich winke alle in unseren Schlafraum.
"Schnüffeln", wo die Bar ist, in der man zu Abend essen kann (Bar Majuca, an der
Hauptstraße, wir sind auf dem Hinweg daran vorbeigekommen), ein Gebet in der Kirche.
In diesem Ort wie schon in Cáceres wimmelt es von Störchen. Wir zählen auf der
Kirche und ihren Türmen über 20 Nester. Sowas habe ich noch nie gesehen, außer im Zoo.
Um 17h25 sind wir zurück. Inzwischen sind insgesamt 15 Pilger da, darunter die beiden
jungen Engländer aus der Fünfergruppe, Robert und Cathleen. Letztere muss heute wohl
auch gefahren sein, hat offenbar ebenfalls Fußprobleme. Die drei dazugehörigen Niederländer
kommen einige Minuten später, hatten sich wohl zum Besichtigen noch lange in Cáceres
aufgehalten und müssen jetzt die übrig gebliebenen Restbetten im esten Schlafraum beziehen.
Das ist wirklich sehr eng, fast kein Platz für die Rucksäcke. Ich bin heilfroh, dass wir bei
dieser Kurzetappe nicht erst am Nachmittag losgegangen sind. Noch ein spanischer
Fußwanderer, und jetzt ist wirklich nur noch ein einziges Bett frei.
Abendessen und ruhiges Nachtleben
Abends in der Bar Majuca Menü für 8 EUR. Wir sitzen mit David und John
zusammen. David kann sehr gut Spanisch, jedenfalls besser als ich, ist wohl sehr häufig im
Land. Er macht für John, der zum ersten Mal auf dem Jakobsweg ist, den Führer.
Alkohol mögen beide gern (ich bin ja auch kein
Abstinenzler). Also haben wir alle vier nach 1 Flasche Rotwein noch Durst. Der Wirt ist
beflissen, aber zurückhaltend. David erklärt dem "padrón" energisch, dass man zu viert
2 Flaschen Rotwein zum Menü braucht. Wir bekommen sie ohne Zuzahlung. Ansonsten gibt
es für mich: Ensalada mixta (ist beim Menü inzwischen selten), Merluza, Eis.
Abends und nachts fällt mir auf, dass alle sehr rücksichtsvoll sind, wenig Lärm machen und
überhaupt die anderen in dieser Enge so wenig wie möglich stören möchten. Das gefällt mir.
In dieser Herberge hat es mir überhaupt ganz gut gefallen, wie gesagt, vielleicht, weil wir
so günstig gelegene Betten hatten.
10. Mai 2005, Dienstag: Von Casar de Cáceres nach Cañaveral, 34 km (341 km)
Die Via wird schwieriger
Ab heute wurde die Via anstrengender, denn jetzt kamen nicht mehr so gleichmäßige
Etappen von leicht zu bewältigenden 20-25 Kilometern, sondern es folgten nun
häufiger lange Etappen, hin und wieder unterbrochen von nervig kurzen. Aber wir waren
inzwischen so gut eingelaufen und fühlten uns nach der Mammutetappe vor Cáceres
so stark, dass wir keinerlei Bedenken mehr hatten, alles zu schaffen. Unsere Füße waren
bestens in Ordnung, auch mein linkes Gelenk schmerzte nicht mehr, blieb aber dick.
Ein wunderbarer Höhenweg
6h00 springt alles aus den Betten. In dem Getrubel machen wir gemütlich Kaffee und
frühstücken. Als ich entdecke, dass wir knapp an Mineralwasser sind, kann Bernd aushelfen,
es langt auch noch für Egge, prima! 6h15 stürzt der spanische Fußwanderer davon. 6h50
sind wir beim Abrücken die Letzten, außer Schacki und Dakshina, die uns aber nach kurzer
Zeit überholen.
Auf der historischen Via de la Plata
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Hinter dem Ort folgt ein herrlicher Höhenweg, mit Aussicht nach links und
rechts, vor uns tauchen Berge auf. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass die Römer hier
auf der Höhe, fernab sumpfiger Niederungen, eine Straße gebaut haben. Das Land wird
allerdings immer öder. Es ist sehr kalt, der Himmel bedeckt. Ein super Wetter
für lange Etappen. Ich fühle mich beschwingt und bin bester Laune, denke nicht einmal
daran, wie diese ganze Pilgerwelle in Cañaveral, unserem heutigen fernen Ziel,
unterkommen soll.
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Als Ort der Milchpause sind zwei römische Meilensteine angesetzt, die das Handbuch
ankündigt. Dort sitzen prompt auch Schacki und Dakshina. Tipp: Etwas weiter hat man links
eine ganze Sammlung von Meilensteinen (und -stücken) zusammengetragen, sehenswert!
Auf einigen sind sogar noch Inschriften zu erkennen. - Als der Höhenzug viel später
zu Ende geht, sitzen die drei Musketiere abseits und haben es sich gemütlich gemacht.
Hinter einem Tor sollten Radfahrer geradeaus zur N630 fahren, denn rechtsab
folgt jetzt ein sehr holperiges Stück oberhalb der Fernstraße. Meines Erachtens
nach ist hier für Fahrradfahrer kein Durchkommen, es geht über Stock und Stein.
Über zwei sehr gefährliche Talsperrenbrücken
Dann erreicht man die N630, und jetzt folgt wohl einer der miesesten und gefährlichsten
Abschnitte der ganzen Via: auf der viel befahrenen Fernstraße entlang und über zwei
in schwindelnder Höhe gelegene Talbrücken oberhalb des riesigen Tajo-Stausees. Ja, die
Landschaft ist herrlich, aber man wagt gar nicht, den Blick von den Füßen zu lassen, damit
man nicht stolpert und unter die vorbeirasenden Lastwagen fällt. Radfahrer erzählen
später, dass sie Blut geschwitzt haben, von dem Sogwind nicht übers Geländer geworfen
zu werden. Das glaube ich gern. Ich habe nie so sehnsüchtig verfolgt,
wie die Kilometerangaben an den Leitpfosten herunterspulten wie hier. Endlich, endlich, die
letzte Steigung, nach der links das ehemalige Hostal Miraltajo auftaucht.
Eine neue touristische Herberge und demnächst auch wieder das "Miraltajo" eröffnet
Hier sind mehrere wichtige Dinge zu vermerken. Erstens: Gegenüber dem Hostal
biegt der Pilgerweg rechts ab auf die Hügel. Vor diesem, angeblich schwierigen Weg
wurde gewarnt; man solle lieber die N630 weiter. Wir hatten aber die Nase voll von der
Schnellstraße und waren uns einig, da hochzugehen.
Zweitens: Links vom Hostal
geht es einige 100 m zu einer neuen touristischen Herberge. Alle, die dort
übernachtet haben, berichten Negatives: Man muss die Besitzer anrufen, die dann
irgendwann kommen und aufschließen; dann wird man wieder
allein gelassen. Übernachtung 14 EUR einschl. Frühstück (Kaffeemaschine). (Einen
konkreten Bericht siehe im folgenden Einschub)
Zu der neuen touristischen Herberge schrieb mir Ingrid ihre Erfahrungen:
Was wir nicht wussten, war, dass 400 Meter hinter dem Hostal "Miraltajo" eine neue
Herberge eröffnet wurde. Die Holländer unterrichteten uns davon. Die
Tafel war so unglücklich angebracht, dass man sie übersehen musste. Die
Telefonnummer, unter der der Betreiber erreicht werden konnte, war an der
Türe angeschlagen. Da schon ein deutsches Ehepaar anwesend war, konnten wir
in die Herberge. Wenn noch geschlossen ist, muss man den Besitzer anrufen,
der dann irgendwann kommt und aufschließt. Die Verpflegung besteht aus
gefrorener Pizza und einigem anderen Gefrorenen, man hat dazu eine
Mikrowelle. Sonst gibt es nichts Warmes zu essen; ausreichend waren aber
Kekse, Chips und Schnitten und süße Frühstückskuchen vorhanden.
Der
Verwalter lässt uns, als er uns unser Bett zugewiesen und uns alles genau
erklärt sowie die Gebühr für die Herberge kassiert hat, wieder allein.
Übernachtung 14 EUR einschl. Frühstück. Es ist auch genug Geschirr
vorhanden, ein Toaster, ein Elektrogriller. Man hat jedoch keine Möglichkeit,
irgendwo etwas einzukaufen, schade. Die Schlafräume sind großzügig groß und
luftig, die Duschen und WC-Anlagen sauber, und es ist ruhig dort. Nur eine
Kuh graste neben der Herberge, und eine kleine Schlange wollte uns im
Aufenthaltsraum Gesellschaft leisten. Morgens legten wir das Geld für das
Gegessene auf den Tisch, schlossen die Türe und legten den Schlüssel auf
den mit dem Verwalter vereinbarten Platz.
Drittens: Wir trafen im Miraltajo M. L., einen Niederländer,
ehemals selbst
Pilger, der das Haus gekauft hat und zurzeit als Hostal und Pilgerherberge wieder
herrichtet. Wir bekamen schon Getränke und konnten an Tischen Pause machen.
Januar 2006 berichtete mir M. selbst von den weiteren Plänen. Danach wird
aus dem Hostal "Miraltajo" eine
Pensión LindaMar, die Luxusdoppelzimmer zu
50 EUR anbietet. Unweit will M. aber auch noch einen Pilgerzeltplatz anbieten,
auf dem es einfacher und billiger zugehen soll.
Leider sind M.'s Pläne wenige Jahre danach alle gescheitert,
es lag aber nicht an ihm.
Nach uns trafen noch die drei Musketiere ein, wobei sich einer von ihnen, der schlimme
Blasen hatte, von mir über das "Wunderpflaster" aufklären ließ. Er hat es sich später
gekauft und erfolgreich angewendet. Dann kamen auch noch die drei Niederländer und
Cathleen (ohne Rucksack) dazu; Robert war wohl mal wieder auf Achse.
Der Besitzer des Miraltajo machte mir ein tolles Kompliment; er habe noch nie einen Deutschen
so gut Niederländisch sprechen hören wie mich. Na, er musste wohl nichts gewohnt sein,
aber ich gebe seinen Spruch gern an meine Lehrer an der Uni Münster weiter.
Eine empfehlenswerte Alternative zur Fernstraße
Hans und ich waren natürlich auch die ersten, die weiterzogen. Wie gesagt, den
steilen Pfad gegenüber hoch. Es schien ein ziemlicher Umweg zu sein, in einem großen
Linksbogen, der zunächst von der Richtung her zurückführte und lange anstieg.
Trotzdem haben wir diesen Weg nicht bereut, ungleich angenehmer als die Fernstraße.
Als wir die Höhe erreicht hatten, gab es zunächst sogar einige Regentropfen,
aber dann kam die Sonne endgültig durch, und es wurde auch heiß. Vor uns tauchte die Stadt
auf, noch mehr als 5 km entfernt, aber wir waren nicht mehr zu bremsen.
Ganz weit hinter uns konnten wir die drei Musketiere noch erkennen.
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Aufpassen bei zwei Abzweigungen
Jetzt kommen zwei Stellen, wo man gut aufpassen muss; das Handbuch hilft nur teilweise.
Man wartet auf eine im Handbuch angekündigte Abzweigung halblinks.
Es kommt auch eine, die verführerisch direkt, steil nach unten auf die Stadt zu verläuft, aber
dort läuft man sich tot, wie Schacki nachher berichtete. Dort lag aber auch, mit Steinen
ausgelegt, das Wort "No", das Hans und ich gottseilob beherzigten. Es
gab zwar sogar auch einen gelben Pfeil, aber der war ungeschickterweise in der Mitte
der Y-Kreuzung angebracht, so dass die angezeigte Richtung nicht klar war.
Halbrechts durch das Tor geht es weiter. Erst 5 Minuten später zeigen deutliche
Hinweise auf dem Felsboden, dass es halblinks nach "Caña" geht, rechts aber
die "C.R." (Calzada Romana) weiterführt. Hier geht es also halblinks ab und steil nach unten.
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Zweite Klippe: Kurz vor der N630 links stießen wir auf eine Baustraße
(im Handbuch nicht erwähnt).
Dort gab es irreführende Zeichen nach rechts. Statt dessen muss man etwa
100 m nach links in Richtung Fernstraße und dann abrupt rechts, noch vor der N630, ab.
Diese Abzweigung haben einige
übersehen. Es steht dort ein hölzerner Wegweiser, und nur so kommt man über die
schöne mittelalterliche San-Benito-Brücke, die für das Handbuch von 2004 das Titelbild
lieferte (im Handbuch von 2005 auf S. 106). Am Ende geht es dann doch steil zur Straße hoch, aber
direkt danach beginnt der Ort, den man auf einem Bürgersteig links gut begehen kann.
Wir mussten dann noch einmal fragen, wo man links zur Altstadt und zur Kirche und
Rathaus abzweigt. Noch vor 15h00 sind wir an der Kirche, trotz der Pausen sehr früh.
Die Pilgerherberge in Cañaveral: einfach urig
Das Handbuch 2004 kannte als Unterkunft nur das Hostal Málaga, aber ich hatte wie so
oft einen Tipp, dass es doch eine Pilgerherberge gab. Im Rathaus an der Kirche nickt man
gleich eifrig, ein Mann holt den Schlüssel im benachbarten Hogar de Pensionistas,
Calle del Centro. Diese Straße geht man weiter hinauf, wobei man an zwei
Lebensmittelläden links und rechts vorbeikommt. Etwas weiter (kaum 150 m von der
Kirche entfernt) macht die Straße einen Linksbogen, und gleich um die Ecke,
Calle del Centro 9, ist die Herberge in einem kleinen unscheinbaren Haus untergebracht.
"Muy pequeño" sagt unser freundlicher Helfer entschuldigend und händigt uns den
Schlüssel aus. Wir bedanken uns sehr, sind offensichtlich die ersten, womit unser
Unterkunftsproblem schon gelöst ist.
Wir inspizieren die Herberge. Es ist ein altes, oberflächlich renoviertes Haus, klein und
eng, mit niedriger Decke an der Treppe, aber alles irgendwie urig. Eine Pilgerherberge, wie
sie im Buche steht, natürlich nur für entsprechend bescheidene Ansprüche. Immerhin
ein Kühlschrank. Im Erdgeschoss
rechts ein Zimmer mit zwei Matratzen. Links ein winziges Bad, über dessen Einrichtung
noch zu reden sein wird. Selbstredend nur kaltes Wasser. Die Treppe hoch, folgen zwei
Schlafräume, 1 Bett und 2 Matratzen im ersten, zwei Betten im zweiten. Wir ziehen
natürlich im zweiten Raum ein, machen erst einmal Siesta.
Ich fahre hoch, unten hört man Stimmen. Ich schaue durchs Fenster und sehe Pilger
in hellen Haufen vorbeiziehen. Suchen sie die Herberge? Ich renne hinunter und winke
David und John herein. Sie schauen sich kurz um, gehen dann aber weiter. Ich verstehe:
Hier geht der Pilgerweg lang, und alle wollen im Hostal Málaga übernachten.
Viele wissen auch wohl nichts von der Herberge. Also wieder Siesta. Ich rolle etwas
unangenehm an die Wand, Hans liegt auch schräg, rollt aber eher aus dem Bett raus.
Wir schauen unter unsere Matratzen: da hat man auf die durchgelegenen defekten
Bettgestelle einfach zwei alte Haustüren gelegt, deren Breite aber nicht ausreicht.
Deshalb liegen wir schräg. Wir lachen uns kaputt.
Wieder Stimmen. Diesmal sind es Schacki und Dakshina. Auf die beiden habe ich
schon gewartet und zeige ihnen das Zimmer unten rechts. Finden sie prima. Wenige
Minuten später kommt Schacki ganz verstört aus dem Bad und fragt: "Wo ist denn
die Reißleine für die Toilette?" Wieder muss ich furchtbar lachen, denn dasselbe ist
Hans passiert. Ein Kübel, mit etwas wackeliger Brille, sogar Toilettenpapier, aber
darüber fehlt die Vorrichtung, um alles wegzuspülen. Musste man mit einem Eimer ...?
Nein, ich weise nach links über die Duschschüssel. Dort hängt alles wie gewohnt,
nur sucht man's da nicht, und sitzt man auf der Brille, kann man nicht dran. Wie
gesagt, urig.
Das Handbuch verweist doch glatt ebenfalls auf eine notwendige Spülung per Eimer.
Es ist schon lustig, wie das die Leute durcheinanderbringt, wenn die Reißleine nicht am
gewohnten Ort ist.
Abendessen in der Bar Delfi
Wir kaufen um die Ecke ein, sitzen draußen in der Sonne auf Stühlen, zur
Belustigung der vorüberziehenden Einwohner. Es kommt zunächst niemand mehr.
Ich werde zum "Schnüffeln" nach einer Bar, wo man abendessen kann, ausgeschickt.
Die Leute empfehlen die Bar Delfi an der N630. (Von der Herberge aus zur
nahen Kreuzung, rechts die Calle Real hoch, gegenüber von tabacos
rechts abbiegen; da sieht man die Bar schon unten vor sich, jenseits der N630.)
Sehr spät, gegen 19h30 trifft noch Egge ein, setzt langsam Fuß vor Fuß, ist absolut fertig.
Wie freut er sich, als wir für ihn noch ein Bett frei haben, ja ein ganzes Zimmer mit viel Platz!
Abendessen in der Bar Delfi. Kein Menü, aber reichhaltige Auswahl an Speisen,
sogar Froschschenkel. Die Fischplatte ist so groß, sagt der Wirt, dass es für zwei langt.
Dakshina und ich teilen uns eine (4 EUR für jeden). Große Portionen, fairer Preis. Den
Weintrinkern jubelt der Wirt aber eine Flasche für 10 EUR unter. Da muss man also
aufpassen. - Später nehme ich noch einen Schlummertrunk auf der Bettkante und
schlafe dann gleich selig ein, Tür unter der Matratze hin oder her.
Viel Kritik am Hostal Málaga
Tage später hören wir, was es an diesem Tage im Hostal Málaga für ein Drama gegeben hat.
Alle waren voller Kritik. Die Zimmer unsauber, das Essen kalt und nicht einmal warmes
Wasser! Dabei gab es noch
zu wenige Betten. Bernd und Christiane sollten in eine Art Abstellkammer. Sie, die drei
Musketiere und auch
die Fünfergruppe verzichteten dankend und fuhren mit Taxis nach Grimaldo.
Na, Platz für zwei Leute, zur Not auch drei, hätten wir in der Herberge noch gehabt. Aber
die kannte ja keiner, und wer von ihrer Existenz wusste, wollte vom Hostal Málaga
nicht wieder in den Ort zurücklaufen.
11. Mai 2005, Mittwoch: Von Cañaveral nach Galisteo, 29 km (370 km)
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An dieser Stelle sei zunächst auf eine Alternative hingewiesen, nämlich in Grimaldo
zu übernachten und damit unsere heutige Etappe (natürlich mit einem Umweg) aufzuteilen.
Dazu schreibt Ingrid: "In der Herberge neben der Bar Grimaldo können Pilger kostenlos schlafen, es
gibt 3 Zimmer mit je 2 Stockbetten und eine Dusche, sowie eine kleine
Küchenecke zum Frühstückskaffeekochen. Die Herberge wurde mit 1.500 EUR von
der Deutschen Bruderschaft finanziert. Es sind Spenden erwünscht."
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Der erste Regentag
Cañaveral liegt vor einer ganz schön hohen Hügelkette, und wir hatten gestern vor
dem Abstieg schon gewusst, dass es heute in einem Sattel dort hinübergehen würde. Das
stimmte.
Erneut stand uns eine lange Etappe bevor, aber wir sind guten Mutes, als wir 7h10 aus der Tür
treten. Es beginnt zu regnen. Was sollte das denn? Kannten wir doch gar nicht. Wegen der paar
Topfen wollte Hans sich noch nicht in Regenkleidung stürzen, ich kramte aber meinen Umhang
schon raus. Da fängt es richtig an zu gießen. Also erst ins Haus zurück und sich regendicht verpackt.
7h38 Abmarsch im strömenden Regen. Die Calle Real hoch, geradeaus zur N630 und dann
- am Hostal Málaga und der Busstation vorbei - links an der Fernstraße entlang. Ein
heftiges Stück, fast ohne Randstreifen, nur einmal kann man 200 m auf eine Piste parallel ausweichen, und jeder
Lastwagen sorgt für eine kurze Dusche. Ich schiebe das Kinn nach vorn und lasse mich's nicht
verdrießen. Trotzdem atmen wir auf, als wir dieses gefährliche Stück Straße (1,4 km) hinter uns haben und halblinks abbiegen können. (Andere Pilger schreiben, dass sie sich weiter links
von der Straße auf Pfaden bis zur Kapelle, wo man die Straße verlässt, durchgeschlagen haben.
Beachten, dass der Pilgerweg von der Straße her nicht die Kapelle erreicht, sondern schon
vorher rechts abbiegt.)
Endlich wieder richtiger Wald
Kurz darauf geht es sehr steil eine geröllige Piste hoch. Ich bleibe
bei meinem gewohnten Schrittrhythmus, verkürze aber die Schritte sehr stark: das ist mein "Geländegang";
so schafft man die schlimmste Steigung, man muss nur Geduld haben. Oben empfängt uns lang
vermisster Wald (ohne die ewigen Eichen), sehr schön.
Es geht wie erwartet über den Sattel, kein Problem. Dahinter wieder
Eichenwald und nach rechts ein Stück hinunter. Kurz vor einer Asphaltstraße
lockt ein paralleler Waldweg. Unschlüssig gehe ich ihn einige hundert Meter, schlage mich dann
doch lieber wieder zur Straße runter durch. Der Wald bleibt rechts.
Wir erreichen eine querende Landstraße.
(Ein Stück weiter rechts hätte doch der schöne Waldweg herauskommen können.)
Ein großes Schild "Via de la Plata". Dann laufen wir in Richtung Sattel zurück, bis wir vor der
Fernstraße und der Autobahn sind. Wo ist der angekündigte Feldweg? Links steht ein großes
Haus, ein "Club". Man umrundet es nach links (hier haben Pilger Schwierigkeiten mit Hunden
gehabt) und findet tatsächlich links von der N630 ein Tor und hinter ihm einen Weg,
der gleich in die übliche Weidelandschaft mit Eichen führt.
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Im Regen hinter Cañaveral
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Aufpassen! Nicht aus der Richtung geraten! Gelbe Pfeile sind rar. Folgt man dem breitesten Fußweg, gerät man nach einiger
Zeit zu sehr nach rechts und läuft in Richtung einer Reihe von Strommasten. Das ist falsch,
wenn man nicht nach Grimaldo will.
Auf keinen Fall den rostigen Zaun links aus dem Auge verlieren! Man muss nicht direkt
an ihm entlang, aber er darf nicht links außer Sicht geraten.
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Wir korrigierten unsere Richtung einmal nach links, um den Zaun wiederzufinden,
und stapften dabei durch das hohe Gras und den leichten Bewuchs. Schon hatten wir beide
klatschnasse Füße, sehr unangenehm. (In meinen leichten Schuhen hatte ich die Füße immer
in kürzester Zeit nass; dafür trockneten sie auch schnell wieder.) Man läuft etwas mühsam, da sich
im Gras lose Steine verbergen. 2 km kommen einem da ganz schön weit vor, dafür braucht man
gut 3/4 Stunde. Bei den sich verzweigenden Pfaden, die das Vieh getrampelt hat, muss man
pausenlos nach gelben Pfeilen Ausschau halten. Oft sind sie auf größeren Steinen. Der
Besitzer hatte wohl untersagt, Bäume damit zu "verzieren", bei Korkeichen verständlich.
Ansonsten herrliche Landschaft in völliger Einsamkeit. Zwei Mal müssen wir steil eingeschnittene
Bachgräben überwinden, bei dichtem Gebüsch, wie es sich immer an einem Gewässerlauf
bildet, gar nicht so einfach. Der Regen ist zu einem leichten Landregen geworden, hält aber an.
Es gibt daher keine Möglichkeit, sich zu einer Pause niederzulassen, und ein Unterstand
bietet sich überhaupt
nicht. Von allen Bäumen tropft es heftig. Dieses Land hat den Regen aber bitter nötig.
Wer den Zaun nicht aus dem Auge lässt, wird dann auch nicht die plötzliche Abzweigung
nach links verpassen. Es ist praktisch die erste Möglichkeit. Durch ein Tor und dann wieder
einen Bach hinüber. Dann leuchten rechts gelbe Pfeile an einem anderen Tor: Hier ist die lang
erwartete Abzweigung nach Grimaldo. Nicht für uns, wir gehen weiter geradeaus;
aber es ist ein gutes Wegemal. (Im Gegensatz zum Handbuch von 2004 ist diese Abzweigung
nicht im Handbuch von 2005 erwähnt, wohl, weil es einen kürzeren Weg nach Grimaldo gibt.)
Etwa ein Drittel des Weges haben wir geschafft.
Römerweg und ein Hirtenhund
Wir verlassen den Eichenwald. Rechts liegt die Autobahn, vor uns eine querende Landstraße,
auf der man rechts von Grimaldo kommen kann. An der Ecke ein großes Schild,
das auf die Via verweist. Hier können wir endlich Milchpause
machen, aber wegen der Nässe immer noch nur im Stehen..
Dann geht es zwischen Zäunen und Mauern schnurgeradeaus weiter, wir sind jetzt
wieder auf der alten Römerstraße. Das Handbuch verweist auf bearbeitete Steine, Mauern und
besonders ganze Trassen im Hang lassen auf erfahrene Straßenbaumeister schließen. Weiterhin
eine schöne Landschaft mit den von mir geliebten Hügeln.
Ab und zu Roggenfelder. In einem links grast eine ausgebrochene Schafherde. Wir können
uns vorstellen, wie der Bauer toben wird, wenn er das entdeckt. Auf einmal weit vor uns ein
großes Tier auf dem Feldweg. Ein Schaf? Hm, es ist braun-weiß gefleckt. Doch wohl ein Hund,
ein ganz schön großer. Ich gebe Alarm nach hinten zu Hans, zücke die Pfefferspritze. Wir
rücken ohne Zaudern vor. Der Hund kommt zögernd auf uns zu, weicht in die Büsche aus,
springt wieder auf den Weg. Sicher ein Hirtenhund, aber nicht der aggressivste. Dann ist
er vor uns, meine Nerven sind gespannt. Wenn er jetzt einen Satz auf uns zumacht, drücke
ich die Spritze ab. Nein, er quetscht sich furchtsam an uns vorbei, eine große Hündin.
Die hinter der ausgebrochenen Schafherde her ist: wir schauen zurück, sehen den Hund
durch den Zaun setzen und dann wie eine Furie auf die Schafe zustürmen. Also, der hatte
andere Sorgen, gottseilob.
Auf einmal geht es rechts ab durch ein Tor. Dort hat man auch einen Extremaduraquader
hingesetzt. Nun läuft man lange mal links, mal rechts von Zäunen und Feldmauern.
Ich sehe immer noch Mauerreste im Gebüsch, evtl. weitere Reste der Römerstraße.
Die Route ist kompliziert, ich lege die Handbuchkopie nicht aus der Hand. Endlich
kommen wir an die Stelle, wo man auf einem Pfad an einem Steilabhang vorbeimuss.
Nach 50 m ist der Pfad ganz abgestürzt, nur noch der Zaun links führt weiter. Am Zaun
sich entlanghangeln? Nein, das wäre ein unnötiges Risiko. (Die drei Musketiere haben
es gemacht, erzählen sie später.) Ich gehe (entgegen meinen Gewohnheiten) lieber die
paar Meter zurück und unterhalb des Hanges durch die Senke.
Wieder durch waldloses Flachland
Dann erreichen wir eine
Piste, die nach links auf eine kleine Asphaltstraße zuführt. Der Regen hat aufgehört. Wir
entledigen uns unserer Regenumhänge und trinken eine Mege Wasser.
Über 5 Stunden sind wir heute ohne echte Pause durch den Regen gelaufen.
Jetzt sind es noch schlappe 8 Kilometer, und die "hauen wir auch noch weg".
Mit der schönen Landschaft ist es vorbei. Wir durchqueren im Zickzack flache
landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Da, zwei Brücken mit fast einem Dutzend Bögen. Die
Perspektive ist unklar: sind es große Brücken weit weg oder kleine ziemlich nah? Das
Letztere ist richtig, es handelt sich um Mini-Aquädukte, die zu dem allgegenwärtigen
Bewässerungssystem hier gehören. Das Handbuch führt uns wieder sicher, es gibt
einige sehr unvermutete Abzweigungen.
Eine verwirrende "Verzweigung"
Weit voraus lösen sich zwei Gestalten aus einer Baumgruppe, haben dort auf einer Bank
Pause gemacht. Es sind Pilger, das sieht man an den Rucksäcken. Ich tippe zuerst auf David
und John, dann auf Schacki und Dakshina. Einmal zeigen gelbe Pfeile an einem Aquädukt,
das vor uns die Straße überquert, geradeaus, andere links ab. Was denn nun?
Die Pilger vor uns biegen links ab, das war richtig. (Geradeaus will man uns zu einer
unbekannten Herberge locken.)
Neustes aus dem Pilgertelegraf
Endlich haben wir das Paar eingeholt, es sind Bernd und
Christiane. Sie erzählen uns von der Pleite im Hostal Málaga. David und John sind aus
dem Rennen. John hatte ja die Füße kaputt, musste aufgeben. David ging dann nicht allein
weiter, er kannte wohl die Via ohnehin und wollte ein andermal weitermachen. Sie sind
nach England zurück.
Unterkunft in der Bar "Los Emigrantes"
Vor uns liegt jetzt Galisteo auf einem Hügel, die Stadtmauer ist deutlich zu erkennen.
Für die Unterkunft habe ich einen Tipp "Bar Los Emigrantes 15 EUR", wobei wie oft nicht
klar ist, ob das pro Person ist oder für ein Doppelzimmer. Kaum hat man die ersten Häuser
erreicht, geht man zu einer Straße hoch, und gegenüber liegt schon die Bar. Sie hat ein
einladendes Schild für Pilger draußen: "Peregrinos: menus, habitaciones, ..." Donnerwetter, die
verstehen ihr Geschäft.
Um 14h30 treffen wir dort ein: knapp 7 Stunden für 29 Kilometer. Wir werden immer schneller,
aber heute gab's ja auch keine Pausen. Jetzt her mit einer Unterkunft.
Hans und ich sind gut eingespielt. Er bleibt beim Gepäck draußen,
ich frage drinnen den jungen Mann hinter der Theke nach einem Zimmer. Haben sie, 15 EUR. -
Das Doppelzimmer? - Das Doppelzimmer! - Nochmal "Donnerwetter", die billigste Unterkunft
der ganzen Tour. Seine Mutter kommt dazu, tuschelt mit ihm. Tja, jetzt wissen wir den Preis
schon, keine Aufschläge mehr. Sie zeigt uns das Zimmer im ersten Stock (es gibt vier): "Wenig
Möbel, dafür billig" meint sie und hat Recht. Ein kleiner Raum, zwei Betten, zwei Stühle, ein
Nachtschränkchen, ein Fernseher, das war's. Fenster zur Straße raus. Bad auf dem Flur, sauber
und ordentlich, warmes Wasser selbstredend. Ja, was will man denn mehr? Schon 20 Minuten
später höre ich bekannte Stimmen auf dem Flur. Bernd und Christiane haben auch gleich
zugeschlagen. Sie erhalten ein etwas größeres Zimmer, aber trotzdem für nur 15 EUR. Beeindruckend.
Außerdem bekommen sie gleich ein Mittagessen. Die Portion Merluza ist so groß, dass mich
Christiane zu Hilfe holt. Für mich ist noch ein ganzer Teller voll übrig, klasse! Als
Nachtisch gibt's frische Erdbeeren mit Sahne. Das merke ich mir fürs Abendmenü.
In den nächsten Stunden gehen die Zimmer weg wie warme Semmeln. Schacki und
Dakshina kommen in einem Nachbargebäude unter, da gibt es noch mehr Betten, zahlen aber
25 EUR, warum, wird nicht klar. Die Fünfergruppe ist auch da.
"El Trillo", die Alternative
Beim ersten "Schnüffeln" die Straße an der Stadtmauer vorbei und weiter den Pilgerweg
entlang treffen wir auf die drei Musketiere, die in der Privatherberge "El Trillo" wohnen.
6 EUR im Dreibettzimmer, sie sind zufrieden. (Andere Pilger bemängelten später Feuchtigkeit
mit Schimmelbildung an den Wänden.) Bernd hat sich von den hohen Preisen
des Restaurants "El Trillo" abschrecken lassen und ist deshalb zur Bar "Los Emigrantes"
zurückgekehrt. Das war übereilt. Die zum Restaurant "El Trillo" zugehörige
Pilgerunterkunft liegt das Sträßchen
am Restaurant rein, praktisch um die Ecke. Aufkommender heftiger Regen treibt uns in
unsere Bar zurück.
Die städtische Herberge, wohl keine Alternative
Später gehen wir nochmal los, suchen die städtische Pilgerherberge. Man geht am "El Trillo"
vorbei den Pilgerweg fast bis zum Fluss. Rechts ein großes Schild "Albergue", aber da sind nur
Ruinen. Dahinter eine nett renovierte Mühle. Ich denke, das ist wohl das Refugio. Weit gefehlt!
Hans sucht herum. Ein Pfad, ein weißer Pfeil. Noch eine Ruine und dahinter ein Haus, nicht
viel besser erhalten. Das ist das Refugio. Es sieht so aus, als ob dort lange niemand mehr
übernachtet hat. Kein Wunder. Wenn es drinnen nicht viel besser ist, als es von außen aussieht, muss es unzumutbar sein.
In der Altstadt
Hans ist vor drei Jahren von einem älteren Mann, der auch im Handbuch erwähnt ist, dort
hingeführt worden. Anschließend wollte der Alte dafür Geld. Wir treffen ihn in der Altstadt,
er wohnt unweit des zentralen Platzes. Die Musketiere holen sich bei ihm einen Stempel.
Ansonsten hat die Stadt nichts zu bieten. Auch die tolle Stadtmauer ist, bei nahem besehen,
ziemlich bröckelig, aus Lehm mit vielen Kieselsteinen darin. Kanonenbeschuss hätte die nicht
ausgehalten. Immerhin kann man einkaufen. Telefonzelle am zentralen Platz.
Abendessen in der Bar "Los Emigrantes"
Abends Menü für 7,50 EUR: Makkaroni mit Käse-Milch-Soße, nicht so ganz mein Fall,
aber ich schlinge alles runter, habe Hunger. 3 Stücke Hühnchen-Mittelteil, einfach zerschnitten,
mitten durch die Knochen, wie üblich. Nur 1 Flasche Wein für 5 Leute (wir essen mit den drei
Musketieren, Norbert, Hermann und Karl-Heinz zusammen). Aber zum Nachtisch Erdbeeren mit
Sahne bis zum Abwinken.
Ein Schreck in der Morgenstunde
Nachts um 4h00 werde ich von Unwohlsein wach. Die Erdnüsse, die ich am Nachmittag
gegessen habe, oder die Makkaroni? Mir ist ganz übel, ich habe Angst. Dann muss ich tatsächlich
dreimal auf die Toilette. O je, o je, die Darmgrippe scheint mich wieder erwischt zu haben.
Ich krame die Anti-Durchfall-Tabletten raus und nehme zwei mit einer Aspirin. Gegen 5h00
werde ich müde; ich merke noch verblüfft, dass ich einschlafe. Da ich sehr selten Medikamente
nehme, wirkt bei mir alles sehr gut.
12. Mai 2005, Donnerstag: Von Galisteo nach Carcaboso, 11 km (381 km)
Heute stand wieder eine Kurzetappe an. Ruhe vor dem Sturm, denn anderntags kam die
gefürchtete Strecke nach Aldeanueva del Camino.
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Etappenplanung: Eine attraktive Alternative
Man muss dazu sagen, dass
Pilgerfreund H.H. eine attraktive Alternative gelaufen ist. Er ging zunächst ganz normal nach
Carcaboso und darüber hinaus bis Venta Quemada.
Dort verließ er den Pilgerweg und ging nach Oliva de Plasencia, wo es neuerdings
eine touristische Herberge gibt (2- und 4-Bett-Zimmer). Man muss den Verwalter anrufen,
damit aufgeschlossen wird. Insgesamt eine Etappe von ca. 28 km.
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Von Oliva de Plasencia aus lässt sich auch noch die im Handbuch empfohlene
Stadt Plasencia besuchen, die etwa 6 km entfernt ist. Für den nächsten Tag hat der Verwalter
eine Abkürzung beschrieben, so dass man nicht nach Venta Quemada
zurück muss. Sie führt nach Cáparra, wo man
bei dem berühmten Römerbogen den Pilgerweg wieder erreicht. Diese Etappe ist dann
bis Aldeanueva del Camino ebenfalls ca. 28 km lang, so dass man etwa 7-8 km
Umweg läuft. Außerdem kostet diese Alternative 1 Tag. Dafür hat man aber die lange
Etappe entschärft (ohne den Ausflug nach Plasencia). Im Handbuch findet sich eine
gute Karte, die den Überblick erleichtert.
Ich bin genesen!
Doch zurück zu meinen Nöten mit dem nächtlichen Unwohlsein.
Ich dachte nachts noch beim Einschlafen, dass ich die paar Kilometer heute auch
wohl mit Darmgrippe bewältigen würde. Um 6h00 geht der Wecker, aber wir bleiben noch bis
7h00 liegen. Was soll die Eile? Danach bin ich ausgeschlafen - und putzmunter! Hans ist sehr
erleichtert, als ich sage: "War wohl doch keine Darmgrippe, habe nur irgendwas am Essen nicht
gut vertragen." Ich bin selbst verblüfft, aber dem lieben Gott sehr dankbar, dass dieser Kelch an
mir vorüberging. Zur Vorsicht esse ich zum Frühstück nur ein paar Zwiebäcke.
Abschied von den drei Musketieren sowie Bernd und Christiane
8h15 wohl diesmal als Erste los. Draußen hängen tiefe Regenwolken. Was soll's? Wir laufen
an "El Trillo" vorbei. Die drei Musketiere stehen da und winken uns zu. Es war ein Abschied,
was wir nicht wussten. Sie müssen ein Stück gefahren sein, denn laut Pilgertelegraf waren sie
ab da immer zwei-drei Tage voraus. Auch Bernd und Christiane sahen wir nicht wieder.
Eine öde Strecke bis Carcaboso
An der alten Flussbrücke streife ich mir den Regenumhang über.
Hans beschließt, die paar Tropfen zu ignorieren. Es sollte den Tag über immer wieder mal etwas
tröpfeln. Gut, ich schwitzte unter dem Regenüberhang, aber das war mir doch lieber, als nach und
nach nass zu werden. Hinter der Brücke ging es auf eine Landstraße, die ziemlich kaputt war,
mit wenig Verkehr.
In einer Pappelpflanzung flötete wieder ein Pirol. Auf halbem Wege ein uninteressantes Dorf.
Danach wird die Straße etwas besser. Rechts vorn tauchen hohe Berge auf, aber sie sind in den
Wolken.
Luxusunterkunft bei Doña Elena
Um 10h15 haben wir schon den Ortsrand von Carcaboso erreicht, nicht mal
Milchpause gemacht. Rechts geht die Landstraße nach Plasencia, das man vor den
Bergen liegen sieht. Geradeaus verläuft der Pilgerweg in Richtung Dorfkern. Wir biegen aber
links in die Hauptdurchgangsstraße ab, um die Bar Via de la Plata anzusteuern.
Sie liegt schon nach 200 m auf der linken Seite. Drinnen treffen wir gleich auf Doña Elena,
die sich aus reiner Nächstenliebe um die Pilger kümmert und sie für 0 bis max. 6 EUR in einem
schönen Haus unterbringt. Sagte jedenfalls das Handbuch von 2004.
Also, freundlich ist die Dame schon, erinnert mich in ihrer bevormundenden Art aber etwas
an Conchi in Baamonde/Camino del Norte. Sie nimmt uns in das Nachbarhaus links
mit. Dort weist sie uns im 1. Stock in ein Dreibettzimmer ein. Alles picobello, sogar mit eigenem
Bad und dem unvermeidlichen Fernseher, wie ein Hostal der gehobenen Klasse.
Draußen eine Terrasse, auf der man Wäsche waschen
und zum Trocknen aufhängen kann. Dort hängt übrigens schon was. Seife, Wäscheklammern,
alles zum Gebrauch der Pilger. Es ist wirklich enorm, aber man fühlt sich etwas beschämt. Bezahlen
und stempeln? - Das hat Zeit bis morgen. Da nützt kein Widerspruch.
Notunterkunft am Sportplatz: abzuraten
Wir haben heute ja sehr viel Zeit, also gemütlich Duschen und Wäsche waschen. Draußen regnet es
wieder, aber es gibt auch Leinen im überdachten Teil des offenen Korridors zum Innenhof.
Danach zum "Schnüffeln". Endlich sind wir mal zu einer Zeit in einem Dorf, wenn die Banken
noch geöffnet sind. So kann ich endlich einen 100-EUR-Schein wechseln lassen, den kein
Kramladen auf den Dörfern annimmt. Das Dorf, dessen Kern jenseits der Fernstraße liegt,
ist schnell durchkämmt. Ein paar schöne römische Meilensteine an der Kirche. Der Pilgerweg
führt zum Ortsrand, wo auch die ehemalige "städtische Notunterkunft"
in einem ehemaligen Schlachthaus lag.
Wir finden es, spähen durch spinnwebenverklebte Fenster und Löcher: innen ist
nicht viel zu sehen, aber man kann Dreck und Trümmer ahnen. Das kann man vergessen.
Aber auch die im Handbuch von 2005 beschriebene neue Notunterkunft soll nicht viel
besser sein (siehe unten).
Großer Andrang in zwei Häusern
Café con leche bei Doña Elena. Es gibt nur Riesenpötte für 2,20 EUR.
Widerspruch zwecklos. Naja. Der erwachsene Sohn muss bedienen, der gehorcht ihr aufs Wort.
Er bekommt Order, uns morgen früh um 6h45 Frühstück zu machen und mit uns abzurechnen.
Gegen 14h00 kommen Schacki und Dakshina, haben wieder Glück: unmittelbar danach regnet
es heftig. Sie werden merkwürdigerweise in einem zweiten Haus untergebracht. Langsam hatte
ich das Gefühl, dass sich Nächstenliebe doch auch wohl finanziell lohnen muss. Bei uns
scheinen die Zimmer auch alle belegt zu sein (irgendwo muss die Fünfergruppe
gehaust haben), aber wir sind bisher nur einer Frau begegnet.
Sie und ihr Mann waren Iren und liefen mit einer jungen Belgierin, die in Spanien wohnte,
zusammen. Ich hatte die Belgierin die ersten Tage für ihre Tochter gehalten und redete immer von
der "englischen Familie". Dieser Irrtum klärte sich erst Tage später auf. - Lange, lange Siesta. :-))
Der übliche Tipp fürs Abendessen
Zum Abendessen ins Restaurant "Las Golondrinas", nur etwas weiter die Straße
hoch. Menü 7 EUR: Nudelsuppe, Bacalao, Eis. Draußen ist "Forelle" angeschlagen, die haben
sie aber angeblich nicht. Etwas nach uns ist eine ganze Gruppe von Spaniern (Pilger?) eingetroffen.
Sie wohnen wohl auch bei Doña Elena. Einer von ihnen bekommt zum Menü Forelle.
Sauerei, glatte Diskriminierung von Ausländern!
Patxi, der Hadschi
Am Nebentisch sitzt noch ein Pilger. Na, das konnte
morgen ja wieder lieblich werden, wo die Herberge in Aldeanueva del Camino doch so
wenige Betten hat (laut Handbuch 9, und das stimmte). Unser Freund nebenan ist allein, bald kommen wir
ins Gespräch. Er stellt sich als äußerst redselig heraus, kann aber auch nur Spanisch. Und Baskisch,
weil er Baske ist. Deshalb heißt er auch nicht Paco, sondern Patxi,
ausgesprochen: "Patschi". Einige Tage später,
als wir uns schon besser kennen, erzähle ich ihm, dass "Pilger" auf Arabisch "Hadschi" hieße
und er deshalb "Patxi, der Hadschi" sei. Solche Witze gefielen ihm sehr.
Hinweis auf die neue Notunterkunft
Was hier an Patxis Erzählung interessiert, ist, dass er nicht bei Doña Elena
haust, sondern in der städtischen Notunterkunft für Pilger, und die ist nicht mehr im Schlachthaus,
sondern in den Sportanlagen. Sei sehr spartanisch: kaltes Wasser und auf dem Boden schlafen.
Na, ich dachte an Guillena.
Wir haben von Gibraltar aus bereits Halbzeit!
Ansonsten hatten wir heute sowohl zeit- als auch entfernungsmäßig Halbzeit
(von Gibraltar! Allerdings
unsere spätere Zusatztour nach Finisterre nicht gerechnet). Das war doch ein Extrabierchen wert ;-)
13. Mai 2005, Freitag: Von Carcaboso nach Aldeanueva del Camino, 38 km (419 km)
Im Reich der Doña Elena
Freitag, der 13., da soll man ja lieber im Bett bleiben, und wir machen uns an eine der gefürchtetsten
Etappen der Via :-) Ich rechnete ziemlich sicher damit, heute auf dem Fußboden zu landen, aber
bange machen galt nicht. 6h45 waren wir pünktlich in der Bar bei Doña Elena. Sie
war sogar selbst schon anwesend, hatte also nicht nur ihren Sohn aus dem Bett geschmissen.
Es gibt den üblichen Riesenpott Kaffee. Ich zahle diesmal nur 2,00 EUR, weil ich mich ihr unterordne.
Sie hat es aufgegeben, sich zu merken, wer welche Sprache kann, und bellt Kommandos auf
Spanisch. "Löffel!" Ich brauche keinen, aber - Widerspruch zwecklos - ich habe mir die Löffel
für unseren Tisch bei ihr abzuholen. Weil Schacki so aufsässig grinst, muss er für den Kaffee 2,20 EUR
bezahlen. Da hat er's! - Übernachtung 8 EUR. Es ist immer noch sehr billig für die Leistung, das muss
man sagen, aber ich hätt's lieber etwas teurer, wenn ich dann keine Kratzfüße machen muss.
Jedenfalls, "aus reiner Nächstenliebe" ist das nicht mehr; sie genießt ihre Bekanntheit und braucht
die Beweihräucherung. Auch läuft es wirtschaftlich wohl nicht schlecht, wenn sie inzwischen zwei
Gästehäuser hat.
Außer uns wuselt die Fünfergruppe rum, dazu die "englische Familie" (also das irische Ehepaar
mit der Belgierin). Irgendwer erkundigt sich nach Taxi oder Bussen. Ja, Junge, den Wettlauf werden
wir verlieren! Als wir 7h05 gefasst loslaufen, sind hinter uns nur Schacki und Dakshina, die einzigen
beiden treuen Seelen, die uns erhalten bleiben.
Eine seltsame Verzweigung des Weges
Ein Stück hinter dem Ort verzweigt sich der Pilgerweg an einem Bewässerungskanal. Geradeaus,
sagt das Handbuch. Aber Hans hat einen gelben Pfeil mit Zusatz "für Radfahrer" entdeckt, und
den Weg wird er nicht gehen, er ist doch kein Radfahrer! Nach rechts weist aber nur ein
Extremaduraquader, und diesen Kerlen traue ich nicht. Aber Hans biegt ab, und wenn ich nicht
alleine weiterlaufen will (und das will ich auf keinen Fall), muss ich hinterher. "Na gut, dann
führst du heute eben" brumme ich. Eine ganze Zeitlang geht es eher in Richtung Plasencia
auf die Berge zu. Kaum ein weiterer Quader, und erst überhaupt keine gelben Pfeile, dass ich
richtig ins Schwitzen gerate. Wir laufen einen riesigen Linksbogen; immerhin wendet sich die
Route allmählich von den Bergen weg nach Norden. Dann endlich der erste gelbe Pfeil. Wir laufen über einige
Weiden, müssen Tore öffnen, die ich allein nicht bewältigt hätte. An matschigen Wegestellen
sehe ich: Hier ist lange niemand mehr hergegangen.
Das Handbuch von 2005 löst dieses Rätsel: Der Weg, den Hans und ich gegangen sind und der im
Handbuch von 2004 nicht erwähnt war, ist schöner und folgt der historischen Via de la Plata.
Er ist andererseits aber auch 1 km länger und wird bei Regenwetter nicht empfohlen.
Hans und Rudolf, die Buhmänner vom Pilgerweg
Wir quetschen uns durch einen Gebüschstreifen, kommen auf einer kleinen Asphaltstraße
heraus - und da sitzt Schacki links vor den Sträuchern und lacht und lacht. "Was seid ihr denn
für Umwege gelaufen?" Ich deute auf Hans. Der andere Weg war wohl kürzer, so dass sie uns überholt
hatten. Das ist aber gar nicht der Grund für seine Heiterkeit. Er wollte sich einen kleinen Scherz
mit Dakshina erlauben, die gerade hinter einem Busch verschwunden war. Sie wähnten Hans und mich
ja weit voraus; trotzdem hatte er warnend gerufen: "Achtung, da kommen Hans und Rudolf!",
und genau in dem Moment treten wir zu seiner eigenen grenzenlosen Verblüffung tatsächlich aus den
Büschen, von einer ganz anderen Seite als erwartet. Na, da mussten wir ebenfalls lachen.
Wieder ein schöner Weg
So hatten wir also den Pilgerweg wieder. Es ging nur 100 m links auf der Asphaltstraße
weiter, dann rechts ab, durch ein Tor, steil eine Piste hoch. Insgesamt war das ein großer Rechtsbogen um eine ummauerte Viehweide herum. Ein Pfeil weist sogar über die Mauer,
denn man könnte über die Weide den Rechtsbogen
abkürzen. Aber davon ist abzuraten.
Nicht wegen der Kühe, sondern wegen der Steine und der Mauerkletterei.
Danach pilgert man, wie im
Handbuch beschrieben, viele Kilometer über Viehweiden, mal links an einer Mauer entlang, mal
rechts.
Wir werden zum Rudel
Einmal blafft uns ein Hirtenhund an, nähert sich aber nicht. Dann sehe ich gleich vier
Hunde auf uns zulaufen und gebe Hundealarm.
Laufen im Rudel
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Es sind aber nur drei kleine Mischlinge und ein
junger Boxer. Sie bellen ein wenig aus Pflichtbewusstsein; als aber Hans sie schnuppern lässt
und sie streichelt, kennt ihre Freude keine Grenzen. Wir laufen weiter, Hans voran, ich hinterdrein.
Hinter mir ertönt ein Hecheln, ich drehe mich um: Da laufen die vier Hunde im Gänsemarsch hinter
mir her, haben sich in ihr neues Rudel eingereiht, und Hans ist als Rudelführer anerkannt. Wenn
er etwas sagt, reagieren sie sofort; mich ignorieren sie, gehen mir höchstens aus dem Weg.
Als wir nahe an einer Gruppe von Rindern vorbeikommen, schwärmen die Hunde aus, scheuchen
die Rinder weg und "beschützen" so unser "Rudel". Danach kommen sie sofort zurück. Zum Piepen!
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Milchpause. Schacki und Dakshina kommen, lachen über unseren merkwürdigen Zuwachs.
Jetzt gibt Hans den Hunden auch noch eine Wurstpelle. Das war's, jetzt werden wir sie überhaupt
nicht mehr los. Sie müssen halbwild sein, kennen nur die Weidelandschaft und haben wahrscheinlich
auf den zugehörigen Höfen keine Zuneigung erfahren. Hans ist für sie wie ein Engel vom Himmel.
An der Venta Quemada
Ein paarmal witschen wir durch ein Tor, um die Hunde abzuhängen. Minuten später sind
sie wieder da. Schließlich kommen wir nach Venta Quemada, ein bekanntes Teilziel dieser
Etappe. Hier verläuft eine kleine Asphaltstraße, auf der man rechts (Mitteilung von Pilgerfreund H.H.)
nach Oliva de Plasencia gehen kann. Auch nutzen Pilger diesen Punkt, um mit dem Taxi
anzufahren. Wir haben nämlich bislang keinerlei Fußspuren gesehen, hier setzen abrupt Spuren
ein, ich kann drei unterscheiden. So sind wir vier heute wohl die Einzigen, die bislang von
Carcaboso hierher gelaufen sind.
Links liegt das Angestelltenhaus des Fincabesitzers, dessen
Herrenhaus etwas weiter zu sehen ist. Vor dem Haus lungern zwei Boxer herum. Mehrere Pilger
berichten, dass sie deshalb nicht gewagt haben, um Wasser zu bitten. Wir brauchen keines.
Das Wetter ist heute kühl, mit Wolken am Himmel, wieder ideales Wanderwetter, wie bestellt für
diese lange Etappe. Zu unserer Freude wieseln "unsere" vier Hunde auf die beiden Boxer zu und
bleiben zurück. Uff, das war knapp. Auch Schacki und Dakshina lassen sich wieder zurückfallen.
Unsere erste Cañada
Wir laufen jetzt eine Cañada entlang, einen ehemaligen Viehtriebweg,
sehr breit, von Mauern eingefasst. Irgendwie ein angenehmes Gefühl, einen so traditionsreichen
Weg zu gehen, und man muss sich nicht durchs Gebüsch quetschen. Die Piste selbst ist
breit, verzweigt sich ab und zu, so dass man wählen kann, ob man in der Sonne oder unter
Bäumen im Schatten laufen will. Schöner geht's nicht.
Das Drama mit dem Hund
Hinter uns ein Hecheln. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Einer der Mischlinge, ein kleiner, treuherzig
schauender brauner kleiner Hund hat sich wieder an unsere Fersen geheftet. Den werden wir nicht mehr
los, ich bekomme die Krise! - Ich wüsste, was zu machen ist: Ihn anbrüllen, nach ihm schlagen und ihn
wegjagen, ihn damit "aus dem Rudel ausstoßen". Ich probier's, er weicht mir aus, ich bin nicht
der Rudelführer. Also muss Hans ran. Der schaut in das treuherzige Hundegesicht und schmilzt
dahin, bringt es nicht übers Herz. Ich fasse mich an den Kopf. Wenn wir Straßen erreichen, wird es ein
Drama geben; der Hund kennt keine Autos. Er wird vor unseren Augen überfahren werden, oder noch
schlimmer: angefahren werden, dass Hans ihn totschlagen muss. Hans schneiden diese Aussichten
ins Herz. Dann kommt rechts ein Hof am Wege. Hunde bellen, die Bäuerin kommt heraus.
Ich frage, ob sie nicht unsern
Hund haben will, der uns nachgelaufen ist. Will sie nicht; von ihren dreien sind schon zwei
zugelaufene.
Am römischen Bogen von Cáparra
Resigniert gehen wir weiter und sind um 11h20 wenige hundert Meter weiter an dem
legendären Bogen von Cáparra. Er ist größer, als ich dachte, eigentlich vier Bögen im
Rechteck. Ringsum Ruinen der römischen Stadt. Rechts hören wir Lärm von Schülern, dort muss
wohl das Informationszentrum (angeblich mit Getränkeautomat) sein, zu sehen ist aber nichts. Wir haben
keine Lust, den Abstecher von etwa 500 m zu machen. (Man müsste dazu vom Bogen aus den
Pilgerweg entlang etwas weiter, dann kann man nach rechts abzweigen.)
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Mitten in der Einsamkeit ...
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Mittagspause unterm Bogen. Bald sind auch Schacki und
Dakshina da. Wir essen und trinken etwas, Hans läuft herum und macht Fotos, den Hund immer
auf den Fersen. Da beginnt es zu regnen, und zugleich verstärkt sich der Wind. Wir probieren
aus, welche der Säulen etwas Schutz bietet, viel ist es nicht. Hier "romantisch" zu übernachten,
wie das Handbuch vorschlägt? Wir grinsen ungläubig.
Das etwas traurige, aber glimpfliche Ende des Hundedramas
12h00 weiter. Der Regen hat aufgehört.
Noch liegen 20 km vor uns, aber es ist schon klar, dass wir um 14h00 weit mehr
als die Hälfte geschafft haben werden, gemäß der Salamitaktik bei langen Etappen. Das nächste Teilziel
ist jetzt eine Asphaltstraße. Vorher müssen wir noch einen Bach durchqueren (problemlos) und
scheuchen dabei zwei Schwarzstörche auf. Sagenhaft! Der Hund verschmäht die Trittsteine und
tapst bis über den Bauch im Wasser durch den Bach. Der wird nicht mehr zurückfinden!
Dann eine neue Asphaltstraße entlang, sicher mit EU-Geldern gebaut. Links und rechts
nummerierte Viehzuchtzentren, aber kein Mensch zu sehen. Nur alle halbe Stunde ein Auto.
Die Straße ist die reinste Verschwendung; sie dient nur als Zubringer für die Weiden. Wir
benutzen eine parallele Piste rechts von ihr, sonst wäre der Hund zu sehr in Gefahr.
Dann wird's kritisch. Wir erreichen eine größere, mehr befahrene Landstraße. Wie vorausgesehen
kennt der Hund keine Autos. Nach einigen Fast-Vollbremsungen und viel Gefluche der Fahrer
können wir endlich auf eine alte Trasse halblinks abzweigen. Aber dahinter kommt die N630,
und was dann mit dem Hund?
Hans findet eine Lösung. Wir laufen an einigen unbewohnten Häusern vorbei, die aber keine
Ruinen sind. Bewirtschaftete Gärten, in einem bellen zwei mittelgroße Wachhunde. Daneben
der Garten hat einen engmaschigen hohen Zaun. Hans grabscht sich den kleinen braunen Hund
und lässt ihn jenseits des Zaunes auf den Boden plumpsen. Das Jaulen schneidet ins Herz,
aber wir machen, dass wir davonkommen, ehe der Hund doch noch irgendwo eine Lücke findet
oder Leute kommen, die ihn frei lassen. 2 km weiter, hinter einer leichten Kurve, atmen wir auf.
Hans schwört, nie wieder einen Hund zu streicheln. Ich sage "Amen!"
Das schlimmste Stück der Via
Wo die Trasse vor der N630 endet, kommt ein berühmtes schwieriges Stück, über das sich viele
Pilger beschwert haben. Hier haben Grundstücksbesitzer keinen Durchlass für Pilger gelassen,
Tore sind verschlossen und Mauern sogar noch durch Stacheldraht überhöht. Selbst
Pilgerfreund R.H., dessen Bericht mich auf dem Nordweg leitete, hat hier kapituliert und ist zur
N630 zurückgekehrt. Dieses Problem hat nichts mit der Autobahnbaustelle zu tun, wie das
Handbuch von 2004 meinte. Hier geht es allein um Sturheit der Besitzer, und die Pilger, ebenso stur,
klettern über Mauer und Drähte und beschädigen diese dabei auf die Dauer unweigerlich.
Viele Pilger (die meisten?) gehen von hier die restlichen 7 km die N630 entlang nach
Aldeanueva del Camino, nicht jedoch wir!
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Alternativen zu dem berüchtigten Abschnitt
Das Handbuch von 2005, das wir bei unserer Tour ja noch nicht kannten, beschreibt zwei Alternativen, als zweite die, die wir nach dem Handbuch
von 2004 gegangen sind,
die mit den oben beschriebenen Schikanen (siehe den weiteren Bericht unten).
Die andere, laut Handbuch
die "offizielle Route", schlängelt sich geradeaus um die N630 und die Autobahn herum.
Dabei verpasst man ein landschaftlich sehr schönes Stück mit einer Cañada und
einem historischen Schäferhäuschen.
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Pilgerfreund Detlef Gehring hat am 13.9.2005 folgende empfehlenswerte Kompromissroute
gefunden. Er berichtet:
"Der Verlauf des Weges scheint sich vollkommen geändert zu haben. Das Metalltor in Richtung alter Wegstrecke war jedenfalls versperrt. Nachdem der Bach überquert ist, weist ein gelber Pfeil darauf hin, dass man dem Schotterweg links an der Brücke vorbei folgen soll. Über diesen gelangt man irgendwann zu einer Autobahnunterführung, wo ein Pfeil zur Unterquerung auffordert. Dieser zeigt aber in die falsche Richtung! Folgt man diesem, so geht es hinter der Unterführung recht zu einem Restaurant. Geht man jedoch vor der Unterquerung weiter geradeaus, dann gibt es kurz danach einen Weg nach rechts (ohne Pfeil), und bald danach gabelt er sich. Man folgt ihm nicht geradeaus, sondern geht nochmals nach rechts. Bald trifft man auf links einen Quader, der den weitern Verlauf der Vía de la Plata anzeigt. Man landet kurze Zeit später auf der alten Wegstrecke, der man nach links folgt."
Bald darauf war er an dem erwähnten Schäferhäuschen.
Das scheint die ideale Kombination zu sein: Man vermeidet die Mauerkletterei, sieht
aber trotzdem den schönsten Abschnitt.
Über den Fluss Ambroz
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Hart auf hart macht lustig
Auftakt am Fluss Ambroz. Eine Doppelzeile von Trittsteinen führt hinüber.
Mit meinem Stock als Stütze kein Problem. Dann unter der Nationalstraßenbrücke hindurch.
Ich sah so gebannt der bevorstehenden Herausforderung entgegen, dass ich die tintenschwarze
Gewitterwolke, die der auffrischende Wind vor sich hinter uns hertrieb, gar nicht beachtete. Warum
sind wir Idioten nicht unter der Brücke in Deckung geblieben?
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Nächster Punkt: Jetzt sollte ein verschlossenes Tor kommen, das es zu überklettern galt.
Es war sperrangelweit offen. Och! ;-) Ein Trampelpfad durch das hohe Gras (also mussten hier
in den letzten Tagen doch einige hergelaufen sein) an einem Strommast vorbei, dann
verschwunden. An der gegenüberliegenden Mauer kein gelber Pfeil, wie das Handbuch
ankündigt. Wir teilen uns, Hans links, ich rechts; wer zuerst einen Übergang findet, ruft.
(Einer der Vorteile, wenn man nicht allein ist.) Ich finde rechts eine Stelle, an der man die
Mauer leicht überklettern kann, weil diese halb eingefallen und der Stacheldraht
runtergetrampelt ist. Hans kommt auf mein Rufen,
dann sind wir drüber. In dem Moment holt uns die Gewitterwolke ein.
Von einem Moment
auf den anderen prasselt Regen hernieder, wir schaffen es soeben noch, mit gegenseitiger
Hilfe den Schutz überzuziehen. Hans zückt seinen Regenschirm. Blitze zucken, Donner kracht.
Ich fühle mich kurz vor der Bewältigung dieser gefürchteten Etappe und mitten in dem
Problemabschnitt, voll unter Adrenalin, stark und allen Herausforderungen gewachsen.
Ich lache triumphierend und patsche durch das Unwetter einen großen Linksbogen über
das baumbestandene Grundstück ca. 1 km bis zur jenseitigen Mauer. Ganz selten mal
ein gelber Pfeil an einem Baum, immerhin, wir sind richtig. Wie bei der vorigen Mauer
ist das Tor versperrt, man muss rechts davon über Mauer und Stacheldraht. Schwierig.
Ein einziger Stachel könnte mir meinen wallenden Regenumhang zerfetzen. Ein Draht
ist schon runtergebogen, Hans hält den zweiten nieder. Mit Hilfe meines Stocks schwinge
ich mich auf die Mauer, ein Satz, geschafft! Dann helfe ich Hans, wir klemmen den zweiten Draht
unter den ersten. (Es ist kein Vieh auf diesen Wiesen, aber, wie gesagt, die Besitzer verursachen
indirekt, dass die Pilger die Einfriedigung so zerstören, dass sie dauernd geflickt werden muss.)
Ein weiterer schöner Abschnitt
Kurz darauf ist das Unwetter vorüber. Jetzt kommt unser Lohn: Ein wunderbarer
Wanderabschnitt vor großartiger Bergkulisse rechts, wieder eine cañada
entlang. Man stößt sogar auf ein renoviertes kleines Schäferhäuschen. Das muss man doch
gesehen haben! Kurz darauf treffen wir einen Schäfer mit seiner Herde, er ist aber nicht sehr gesprächig.
Am nächsten Bauernhof sollte der Pilgerweg laut dem Handbuch von 2004 geradeaus weitergehen, aber ein dicker gelber Pfeil zeigt unmissverständlich nach links.
Man unterquert die Autobahn und
läuft hinter ihr rechts auf der N630 weiter. Es ist aber nur noch knapp 1 km bis zum Ortsanfang,
den wir 16h30 erreichen.
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Achtung: Beschreibung im Handbuch weicht ab
Auch im Handbuch von 2005 liest sich der letzte Abschnitt ab der Begegnung mit dem
Schäfer rechts anders.
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Noch vor den ersten Häusern (ich habe ein Ortsschild in
Erinnerung) lenkt man uns rechts ab und gleich wieder links, parallel zur Fernstraße. Es geht
dann noch ein ganzes Stück geradeaus, bis links die Herberge liegt, ein älteres knallgelbes
Haus. Werden wir ein Bett bekommen? Noch sehen wir keine Pilger herumwuseln.
In der Herberge von Aldeanueva del Camino
Zwei Eingangstüren, wir fassen an die rechte. Da kommt eine alte Frau aus einem der
rechten Nachbarhäuser, sie betreut die Herberge. Die Tür ist offen, klemmt aber furchtbar.
Nach oben in den ersten Stock. Links ein Badezimmer, gut in Schuss, und alles
funktioniert, sogar warmes Wasser (Boiler). Geradeaus ein Schlafraum mit 4 Einzelbetten. In
dreien liegen das irische Ehepaar sowie die belgische Begleiterin, sie machen Siesta.
Es müssen ihre Fußspuren gewesen sein, die ich ab Venta Quemada gesehen habe.
Sie fühlen sich etwas gestört (ja, Knistertüten müssen ja wenigstens tagsüber schlafen),
weisen aber auf das freie vierte Bett. Nebenan ist aber ein weiteres Zimmer mit zwei
Einzelbetten. Wir fassen es nicht: Wir haben Betten! Das ist ein Tag!
In diesem Zimmer ist viel Platz, und wir richten uns glücklich ein. Der einzige Nachteil
ist der Boiler, der ab und zu anspringt und sogar Funken versprüht. Man muss da eben
aufpassen, dass nichts Brennbares in Reichweite liegt.
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Sonst noch ein Pult mit dem
Herbergsbuch. In ihm wird vor der Bar Los Boleros gewarnt: dort werden Pilger
abgezockt, d.h. sie müssen völlig überhöhte Preise bezahlen.
Inzwischen von anderen Pilgern bestätigt. (Näheres siehe unten)
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Bald treffen auch Schacki
und Dakshina ein, ebenso Patxi, der auch wohl alles gelaufen ist. Er ist sowieso ein
"Langläufer", d.h. ist sehr lange Etappen gewohnt und oft bis abends unterwegs.
Das war's, sonst erscheint niemand mehr. Weitere Pilger sind wahrscheinlich 850 m
weiter in einem großen Hostal an der N630 untergekommen. Dieses wurde sehr gelobt,
mäßige Preise, gutes Essen. Eine Alternative für diejenigen, denen die Herbergsatmosphäre
nicht so liegt.
Für die anderen drei schließt die alte Frau den linken Hauseingang zu einem weiteren
Schlafraum auf. Es gibt auch ein zweites Bad, aber da funktioniert das Warmwasser nicht.
Wir hören auf einmal ein fürchterliches Gestöhne von unten hochdringen. Die Irin
wendet sich fragend an uns: Ob das Paar da unten ...? - Nein, nein, lachen wir, das ist nur
Schacki unter der kalten Dusche, der röhrt immer so. Wir kannten das schon, z.B. aus
Cañaveral. Hatte es sich nicht rumgesprochen, dass man hier oben warm
duschen konnte?
Dakshina, der Held des Tages
Wir gratulieren besonders Dakshina für die heutige Leistung, auf die wir ja selbst
stolz sind, also keineswegs herablassend.
Immerhin war sie ursprünglich nur für die Via angetreten, wenn es bei 10-km-Etappen blieb,
und inzwischen hatte sie sich zum Profi gesteigert. Süß war ihr krummer
Stock, an den sie immer frische Blumen band und den sie schon so personifiziert hatte,
dass sie ihn nicht missen mochte. Schacki als ehemaliger Marathonläufer steckte die
körperlichen Strapazen mühelos weg, hielt sich eisern an unsere Etappenaufteilung
und brachte Dakshina dazu, das mitzumachen. So blieben wir "letzten vier von Sevilla"
unzertrennlich, auch wenn wir uns mal zwei-drei Tage zwischendurch aus dem Auge verloren.
Die größte Herausforderung mit einer langen Etappe nach der anderen sollte aber erst nach
Salamanca kommen ...
Vorsicht vor Abzocke in der Bar Los Boleros
Einkaufen ist an der Plaza de Mercada, 200 m von der Herberge entfernt, möglich.
Wäsche lässt sich auf dem Balkon der
Herberge aufhängen, aber das Wetter war weiter unbeständig, und meine Socken wurden nicht
trocken. (Machte nichts, ich hing sie anderntags am Rucksack auf.)
Wir warnen Patxi vor der Bar Los Boleros, die ebenfalls an der kleinen Plaza de
Mercado liegt, Schacki kriegt es aber nicht mit. Wir essen abends in der
Bar/Café Español am gleichen Platz. Es gibt eine Karte mit raciones:
Ensalada mixta 3 EUR, lomo 5 EUR, usw., Bier 0,90 EUR, kein Brotaufschlag.
Nichts Besonderes, aber reell. Die anderen erzählen später, wie es ihnen in "Los Boleros"
ergangen ist. Magere Portionen, geheimnisvolle Preise. Zum Schluss sollen Schacki und
Dakshina sowie das irische Ehepaar 23 EUR bezahlen, pro Paar! Schacki platzt der
Kragen, er beschwert sich. Da will ihn die Wirtin rauswerfen. Er knallt dann 11,50 EUR
auf den Tisch, und sie gehen. Die Iren zahlen mit roten Ohren den Räuberpreis. Patxi,
der unsere Warnung unbeachtet ließ ("Da hast du mehr Verstand gehabt als ich", sagt er nachher
zu mir), sitzt am Nebentisch, kriegt alles mit, auch dass die Ausländer viel mehr bezahlen müssen,
sagt aber nichts: Spanier sind konfliktscheu, deutsche Touristen in Spanien deshalb
für ihre "Kritikfreudigkeit" bekannt.
Diese Geschichte habe ich sowohl von Patxi als auch von Schacki gehört.
Ruhiger Ausklang eines hervorragenden Tages
Nachts schlafen
wir selig in den großen Betten, bis uns die Knistertüten nebenan wecken. Ich nahm mir fest
vor, mir künftig keine Sorgen mehr um Betten zu machen. Bis jetzt hatte sich immer alles
glücklich gefügt, ohne auf dem Fußboden zu landen. Und selbst wenn uns das mal
passieren würde, wäre das kein Beinbruch. Wichtig waren allein: Platz, Zeit und Ruhe.
Das im Handbuch wiedergegebene Höhenprofil bis Salamanca ist mit Vorsicht zu genießen.
Der steile Aufstieg hinter Navarredonda (vor Calzada de Béjar)
sowie der Höhenzug Pico de la Dueña
hinter Fuenterroble de Salvatierra sind nicht berücksichtigt.
14. Mai 2005, Samstag: Von Aldeanueva del Camino nach Calzada de Béjar, 23 km (442 km)
In Richtung Baños de Montemayor
6h30 stürmen die Knistertüten von nebenan aus dem Haus, wecken uns, weil wir den Schlüssel
übernehmen müssen. (Er ist einfach unten neben dem Eingang ins Fenster zu legen, unter einen
kleinen Stein. Aber man muss natürlich vorher abschließen.) Ich stehe ausgeruht und heiter auf,
schließlich wird es voraussichtlich heute und morgen ohne Schwierigkeiten Betten geben, was
mir hilft, meinen guten Vorsatz zu halten, mir keine Sorgen mehr zu machen. Draußen ist wieder
Sonnenschein, aber sehr kalt. 7h50 nach gemütlichem Frühstück los. Durch den Ort bis zur
N630. Dort sehen wir das Hostal an der N630, ziemlich groß. In einem ersten Kreisverkehr geht
die N630 rechts, in Richtung Hervás. Dabei wird die Autobahn überquert. Im nächsten
Kreisverkehr folgt man der N630 links ab. Berge rücken von links und rechts vor. Man sieht
die Autobahn links schon recht hoch verlaufen. Das Tal ist nämlich hier zu Ende, und wir
müssen vor uns den Pass von Béjar überwinden, der die Grenze zwischen der
Extremadura und Kastilien-León bildet.
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Eine empfehlenswerte Alternative
Hier ist eine Empfehlung einzuflechten, die Bernd und Christiane auf mehreren Seiten im
Herbergsbuch von Salamanca, an meine Adresse gerichtet, hinterlassen haben. Gern gebe ich
diese wunschgemäß hier bekannt.
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Danach lohnt es sich, einen Abstecher nach Hervás
zu machen, von wo aus man leicht nach Baños de Montemayor weiterlaufen
kann, so dass es nur 5-6 km zusätzlich sind. Hervás soll das originalste noch
erhaltene Judenviertel Europas haben und auch sonst - vor mächtiger Bergkulisse - sehr
schön sein. Touristische Herberge im alten Bahnhof. Übernachtung inkl. Frühstück 15 EUR pro Kopf.
Man hat von der Etappenplanung her mehrere Möglichkeiten: a) zwei Kurzetappen,
nämlich Aldeanueva del Camino - Hervás - Baños de Montemayor
(ca. 16 km) und dann nach Calzada de Béjar (ca. 13 km) (das kostet einen zusätzlichen
Tag, aber man kann sich viel Zeit lassen), b) erste Etappe wie vor, zweite gleich bis Fuenterroble
de Salvatierra (34 km), oder c) Aldeanueva del Camino über Hervás und
Baños de Montemayor bis Calzada de Béjar (ca. 29 km; machbar, zumal
man abends garantiert noch ein Bett bekommt). Danke für den Tipp an Bernd und Christiane!
In Baños de Montemayor
Wenn ich die Strecke noch einmal ginge, würde ich Variante c wählen. Denn die N630 von
Aldeanueva del Camino bis Baños de Montemayor ist doch ein ödes Stück,
trotz üppig grüner Landschaft rechts und links. Erst ca. 2 km vor dem ersten heutigen Etappenziel,
dem schon mehrfach genannten Baños de Montemayor, konnte man links auf eine
parallele Piste ausweichen, zum Teil mit alter Pflasterung, evtl. einfach die ursprüngliche Trasse.
Baños de Montemayor ist ein hübsches Städtchen, in das wir auf einem Bürgersteig
links hineingingen. Viel Wasser, viel Grün, war unser Eindruck. Dann gingen wir halbrechts zur
Kirche hoch und weiter zu einem Platz, auf dem viel Unrat lag. Hier holten uns Schacki und
Dakshina ein. Eine Frau erklärte uns auf Deutsch, warum heute in dem bekannten Bäderort tote
Hose war: Die Nacht über hatte die ganze Bevölkerung gefeiert. Jetzt war alles geschlossen, auch
kein Kaffee zu bekommen, da sich die Leute ausschliefen. In dem Ort gibt es auch eine touristische
Herberge, weshalb er in eine Etappenplanung mit einbezogen werden kann.
Zum Pass hoch
Dann kam eine steile Gasse bis zum Ortsende, wo man auf die N630 trifft, die sich von links nach
rechts in einer Serpentine den Pass emporwindet. An einer Balustrade, von der man aus einen wunderschönen
Blick auf die Stadt und die umgebende Landschaft hat, machen wir Milchpause. Danach wird's erstmal
richtig schön. Halbrechts von der N630 biegen wir auf einen mittelalterlichen Weg mit riesigen
Steinplatten ab. Das muss der ganz alte Weg zum Pass sein, für heutige Verhältnisse viel zu steil.
Wie gut, dass die Autobahn an der gegenüberliegenden Talseite verläuft und diesen herrlichen
Weg nicht zerstört hat. Nur die Römerstraße hinter Ubrique fand ich noch toller. Es geht
sehr steil hoch, aber was soll's? Bald sitzen Schacki und Dakshina auf einer Bank an der Seite und
nehmen ein zweites Frühstück ein. Tatsächlich ist hier der Blick noch schöner als unten an der
Balustrade. "Und keine Abgase" sagt Schacki, und ich muss ihm beipflichten.
Die Extremadura liegt hinter uns
Erst oben am Pass stoßen wir wieder auf die N630, der wir ca. 2 km folgen. Aber vorher kommen
wir an ein riesiges Schild: Provinz Kastilien-León. Wir haben die Extremadura hinter uns!
Nun, für uns war sie nicht so schrecklich, aber das lag nur an der Jahreszeit. Schließlich hatten
wir unsere ganze Fahrt danach zeitlich ausgerichtet. Zudem hatten wir mit dem Wetter noch
zusätzliches Glück, denn die Sonne hätte auch - wie anfangs im Süden an der Küste - ganz anders
brennen können. Es war jedenfalls ein tolles Gefühl, diese wichtige Grenze zu überschreiten.
In Puerto de Béjar gibt es seit Sommer 2006 eine neue, aber nicht billige Unterkunft,
die von den Schwestern aus Aljucén betrieben wird.
Albergue Via Argenta,
12 EUR für Pilger. Tel. 616 515 195
Hinter dem Dorf Puerto de Béjar
ging es auf Pisten weiter, umgeben von herrlichen Wäldern, wie wir sie seit Montellano
vermisst hatten, nicht der ewige lichte Bewuchs mit niedrigen Eichen, sondern "richtige" Wälder
mit Laub- und Nadelbäumen verschiedener Art, wie wir das von zu Hause gewohnt waren.
Bald ging es immer steiler bergab in immer größere Einsamkeit. An einem einzelnen Haus heulte
etwas im Gebüsch. Wir schwören heute noch, dass das ein Wolf gewesen sein muss. Denn
diese Tiere waren hier gar nicht so selten. Im Talgrund unten, immer noch zwischen steilen Bergen,
einzelne Bauernhöfe. Einmal rauscht ein wahrer Wildbach über unsern Weg, überall gluckert und
fließt es.
Wie leicht man sich verlieren kann
Kurz vor einer Brücke über den Fluss Cuerpo del Hombre (Körper des Menschen!)
sitzt Patxi rechts am Wege und vertauscht seine Bergschuhe gegen Sandalen. Ich wechsele einige Worte
mit ihm, während Hans schon weitergeht. Der Fluss sei sehr tief, hatte ein Pilger geschrieben, und
ich hatte verstanden: "Probleme beim Durchwaten". Das Handbuch schreibt, dass der Fluss
"überquert" wird, aber das kann ja auch über Steine sein. Nein, wieder mal einfach eine große
Holzbrücke. Was sollte dann die Bemerkung "tief"? Ich merke, dass Hans verschwunden ist.
Vor mir geht die Piste rechts um eine Kurve. Einige Touristen laufen umher. Ausgerechnet hier
kommt jetzt eine schmale Asphaltstraße, rechts begrenzt von einer Mauer, daneben weiter die
Piste mit dem Pilgerpfad. Auf Letzterer ist Hans nicht zu sehen, jedenfalls nicht die nächsten
200 m, und so weit kann er doch nicht weg sein. Ich renne bis zur nächsten Kurve: nichts.
Dann klettere ich über die Mauer. Ganz hinten sehe ich drei Pilger laufen. Hat er sich anderen
angeschlossen, ohne auf mich zu warten? Merkwürdig. Ich nehme die Beine auf den Nacken
und laufe im schnellsten Tempo los. Etwa 1 km später bin ich so nahe an die drei Pilger
herangekommen, dass ich ausschließen kann, dass Hans dabei ist. Es müssen das irische Paar und die
Belgierin sein. Sch...! Hans muss irgendwo zurückgeblieben sein, denn ich kann die Straße
weit überblicken, da ist nichts. Also setze ich mich - etwas sauer auf mich selbst - von weitem
sichtbar auf einen Felsen und esse erst einmal eine Apfelsine. Das beruhigt. Nach einer
Viertelstunde kommt Patxi in Sicht, etwas hinter ihm Hans. Na also! Hans war zum Fluss
hinuntergegangen, um Fotos zu machen. Er dachte, ich hätte das mitbekommen. Erst als
Patxi ohne mich ankam, merkte er, dass ich inzwischen weitergelaufen sein musste.
Wenn man auf der Piste neben der Straße bleibt, muss man einige sehr ausgedehnte
Schlammpfützen passieren. Vor uns erklang ein Dröhnen von Motoren. Eine Gruppe von
jungen Männern kam auf vierrädrigen Motorrollern herangerast, donnerte über die Piste
und vor allem durch die Schlammpfützen. Und das hier in dieser paradiesischen, ruhigen
Landschaft! Verdammte Idioten und Umweltferkel! Es ist diese Haltung, die unseren Planeten
kaputt macht.
Die Herberge von Calzada de Béjar
An der Häusergruppe Navarredonda (Schild an einem Haus) muss man aufpassen,
dass man die Abzweigung nicht verpasst. Die Straße biegt scharf rechts um die Ecke, der
Pilgerweg geht geradeaus weiter.
Dahinter muss man zum zweiten Mal an diesem Tag sehr steil hoch, aber so kurz
vor dem Ziel reißt man sich zusammen. Bereits um 13h20 haben wir Calzada de Béjar
erreicht. Gleich am Ortsanfang steht links unübersehbar die private touristische Herberge
"Alba y Soraya". Es ist eine der angenehmsten Herbergen auf dem ganzen Weg, wobei die
Besitzer mit Recht darauf schauen, dass sie wirtschaftlich betrieben werden kann. Maximo
und Soraya kümmern sich persönlich um alle Gäste. Im Haus gibt es einen zentralen großen
Aufenthaltsraum mit Tischen und Stühlen. Links zwei Schlafkammern a 12 Betten (6
Doppelstock). Der einzige Unsinn ist: Links kostet es 10 EUR und rechts 6 EUR. Warum,
weiß der liebe Himmel. Links sind die Bettgestelle neuer, und es gibt ein Kopfkissen.
Aber einen anderen Unterschied sah ich nicht. Wir gingen natürlich in die billigere
Kammer. Hans lieh sich für 1 EUR ein Kopfkissen. Schacki und Dakshina hatten zunächst
gewohnheitsmäßig den leereren Raum bezogen, räumten diesen aber fluchtartig, als sie
von dem Preisunterschied hörten. :-) Zu den beiden Schlafzimmern gehörte auch noch je 1 Bad,
insgesamt also ausreichende
Installationen. Die Betten standen allerdings sehr eng, wie in Refugios. Dafür waren
aber längst nicht alle belegt. Man hätte ruhig noch sehr spät eintreffen können und nur
riskiert, ein 10-EUR-Bett zu bekommen. Draußen ein großes Becken zum Wäschewaschen
und viele Leinen. Da die Sonne schien und ein frischer Wind wehte, nutzten alle die
Gelegenheit, mal wieder ordentlich zu waschen. Gegenüber dem Haus ein tolles Bergpanorama,
bis zu Gipfeln mit Resten von Schnee darauf, laut Karte ca. 2.400 m hoch.
Im rechten Trakt gab es noch 2 Doppelzimmer plus 1 Bad für 15 EUR pro Person.
In diesen war die Fünfergruppe, wenn auch nur vier von ihnen, untergekommen.
Zu Cathleen war vorübergehend ihr Mann gestoßen. Jetzt hatten sie auch noch ein Auto
zur Verfügung. Wo die Gruppe die vorige Nacht verbracht hatte, bekam ich nicht heraus.
Grüße von Ingrid
Im Herbergsbuch grüßt Ingrid aus Österreich Hans und mich. Sie ist offenbar noch 4 Tage
voraus. Irgendwo vor Ourense werden wir sie und ihre Pilgerkameradin Renate einholen,
so haben wir das vor unserer Tour festgestellt, als wir übers Netz unsere Etappenpläne
verglichen. Das wird sicher sehr lustig, sich dann irgendwo im fernen Spanien
persönlich zu begegnen.
Eine spendable Wirtin
"Schnüffeln" im Ort. Keinerlei Einkaufsmöglichkeit!
Zu sehen gibt es nur die Hauptstraße mit urigen alten zweistöckigen
Häusern, alle holzverkleidet, mit einem Balkon vor dem Obergeschoss, zum Teil auf schon
abenteuerlich schiefen Steinpfeilern gelagert. Es sah aus, als ob jeden Moment die Hälfte
der Häuser nach vorn einstürzen müsste. Insgesamt alles sehr alt und malerisch. Maximo
und Soraya wohnten gegenüber der Kirche. Mit ihrer Herberge hatten sie der lokalen Bar wohl
das Wasser abgegraben. Die Bar liegt hinter der Kirche. Dort kehrten gerade einige stolze
Reiter ein, evtl. Gutsbesitzersöhne, die von den Dorfmädchen umlagert wurden. Hans und ich
machten es uns am Tresen gemütlich und tranken das eine oder andere Bier. Die Wirtin
bot uns wie üblich Oliven an, die wir gern nahmen. Dann musste Hans noch Wurst und
Schinken probieren. Irgendwie hatte die Frau einen Narren an uns gefressen, auf einmal
gab sie noch eine Runde Wein aus. Und dann brauchten wir nur das Bier zu bezahlen, alles
andere seien pinchos dazu gewesen. Sowas hatten wir noch nie erlebt. Allein von
den Preisen her kann man diese Bar empfehlen. Früher soll es auch Essen gegeben haben,
aber jetzt waren alle Pilger ja bei Maximo und Soraya quasi abonniert.
Abendessen und Messe
Zu unserem Erstaunen ist ein Zettel an der Kirchentür, dass heute um 20h00 eine
Messe ist. Das findet man selten. Wir fragen in der Herberge nach dem Abendessen.
Soraya kommt es entgegen, wenn ihre zahlreichen Gäste in zwei Schichten essen, und so
bekommen wir schon um 19h00 was. Menü 6,60 EUR: Fischsuppe (mein Leibgericht),
Salat und Fleisch, Joghurt, Wein, Brot. Beim Bezahlen kann man auch Frühstück für 2,50 EUR
vorbestellen, ich lasse es bei einer Tasse Kaffee für 1 EUR.
Messe. Zu meinem Erstaunen nimmt auch die Fünfergruppe teil. - Danach holen wir noch in der
Bar einen Absacker. Heute Nacht sind in unserem Schlafsaal außer Hans und mir nur noch
die Dreiergruppe, also das irische Ehepaar und die Belgierin, sowie Schacki und Dakshina.
Nebenan sind noch weniger Personen. Also Platz genug und insgesamt eine sehr angenehme
Herberge.
15. Mai 2005, Sonntag: Von Calzada de Béjar nach
Fuenterroble de Salvatierra, 21 km (463 km)
Ein Frühstück zum Selbermachen
6h30 aufgestanden. Ich war gespannt auf das Frühstück. Viele hatten dieses ja für 2,50 EUR vorbestellt,
ich nur einen Kaffee für 1,00 EUR. Ich hatte schon geahnt, dass unsere Gastgeber gar nicht erscheinen
würden, und so war es auch. Also konnte sich jeder mit dem Frühstück selbst bedienen, z.B.
Kaffee und Milch nach Belieben mischen und in der Mikrowelle heiß machen. Zu meinem Schmunzeln
gab es außer Marmelade und Butter Zwiebäcke, die ich ja gewöhnlich zu essen pflegte. Außerdem
noch Kekse. Ich machte mir also meinen Kaffee und packte dann meine mitgebrachten Sachen aus,
die man hier ruhig an den Tischen verzehren konnte. Die Gastgeber setzen viel Vertrauen in die
Pilger, dass sich keiner mit mehr bedient, als er bezahlt hat. Hoffentlich machen sie dabei nicht
schlechte Erfahrungen.
Eine wenig spektakuläre Hochebene
7h50 rücken wir ab. Heute hatte ich gehofft, dass die schöne Berglandschaft,
die uns in Kastilien-León
begrüßt hatte, uns nun treu bleiben würde, aber dem war nicht so. Wir liefen jetzt in erstaunlicher
Höhe durch die übliche Weidelandschaft, und die hohen Berge rechts blieben langsam in der
Ferne zurück. Wegen der Höhe ist die morgendliche Temperatur nur 5 Grad, trotz des schönen Wetters.
Der Weg ist wohl die alte Römerstraße, denn er geht schnurgeradeaus. Hin und wieder sieht man
einen Meilenstein. Rechts
und links immer sanfte bewaldete Höhen, aber wenig spektakulär.
Bald laufen wir durch Valverde de Valdelacasa und schauen mit
Schacki und Dakshina nach einer Bar aus. Wir sehen aber nur eine, die sehr geschlossen aussieht.
Naja, es ist Pfingstsonntagmorgen. Dann geht es eine kleine Landstraße weiter bis Valdelacasa,
das etwas größer ist.
Ein Mann führt Hans und mich etwas umständlich zu einer gerade geöffneten Bar. Das hat sich nicht
gelohnt. Die Wirtin will wegen uns zwei Hanseln die Kaffeemaschine nicht anwerfen. Hans bestellt
einen Orangensaft, wie bekommen aber nur eine Fanta. Als wir zum Pilgerweg zurückgehen, sehen
wir gerade Schacki und Dakshina vor uns herziehen. Später laufen wir wieder an ihnen vorbei,
weil sie Pause im Grünen machen. So sind wir das seit langem gewohnt.
Nachdem man etwas später eine Landstraße
nach links verlassen hat (wo wir Schacki und Dakshina trafen),
läuft man zwischen Mauern in einigen Kurven der
Piste nach, bis man auf eine T-Kreuzung stößt. Dort rechts ab und immer geradeaus weiter.
Endlich zeigt ein gelber
Pfeil nach rechts zu einer Asphaltstraße, aber man darf sich ruhig der Piste weiter geradeaus anvertrauen,
denn sie läuft später langsam spitzwinklig auf die Landstraße zu. Vor sich sieht man schon
das Ziel Fuenterroble de Salvatierra.
Im Pfarrhaus von Fuenterroble de Salvatierra
12h15 in den Ort. 50 m vor der Herberge, auf die man direkt zuläuft, links eine Bar, wo man doch
glatt an diesem Feiertag im Nebenzimmer einkaufen konnte. Das haben wir gemacht. Aber dann zum
Pfarrhaus. Niemand da. Ich zähle im Obergeschoss 3 Zimmer mit 6, 4 und 18 Betten. Dazu einige
Matratzen zur Reserve. Es gibt 3 Badezimmer. Einige Betten sind
schon belegt. Hans und ich würden uns gerne im 4-Bett-Zimmer einquartieren (1 Doppelstock
und zwei einzelne Betten), aber es ist nicht klar, welche Betten belegt sind, da überall Sachen
verstreut sind. Da ich Stimmen höre, gehe ich nach unten und finde dort einige Pilger sowie
ein paar andere Leute, wohl Helfer des Pfarrers. Zu meinem Erstaunen treffe ich Michelle, die
in Spanien lebende Fanzösin, die wir zuletzt mit kaputten Füßen in Casar de Cáceres
zurückgelassen hatten. Ich denke, dass sie oben im Zimmer belegt hat und frage sie danach.
Sie hat sich aber in dem 6-Bett-Zimmer der Dreiergruppe (das irische Ehepaar und die Belgierin)
angeschlossen und meint, wir sollten uns doch die zwei Einzelbetten nehmen. Ich merke ihr an,
dass sie nicht versteht, warum ich so einen Aufstand mache.
Sagenhafte Tapas und ebensolche Preise
Zurück zur Bar. Hier gibt es nicht nur Bierchen, sondern es werden zu Mittag auch Tapas
gereicht. Eine Sorte besteht aus Krabbenfleisch, ein Happen, so dick wie mein Daumenballen
und wahnsinnig lecker. Etwas später bezahle ich für 4 Tapas und 2 Bier ganze 3,10 EUR,
sagenhaft (oder die konnten nicht rechnen). Ich merke mir vor, hier abends nochmal richtig
zuzulangen, aber dazu kam es dann nicht.
Pilgeratmosphäre vom Feinsten
Siesta. Es ist Regen angesagt, und wir wollen Kaft sammeln, denn morgen gibt es
auch wieder eine lange Etappe mit einem nur kleinen Refugio am Ziel. Gegen 16h00 schmeißt
man uns aus dem Bett, denn der legendäre Pfarrer Blas ist eingetroffen, nachdem er in den
umliegenden Kirchen die Pfingstmessen gelesen hat.
Die zentrale Stube ist proppenvoll,
mit Pilgern, mit Kindern, die wohl zu Besuch sind, und mit Leuten aus dem Dorf.
Fuenterroble de Salvatierra liegt 950 m hoch, und es ist draußen entsprechend saukalt.
In der Stube prasselt aber ein warmes Herdfeuer. Ein Helfer des Pfarrers hat eine riesige
Pfanne mit Paella gemacht, dazu gibt es einen Becher Suppe. Pfarrer Blas teilt selbst aus, wir
hauen alle fröhlich rein. Neben mir sitzt Patxi, der schon seit gestern hier ist. Außerdem ein
Spanier, Alberto, der zu unserem Zimmer gehört. Er ist Wochenendpilger, hat in der Via noch eine Lücke,
die er noch nicht gelaufen ist, zu stopfen. Insgesamt zähle ich 15 Personen.
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Paella für alle
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Pfarrer Blas teilt selbst das Essen aus
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Kaffee, Gebäck,
Schnaps (!). Maronen, aber die sind zu alt und ungenießbar. Patxi organisiert nachher
das Einsammeln von Spenden, damit wir dem Pfarrer nicht finanziell zur Last fallen. Bei
dieser Gastlichkeit machen wir da gern mit.
Dieser Pfarrer Blas ist eine der wenigen bekannten
Persönlichkeiten der Via, bei der die Legenden, die um sie ranken, wirklich stimmen. Ich weiß
von einer Pilgerfreundin, dass er sie in der Not mit seinem Auto nach Salamanca gefahren
hat ... Außerdem ist er erstaunlich jung, ich schätze Anfang 40.
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Konzert eines dänischen Chores
Von der Kirche aus sieht man über das Land und kann in der Ferne einen Höhenzug mit
Windrädern drauf erkennen. Da müssen wir morgen drüber. Es ist der höchste Punkt der Via
(bis Astorga, also nicht auch des Mozarabischen Weges). 19h00 Konzert eines dänischen
Chores, den Pfarrer Blas in Salamanca kurzerhand eingeladen hat. Später feuchtfröhliches
Treiben im Pfarrhaus. Ich freue mich, dass die Dänen nicht nur auf Englisch singen, wie
das ein deutscher Chor mit Sicherheit gemacht hätte, sondern in mehreren Sprachen, auch
Dänisch und Deutsch. Die Zugabe, eine Art Nationalhymne auf das geliebte Vaterland
Dänemark, singe ich - bereits vom Rotwein beflügelt - aus der Partitur mit, die Dänen schmunzeln.
Ich unterhalte
mich mit einer Dänin, die perfekt Deutsch spricht, weil sie in Hamburg studiert hat.
Ich schaffe es nicht, den Nippel durch die Lasche zu ziehn
Bald ist für mich jedoch Schicht, denn als Pilger braucht man seinen Schlaf. Aber Hans
hext noch mit unserem Zimmergefährten Alberto und einigen anderen eine Zeitlang weiter,
Schacki und Dakshina sind natürlich mit von der Partie. Als es endlich im Haus ruhig wird, kann
ich nicht mehr einschlafen. Na, ich habe ja noch meine "Geheimwaffe", eine für diesen Fall
reservierte Dose Bier. Im Dunkeln will ich sie aufziehen, da reißt der Nippel ab. (Mein
Kommentar ist hier nicht wiedergebbar.)
Schlimme Kälte in dieser Höhenlage
Schließlich dusele ich doch ein, werde aber die Nacht hindurch immer wieder von der
schneidenden Kälte geweckt. Nach und nach ziehe ich Socken, Pullover, zum Schluss
noch die Hose an und liege dann voll bekleidet im Schlafsack. Was für ein Unterschied
zu manchen Nächten davor (wie in Casar de Cáceres), wo wir Männer alle nur mit einer
Unterhose bekleidet auf dem Schlafsack lagen.
16. Mai 2005, Montag: Von Fuenterroble de Salvatierra nach Morille, 32 km (495 km)
Auf den Höhenrücken zu
Alberto hatte darum gebeten, nicht so früh aufzustehen, aber 6h00 ist die Nacht doch um.
7h15 gehen wir los, Hans' Thermometer am Gürtel zeigt 4 Grad! Vom angekündigten Regen nichts
zu sehen. Am Ortsrand stoßen wir auf die Fünfergruppe, lassen diese aber bald hinter uns zurück.
Wir werden sie erst in Salamanca wiedertreffen. Es geht ein Stück die Landstraße, dann rechts
über die üblichen Pisten durch eine hoch gelegene Weidelandschaft, zur Abwechslung
zwischendurch auch mal Korkeichen, alles wie gehabt.
Als Etappenteilziel winkt der schon genannte Höhenzug mit den Windrädern drauf.
Die Piste verläuft auch mal in mehreren parallelen Ästen in Form von Fußpfaden, evtl. sind wir
wieder auf einer breiten cañada. Man muss deshalb aufpassen, die Richtung zu halten.
Als wir an einer Kreuzung aus dem Busch auftauchen, sitzen Schacki und Dakshina da,
haben offensichtlich auf uns gewartet, damit wir wieder führen. Ich habe tatsächlich heute auch wieder einen Spezialtipp für eine Unterkunft in petto.
Pico de la Dueña, 1.100 m
Endlich steigen wir steil halblinks auf den Höhenrücken. Es ist verrückt, aber laut Handbuch sind
wir hier ebenfalls auf einer cañada. Warum sind die Herden nicht um den
Höhenzug herumgelaufen? Es gibt keinen klar gekennzeichneten Weg. Am besten hält man sich
rechts an der Abbruchkante, wobei man hin und wieder ein Höhenkreuz passiert.
Wir stoßen auf
Patxi, laufen mit ihm weiter, bis links von uns das Gipfelkreuz auf dem höchsten Punkt,
dem Pico de la Dueña liegt. Während vor uns der Weg schon wieder abtaucht, geht
es halblinks deutlich hoch, in Richtung Gipfel. Dann versperrt uns ein Stacheldrahtzaun den
Weg zum Kreuz, weil die Windräder zu nahe sind. Nun, das kann uns nicht aufhalten. Wir lassen
die Rucksäcke liegen und klettern durch den Zaun, wobei wir uns gegenseitig die Drähte hochhalten.
Oben ist das bekannte Gipfelkreuz, aber es pfeift ein starker, eiskalter Wind. Ohne Deckung kann
man es fast nicht aushalten. Hans und Patxi machen Fotos. Die Sicht geht sehr weit nach Süden und nach
Norden. Wir sehen sogar halblinks, sehr weit in der Ferne, Türme, die nur von Salamanca sein können.
Bis dahin erstreckt sich eine endlose Hochebene, das kann ja nervig werden.
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Höchster Punkt der Via (Bild: Hans)
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Ein langweiliges Stück Straße
Als wir vom Kreuz zurückgehen, kommt uns Dakshina entgegen, Schacki spart sich wohl den
Aufstieg. Ja, er sitzt etwas weiter am Wegesrand und lässt uns wieder vorbeilaufen.
Hans und ich nehmen den Abstieg an und laufen Patxi
zunächst davon. Dann kommt aber später eine endlose kleine Landstraße, auf der man zurück
den schöneren Blick hat, und in der Ferne sehen wir auch Patxi hinter uns herkommen.
Auf vielen der folgenden Kilometer gibt es auch noch den Rest einer cañada,
links, parallel zur Straße. Dort läuft man etwas mühsamer, hat aber die Illusion eines schönen Weges,
indem man die Landstraße ausblendet.
Wir passieren ein großes Landgut. Männer balancieren über Mauern und stochern mit Stöcken
in rechteckigen Pferchen rum. Was machen die da? Es muss was mit Kampfstieren zu tun haben,
vermuten wir.
Nicht ganz! In dem alten Pilgerbericht von R.H. lese ich, dass er 2000 dieselbe Szene
vorgefunden hat: Er erfuhr, dass hier Kälber gebrannt wurden.
Oh, weit in der Ferne laufen Pilger. Vier Gestalten, das muss die aufgestockte
Dreiergruppe sein. Unwillkürlich beschleunigen wir unseren Schritt. Aber als sie vielleicht noch
300 m entfernt sind, ist Mittagszeit. Also "Engel des Herrn" und Pause. Hans setzt sich einfach
rechts in einen Graben. Da ist kein Schatten. Ich ziehe 200 m weiter und setze mich unter einen
der wenigen Bäume. Auch nicht viel besser: Schatten ja, aber dafür trifft mich der kalte Wind.
Patxi stiefelt vorüber, dann kommen auch Schacki und Dakshina, laufen aber so langsam,
dass wir sie nachher wieder überholen. Die Vierergruppe kommt nicht wieder in Sicht.
Nicht die Abzweigung nach Morille verpassen!
Hinter uns ziehen Wolken auf. Der angekündigte Regen? Wir hoffen, dass wir trocken
davonkommen. Vergeblich! Bald müssen wir die Regensachen überziehen. Wir kommen an die
Abzweigung nach San Pedro de Rozados; es ist ein kleiner Weg, nicht die
Zubringerlandstraße, die später kommt. Über das dortige Refugio haben wir schlimme
Sachen gehört. (Im Handbuch heißt es auf S. 131: "das verlauste Refugio"!)
Deshalb wollen wir nach unserem Etappenplan gleich bis Morille
weiterlaufen, womit wir uns auch den Umweg ersparen.
Sommer 2006: Neue Herberge in einem alten Haus mit 6 Betten und Badezimmer.
Keine Küche. 8 EUR. In der Bar Moreno fragen.
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Aufpassen: Das Handbuch von 2005 führt die Pilger auf jeden Fall durch San Pedro de Rozados.
Warum ist der Hinweis auf die Abkürzung, wenn man in Morille bleiben will,
weggefallen? Man muss dann zunächst auf der Landstraße bleiben.
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Auf einer Bodenwelle schauen wir uns um.
Schacki und Dakshina haben die Abzweigung erreicht, bleiben unschlüssig stehen. Nach ein-zwei
Minuten siegt ihre "Anhänglichkeit", sie biegen nicht ab, heften sich weiter an unsere Fersen.
Wir passieren die Kreuzung, wo nun die Landstraße links nach San Pedro de Rozados führt,
etwas später auch die Einmündung, wo man von links aus diesem Ort wieder auf den Pilgerweg
zurückkommt. Ich wollte hier einfach weiter geradeaus auf der Landstraße bleiben, aber Hans
hat zum Glück aufgepasst und zeigt mir, dass man hier nach Morille rechts abbiegen
muss. Uff! Wäre ich allein gewesen, wäre das schiefgegangen.
Refugio voll, und das bei strömendem Regen!
Trotz der langen Etappe erreichen wir bereits 14h20 den trostlosen kleinen Ort Morille.
Obwohl es nur eine Hauptrichtung gibt, fällt die Orientierung schwer, da die Häuser
und Seitengassen alle gleich aussehen. Man muss sich als zentralen Punkt einfach die Brücke
über den Fluss merken (sie ist im Handbuch von 2005 neuerdings erwähnt).
Jenseits der Brücke geht man halblinks
und erreicht dann die Plaza Don José Sánchez Alonso. Einfach noch 20 m geradeaus,
so dass der Platz rechts liegen bleibt, dann sieht man rechts an der Mauer ein Schild "Albergue".
Hinter dem Gebäude ist der Eingang. Außerdem gibt es noch einen kleinen Kasten für Aushänge,
in dem die Adressen der einzigen Bares vermerkt sind: Bar Segovia (dort gibt's auch
den Refugioschlüssel) und Bar Marcus (o.ä., kann mein Gekritzel da nicht ganz entziffern),
beide in der Calle San Pedro, nämlich Hausnummer 7-9 bzw. 22.
Der Regen läuft uns die Umhänge herunter. Tropfnass schauen wir ins Refugio: Ein einziger
Raum mit 3 Doppelstockbetten, aber ein oberes fehlt, also nur 5 Betten. Links ein Badezimmer,
das war's. Eng. Die Dreiergruppe hat sich breitgemacht, hält Siesta und schaut uns abwehrend aus
den Betten an. Patxi sitzt mit der Vierten im Bunde auf dem freien unteren Bett und hält irgendeinen
seiner Bandwurmvorträge. Hier ist kein Platz, das sehen wir.
Gut, wenn man einen Geheimtipp hat
Ich unterdrücke ein Grinsen. Jetzt kommt mein Geheimtipp. Ich hatte nur kontrollieren wollen,
ob die Vierergruppe ihn kannte. In Morille sollte es nämlich nach neusten Informationen
eine private Unterkunft geben, 4 Betten je 6 EUR. Würde doch gerade für Hans, Schacki, Dakshina und
mich passen. Die beiden Bares, vermutete ich, lagen gewiss an der Hauptstraße (leider kein
Straßenschild). Also nickten wir den Pilgerkameraden zu, schlossen die Tür und latschten auf
Verdacht die Hauptstraße weiter hoch. Schon vorher hatte ich links und rechts nach einem
auffällig renovierten Gebäude gespäht, nichts. Auch jetzt nichts, und da vorn ist schon das
Dorfende. Schacki und Dakshina holen uns ein. Ich erkläre, dass wir eine geheimnisvolle neue
Unterkunft suchen. Schacki ist genervt, weil die Vierergruppe sich schlicht geweigert hat, die
Betten zusammenzurücken, um ihnen Platz auf dem Fußboden zu machen. Jetzt wirft er mir
unrationales Herumsuchen vor. Zwar hat er Recht, aber wir haben ihn nicht gebeten, hinter
uns herzulaufen.
Schlecht, wenn man ihn nicht findet
Im Bogen zurück zur Herberge, unterwegs wieder nichts, was nach einer Privatunterkunft
ausieht, und wegen dem Regen natürlich weit und breit niemand auf der Straße. Schacki lässt sich
im Refugio von dem Iren den Weg zur Bar Segovia erklären. Er versteht die Beschreibung nicht.
Das hatte ich mir schenken wollen ... Immerhin bleibt nur noch ein letzter Teil des Dorfes, den
man durchsuchen kann, nämlich links von der
Hauptstraße, ca. 100 m vor dem Refugio, noch vor der erwähnten Brücke
(alles von unserer Herkunftsrichtung aus gesehen).
Man geht am Ende des kleinen Platzes vor der Brücke links.
Es ist gar keine richtige Straße, einfach zwischen Häusern hindurch.
Wir sehen eine Barreklame, dort muss die Calle San
Pedro sein. (Die Bar Marcus ist zwei Häuser weiter.)
In einem Eingang steht eine Frau, sie ist für das Refugio zuständig. (Dennoch bleibt
alles verwirrend, sie wohnt unweit der Bar, aber ich hatte trotz der wenigen Meter immer wieder
Mühe, die richtigen Häuser zu finden.) Ich frage nach privaten Zimmern mit 4 Betten. - "Gibt
es nicht." Mir klappt der Unterkiefer herunter. Dann: Zimmer hätte sie nicht, aber doch wohl
Betten für uns.
Notlager in einer Halle
Hört sich doch gut an, wir gehen mit. Zur Hauptstraße, etwas zurück, ca.
200 m vom Refugio entfernt. Da schließt die Frau ein riesiges Schiebetor auf, es ist die
Dorfhalle, ein sehr großes, garagenähnliches Gebäude,
in der nach den Dekorationen zu schließen auch die Dorffeste gefeiert werden.
Ansonsten ist sie halb voll Gerümpel, in der Mitte ist ein großer Cadillac aufgebockt. Ganz
links ein kleiner Bullerofen (natürlich kalt),
an der rechten Wand
zwei alte Schränke und geradeaus - vor einigen alten zusammengeschobenen Bänken 4 oder
5 Bettgestelle mit Matratzen, davor wie zum Hohn, ein kleiner Heizstrahler. Wir glotzen blöd.
Tja, sagt die Frau, hier sind in den letzten Tagen schon an die 9 Leute gleichzeitig untergekommen.
Idylle in Morille
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Wir bibbern vor Kälte; ich schätze die Lufttemperatur auf 10 Grad. Nichts wie weg hier und die Privatunterkunft gesucht! Ich vermute jetzt,
dass die Frau uns die verschweigt, weil die vielleicht in der Konkurrenzbar ist. (Sowas gibt's
tatsächlich, wie Pilgerfreund H.H. aus El Cubo de la Tierra del Vino berichtet.)
Die Wirtin geht, wir können uns überlegen, ob wir hierbleiben. Hans durchsucht die Schränke,
findet Decken, wickelt sich in drei ein und liegt schon lang. "Och, ich bleibe hier, geht doch."
Der hat Nerven! Schacki und Dakshina verschwinden zu der anderen Bar, ich bleibe unschlüssig zurück.
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Bald ist die Wirtin wieder da, hat eine Helferin mitgebracht. Der Bullerofen wird angeworfen.
Ist nett, aber völlig witzlos bei so einer großen Halle. Sie schleppen Verlängerungsschnüre und
einen zweiten Heizstrahler an. Langsam richtig rührend. Ich will jetzt auch bleiben, das verlangt
die Anständigkeit. Und immerhin haben wir Betten, liegen nicht auf dem Boden. Eine Nacht wird's
schon ohne Dusche gehen, schluck, allerdings auch ohne Toilette, ohne Wasser überhaupt;
aber Strom ist da.
Noch schlechter, wenn der Geheimtipp eine Ente ist
Schacki kommt mit Dakshina zurück, der die Enttäuschung im Gesicht steht. Auch in der
zweiten Bar haben sie nur auf unsere Wirtin verwiesen. Hat die alles im Würgegriff?
Unwahrscheinlich. Langsam geht mir ein Licht auf: Das Ganze ist wahrscheinlich ein Riesenmissverständnis
meines Informanten. Früher hieß es: "Notquartier im Rathaus, keine Betten." - Jetzt sind Betten da,
zwar 5 und nicht 4. Mein Informant hat wohl 4 vorgefunden und gar nicht gemerkt, dass er in
der ehemaligen Notunterkunft auf der Rückseite des Rathauses war. Wegen der Wirtin hat er es für ein
Privatquartier gehalten. Die geheimnisvolle "neue Unterkunft" gibt es gar nicht. Ich habe es wegen der
abweichenden Bettenzahl nicht eher gemerkt. Wer kommt denn auch auf sowas?
Pilgerleben pur in Morille
Jetzt bin ich erst recht entschlossen, das Beste aus der Lage zu machen. Immerhin gibt es hinter
den Betten schöne Ablagen auf den Bänken. Und das Bier - das ich gar nicht habe - bleibt hier auch
schön kalt, haha. Hans, der Glückliche, schläft schon. Auf einmal verkündet Schacki, dass er ins
Refugio zieht, wo noch ein Bett frei ist, denn Patxi der Hadschi ist im strömenden Regen davongeeilt,
will heute noch bis Salamanca. Wahnsinn, der macht heute 53 km, und das im Regen! - Äh, und
Dakshina? Die bleibt bei uns. Ich schaue entrüstet hinter dem abziehenden Schacki her. Aber klar,
dass wir gut auf sie aufpassen.
Wir können übrigens natürlich zum Duschen, Waschen und zur Toilette ins Refugio. Die Irin
fragt etwas schuldbewusst, ob wir jetzt auf der Straße liegen, als ich das Bad benutze. Abends treffen
wir uns im Privathaus der Wirtin und erhalten für 6 EUR ein Abendessen: Kastilische Suppe (sehr
gut), Lomo und Pommes, Apfel. Naja. Noch ein Schlummertrunk in der Bar Marcus, wenig
anheimelnde Atmosphäre. Die Wirtin schaut erstaunt, als ich noch Bier "zum Mitnehmen" bestelle,
Dosen hat sie keine. Nachts habe ich in den Decken bei der Kälte wunderbar geschlafen. Und der
Bullerofen und die Heizstrahler haben die Luft in der Halle doch spürbar erwärmt. Als ich mitten
in der Nacht wie üblich einmal rausmuss, bleibt mir wegen dem strömenden Regen nichts anderes
übrig, als mir den Regenumhang überzuziehen. Es ist natürlich
etwas umständlich, damit draußen klarzukommen.
Ich stelle mir vor, dass mich jemand so sieht, und hätte vor Lachen fast ein Unglück verursacht.
Junge, Junge, das hier in Morille war wirklich Pilgerleben pur!
17. Mai 2005, Dienstag: Von Morille nach Salamanca, 21 km (516 km)
Knistertüten
Mein Wecker geht um 7h00. Hans links und Dakshina rechts schlafen noch. Ich mache mich mit
meinem Waschzeug auf den Weg zum Refugio. Dort liegt Schacki noch im tiefen Schlaf, während
das irische Ehepaar gerade abrückt. Die beiden Mädchen, Michelle, die Französin, und die Belgierin,
sind längst auf und davon. Das waren echte Knistertüten. Später haben wir in Salamanca die
Geschichte aus dem Pilgertelegraf gehört, wie die beiden schon um 10h00 in Salamanca an der
geschlossenen Herberge waren. Daraufhin haben sie angeblich einen Riesentanz im Rathaus gemacht,
bis man ganz außerhalb des Zeitplans den Betreuer zum Öffnen geschickt hat ... Irgendwann habe ich
auch die Irin gefragt, warum sie denn jeden Morgen schon im Dunkeln fortgehen, nur um frühnachmittags
anzukommen und dann wie tot in den Betten zu liegen. "Sind wir so gewöhnt" sagte sie etwas lahm.
Ihr Mann hörte zu, meuterte einige Tage später und bestand darauf, auch mal länger schlafen zu dürfen. :-))
Später räumen wir in der Halle die Heizgeräte an die Seite, die Decken in den Schrank (wo ein Pilger
eine gute Regenjacke hatte hängen lassen), usw. 8h15 Abrücken. Gutes Wetter, aber wieder sehr kalt.
Es ist mein zweiter Tag auf dieser Reise, dass ich mir morgens gleich den Pullover überziehe; bislang
hatte mein Oberhemd genügt.
Die Landschaft ist wie in der Extremadura: Es geht endlos geradeaus, durch eine Weidelandschaft
mit schütterem Eichenbestand; Bodenwellen verwehren die Fernsicht. Irgendwann sitzen Schacki
und Dakshina, die vor uns aufgebrochen sind, wie üblich am Weg.
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Achtung: Unklarheit im Handbuch
Dann kommt eine unvermutete
Abzweigung, die ich so nicht im Handbuch nachvollziehen kann. Ein gelber Pfeil zeigt nach links,
aber es geht nur halblinks, diagonal einen steilen Abhang hoch. Ich finde das nur, weil ganz oben
ein Baum steht, auf dem ein gelber Pfeil prangt.
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Mein linker Knöchel und (k)ein Ende
Etwas verwirrt und die Handbuchkopie in der Hand
stapfe ich den Hügel hoch - und verknicke mir wieder schlimm meinen linken Knöchel, weil ich auf dem
Pfad auf einen einzelnen Stein getreten bin, den ich nicht bemerkt hatte. Der Schmerz ist heftig,
ich schimpfe, was das Zeug hält. Hans sagt mir nachher, er habe gedacht: "Jetzt ist's aber wirklich aus."
Nach wenigen Minuten klingt der Schmerz ab, und ich trete vorsichtig auf. Es geht. Wir atmen beide
auf. Ich humpele vorsichtig weiter. Es geht sogar erstaunlich gut. Nach einer halben Stunde ist
der Schmerz völlig verschwunden, und wer beschreibt mein Erstaunen an den Folgetagen, als
ich bemerke, dass ich mich morgens nicht mehr "einlaufen" muss: d.h. mein linker Knöchel tut
nicht mehr die erste Stunde am Tage etwas weh wie bisher. Hat sich da was eingerenkt? Jedenfalls
führte dieser merkwürdige Unfall dazu, dass ich von diesem Tag ab meinen linken Fuß völlig normal
belasten konnte. Er blieb aber noch einige Wochen geschwollen, bis auch das abklang.
Aber nicht völlig, eine gewisse Schwellung blieb auf Dauer.
Der Weg nach Salamanca hinein
Man geht in Richtung des gelben Pfeils oben am Baum den Hügel hoch, folgt weiter den Kennzeichnungen
und kommt etwas später an einem Bauernhaus links
vorbei, das offensichtlich vom Handbuch erwähnt wird. Von dort sieht man in der Ferne die Türme
von Salamanca.
Vor einem liegt niedrigeres Land, in dem man die Piste kilometerweit verfolgen kann,
da der Boden immer karger wird, bis er nur noch eine unbewachsene Geröllwüste ist. So ein karges
Gebiet hatten wir seit dem Süden Sevillas nicht mehr gesehen.
Das Dorf Miranda de Azán bleibt rechts liegen, wird gar nicht betreten. Immerhin kann man so
ein Stück schulterzuckend "weghauen", bis man kurz vor Salamanca noch einmal eine felsige Abbruchkante
zu erklettern hat. Dort machten wir Pause.
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Öde Kultursteppe vor Salamanca
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Dahinter ging es durch Ödland bis in eine große Autobahnbaustelle. Wir ließen eine Brücke,
die im Bau war, links liegen und kletterten nach rechts über Erdhaufen in Richtung der N630, die man
oben sah. So kamen wir gerade um 12h00 an ein ganz neues Viertel,
das hier hochgezogen wurde, und liefen erst parallel zur N630,
später einfach links an ihr entlang, bis zur Grenze der Altstadt. Das Handbuch führt mit irgendeinem
Zickzack, den man sich ersparen kann. An dem Ring vor den Stadtmauern
hielten wir uns links und kamen so zur
Römerbrücke, über die man in die Altstadt gelangte. Direkt vor der Brücke stehend, war ich
wohl ein malerisches Motiv. Jedenfalls wurde ich so von Touristen fotografiert.
Am anderen Ende der Brücke führte jenseits der Querstraße gleich ein Gässchen geradeaus hoch.
Die Pilgerherberge in Salamanca
In Pflaster des Gässchens hinter der Brücke entdeckten wir Metallscheiben mit der Pilgermuschel,
die einen führten.
Sehr gut! Kurz darauf zweigten vor der Kathedrale weitere Muscheln mit Zusatz "A" wie "Albergue"
nach rechts ab. So liefen wir um die alte Kathedrale herum, kamen auf einen Platz, rechts in eine
Gasse zu einem sehr schönen Stadtgarten Hoerto Calixo y Malibea. Wieder kamen uns
Touristen entgegen, die uns fotografierten. Ich hielt meine Hand auf und sagte "cinquo euros",
aber sie schienen den Scherz gar nicht zu verstehen. Die Pilgerherberge liegt versteckt vor
dem Eingang zum Garten rechts um die Ecke. Wir hatten Glück, dass der Betreuer anwesend war,
wahrscheinlich noch eine Folge des Theaters, das die beiden Mädchen gemacht hatten.
Wir durften oben in einem kleineren Zimmer Betten belegen, mussten dann aber wieder raus.
Man konnte nicht mal die Kleider wechseln. Der benachbarte Garten an der Mauer ist wunderschön
gemacht und eine Oase der Ruhe und der Stille. Sehr zu empfehlen, wenn einem die laute und
touristendurchquirlte Stadt auf den Geist geht.
Neues zur Pilgerherberge in Salamanca siehe in meinem
Bericht von 2007
Viele Pilger beschweren sich darüber, dass die
Pilgerherberge erst nachmittags um 17h00 öffnet und dann abends um 22h00 schon wieder abgeschlossen
wird. Schacki überlegte, ob man nach Toresschluss durch ein Fenster hineinklettern konnte.
Ging nicht. Aber die Haupteingangstür lässt sich jederzeit von innen öffnen, auch wenn abgeschlossen
ist. Man könnte also einen Nachtbummler hereinlassen, vorausgesetzt, man hört sein Pochen. -
Ansonsten ist es eine große moderne Herberge mit mehreren Schlafräumen, die alle oben liegen.
Nachts muss man die Treppe hinunter, da die Toiletten unten sind (Taschenlampe!). Wir teilten
mit Schacki und Dakshina das Zimmer. Nebenan war die Vierergruppe, die jetzt ja eigentlich zwei
Zweiergruppen waren. Natürlich waren noch viele andere Pilger da, vor allem Radfahrer.
Nachts bemerkte ich, dass jede Menge Leute ihre Matratzen nach unten in die Aufenthaltshalle
getragen hatten und dort schliefen. Wegen dem Geschnarche oben. Das mussten Anfänger oder
Radfahrer sein ... ;-)
Einige weitere Informationen
Hans und ich bummeln den Rest des Tages getrennt durch die Stadt, treffen uns aber
ein paarmal wieder. Auf der Plaza de Mayor sitzt die Fünfergruppe bei einem
Kaffee. Es war das letzte Mal, dass ich sie sah. Dort war auch das Oficina de Turismo
mit folgenden Öffnungszeiten: mo-fr 9-14 und 16h30 - 20h00, sa 10-20 und so 10-14.
Ich streune dort hartnäckig herum, bis ich um 16h30 einen Stadtplan bekomme. In einer Seitenstraße
(von der Kathedrale aus gesehen, vor der Plaza de Mayor links) entdecke ich ein
China-Restaurant, in dem ich für 4,95 EUR ein komplettes Menü bekomme. Abends, als
Hans und ich nochmal dort einkehren wollen, ist es geschlossen; wie häufig in
Spanien sind keine Öffnungszeiten angeschlagen. Wir essen dann in einem kleinen Restaurant im
Universitätsviertel; es ist schwer, was Bezahlbares zu finden.
Keine Milchpause mehr
Im Herbergsbuch finde ich einen Eintrag von 3 Seiten, auf dem Bernd und Christiane
uns grüßen und den Tipp mit dem Umweg über Hervás beschreiben. Dann schockt
mich Hans noch mit der Mitteilung, dass er künftig nicht mehr frühstücken will. Ihn drückt
seit Tagen ein Rucksackriemen, und er will keine Nahrungsmittel mehr schleppen, sondern
morgens erst in einer Bar frühstücken. Vom Hauptweg her erinnerte ich mich, wie unsicher
das ist, sich bis zur nächsten Bar durchzudursten. Und ich brauche morgens ein gutes
Frühstück, mit leerem Magen kann ich nicht laufen. Wir einigen uns, dass ich morgens erst
frühstücke, was er abwartet, und dass er später in die nächste Bar geht, was ich dann
mitmache. - Gut, wenn man mal nicht das Gleiche will, soll man das zur Sprache bringen und
einen guten Kompromiss verabreden so wie jetzt. Ich bin jedenfalls mit der vereinbarten
Regelung zufrieden. Dann findet die bisherige "Milchpause" eben in einer Bar statt,
warum nicht? - Nachts schlafe ich gut; es ist kalt, aber ich habe mir zwei Decken auf den
Schlafsack gelegt.
18. Mai 2005, Mittwoch: Von Salamanca nach Calzada de Valdunciel, 16 km (532 km)
Kostenloses Wasser für die Feldflaschen
7h00 stehen Hans und ich langsam auf. Die Iren sind auch noch nicht weg, aber die beiden Mädchen
haben schon um 4h30 wieder rumgemacht, sind mal wieder längst über alle Berge.
Theoretisch könnte man die beiden nächsten Etappen zusammenfassen, aber wir wollen uns Zeit lassen.
Wie abgemacht, gehe ich ins Erdgeschoss, um zu frühstücken. Unten liegen 4 Radfahrer und 5 andere
Pilger. Ich habe Platz an einem Tisch, kann mir einen Kaffee machen, und es gibt sogar einen großen
Trinkwasserbehälter, aus dem sich jeder die Feldflaschen füllen kann. Sehr anerkennenswert.
Die Übernachtung hat auch nichts gekostet, man konnte eine Spendendose füttern. Pilgerfreund
Raimund Joos, der hier schon mal Hospitalero war, weiß zu berichten, dass pro Pilger gerade mal 1 EUR
in der Dose landet. Er plädiert wie ich für feste Übernachtungspreise, um so eine Unterkunft
unterhalten zu können.
Wird es wieder ein Wettrennen geben?
8h05 in bester Laune los. Mein Fuß schmerzt nicht mehr, außerdem ideales Pilgerwetter: Sonne
und frischer Wind. Wir wissen nicht genau, wie es heute mit dem Pilgeransturm wird. Für einige war
sicher in Salamanca Schluss, aber wie viele kommen hier neu dazu? Wir steuern mal wieder eine Herberge
mit nur 8 Betten an ... aber ich wollte mir ja keine Sorgen mehr machen.
Die Blitz-Deutschen
Lieber noch an der Ausfallstraße im Norden in eine recht volle Bar, in der Hans sich
ein gutes Frühstück genehmigt. Einen café con leche kann ich auch immer unterbringen.
Etwas später können wir endlich die Fernstraße verlassen und laufen auf Aldeaseca de Armuña
zu. Die Gegend ist genauso trostlos wie südlich von Salamanca: endlose Felder, kein Bach, kein
Baum, kein Strauch. Wir stiefeln durch das Dorf und sehen am Wegesrand einen älteren Pilger stehen.
Wir halten an, sagen, wie wir heißen und woher wir kommen. Er heißt David und ist Engländer.
Schon laufen wir weiter und lassen ihn etwas perplex zurück. Abends sagt er zu uns, was er gedacht
hat: "Typisch Deutsche! Kaum ein höfliches Wort, und hui! sind sie wieder davon." Das deutsche
Wort "Blitz" ist deshalb auch ein beliebtes Lehnwort im Englischen ...
Vorsicht: Falsche Pfeile
Wir laufen wirklich mit äußerster Geschwindigkeit, weil wir diese langweilige Gegend, schlimmer als
die Extremadura, möglichst bald hinter uns lassen wollen. Ohne Bäume gibt es wenige Möglichkeiten,
gelbe Pfeile zu malen. Sie sind hauptsächlich auf den halb im Gras verborgenen Betonrändern der
kleinen Übergänge, die von der Piste über den Graben zum Feld führen. Kilometerweit kann man
mehrere Pisten vor sich sehen und schon wetten, über welche der Pilgerweg herführen wird.
Man kommt sehr nach links, muss eine Rechtsabzweigung ignorieren (kein Pfeil),
bis es an einer T-Kreuzung rechts ab geht. Von hier aus, sagt das
Handbuch, 2,7 km geradeaus bis zum nächsten Dorf Castellanos de Villiquera.
Tja, dem sollte man wohl stur folgen.
Wir taten das leider nicht und handelten uns einen großen
Umweg durch einen sehr weit ausholenden Linksbogen ein. Zunächst wies nämlich nach ca. 600 m
ein gelber Pfeil nach rechts. (Richtig wäre also, diesen zu ignorieren.) Etwas später kommt wieder
eine Abzweigung nach rechts; auf demselben Stein zwei gelbe Pfeile nach rechts und ein dunkelgelber
geradeaus. Wir folgten den zwei frischen gelben und liefen daher den schon erwähnten Umweg.
Wir waren am Ende sogar sehr froh, dass wir überhaupt das richtige Dorf (von Osten, anstatt
von Süden) erreichten; ein
weiteres lag nämlich rechts davon.
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Ein Pilger bestätigte später, dass man die genannten Rechtsabzweigungen
ignorieren soll, also wie gesagt: stur dem Handbuch folgen und hinter der T-Kreuzung 2,7 km geradeaus
laufen!
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Zur Herberge von Calzada de Valdunciel
Wir gingen direkt zur Kirche, um wieder der Beschreibung folgen zu können. Der Verlauf am
Ortsrand ist auch nicht ganz klar. Es geht über eine Kreuzung, etwas halblinks weiter. Ein Mann
beobachtete uns, den konnten wir fragen, ob das richtig war. Von David war die ganze Zeit nichts zu sehen.
Er war anfangs sehr, sehr weit hinter uns, hatte uns aber trotz unseres Umwegs nicht eingeholt.
Schnurgerade geht es jetzt auf unser Etappenziel Calzada de Valdunciel zu. Durch den Ort
bis zum Hauptplatz Plaza de la Constitución. Links das casa consistorial ist das Rathaus,
rechts führt die Hauptstraße zur ca. 400 m entfernten N630.
Geradeaus geht es zur Herberge. Erst als wir den jenseitigen Ortsrand erreicht haben und links die
angekündigten Reste von römischen Meilensteinen stehen, merken wir, dass wir schon etwas zu
weit sind. Etwas zurück und rechts um die Ecke, da liegt die kleine Herberge vor uns.
Es ist 11h30. Die Herberge ist geschlossen. Sind wir tatsächlich die ersten? Nicht zu fassen!
Der Schlüssel ist sogar
noch im Briefkasten und will auch nicht herausspringen, so sehr wir ihn durch den Schlitz anstarren.
Die Sache mit dem Schlüssel: loriotreif!
Hans fängt an, die Briefkastenklappe ein wenig zu verbiegen, aber ein vorübergehender Spanier
findet das nicht gut, wir sollten uns den Briefkastenschlüssel im Rathaus besorgen. - Na gut, also
zum Rathaus. Drinnen fängt die Beamtin gleich heftig an zu telefonieren. Sie fragt nach dem
Schlüssel der Herberge rum. Ich muss sie unterbrechen und erklären, dass es um den Briefkastenschlüssel
geht. Ach so, erneut heftiges Telefonieren. Dann: wir sollten zur Herberge gehen, es käme jemand
mit dem Briefkastenschlüssel. - Ja, mañana!
Wir sitzen also ca. 20 Minuten vor der Herberge (Tische und Bänke), nichts tut sich.
Man könnte jetzt so schön einkaufen, und der Henker weiß, ob die Geschäfte jetzt nicht jeden Moment
schließen.
Hans beginnt, mit einem Draht und einem Messer nach dem Schlüssel zu fischen. Da kommt
wieder ein Spanier und fragt, warum wir da so rummachen. Wir erklären die Sachlage. Er wirft uns einen
mitleidigen Blick zu, geht an den Briefkasten und biegt die Klappe auf. War's das, Freunde? -
Das war's (wir sind's ja jetzt nicht gewesen)! Wir bedanken uns und können endlich in die Herberge.
(Es ist übrigens niemand gekommen, um den Briefkastenschlüssel zu bringen. O Spanien!)
Die Einrichtung der Herberge
Die Herberge ist sehr neu, klein, aber gut eingerichtet. Links ein Schlafraum mit 4 Doppelstockbetten,
in der Mitte ein Aufenthaltsraum mit Kaminfeuer, rechts eine kleine Küche und zwei Bäder. Man muss
den Boiler anstellen, um warmes Wasser zu haben, aber es funktioniert alles bestens.
Wo man einkaufen und zu Abend essen kann
Von der Herberge aus kann man gleich eine Piste in Richtung N630 laufen; sie stößt nach 200 m
auf die Hauptstraße. Links kommt dann ein Laden, in dem wir alles bekamen, was wir brauchten. Ich
vor allem eine schöne Literflasche Bier. An der N630 liegt links die Bar El Pozo. Hier druckste
der Wirt auf meine Frage nach Essen und Preisen rum. Später haben sich andere Pilger beklagt,
dort zu viel bezahlt zu haben. (Aber Pilgerfreund H.H. hat dort übernachtet und war zufrieden.)
Wir gingen deshalb jenseits der Straße rechts in die Bar Fuente buena.
(Links davon ist nämlich ein sehenswerter römischer Brunnen.) 20h00, 8 EUR: entremesas
(Vorspeise) = Wurst-, Schinken-, Käse-Platte; 2 Scheiben Lachs; Eis. Leider sagte ich unbedachterweise
"ja", als der Ober fragte, ob ich eine Rechnung brauchte. So kam noch die IVA dazu (also 8,56 EUR).
Wir waren zu viert (wie üblich mit Schacki und Dakshina), hatten uns aber wieder an getrennte
Tische gesetzt, und so bekam jedes Paar eine Flasche Rotwein ...
Neue Pilgergeschwister
Doch zurück zum Nachmittag. Als erstes nach uns traf Luisa, eine US-Amerikanerin ein, sicher schon in
den Siebzigern, kurz darauf David. Sie kannten sich natürlich, liefen schon länger parallel. Beide
hatten wir eingeholt; sie waren wohl zwei Tage in Salamanca geblieben. Später kommen auch Schacki
und Dakshina und freuen sich, dass wir es alle hier so gut getroffen haben. (Sie absentieren sich nachts
ja gern und schleppen deshalb vor dem Zubettgehen ihre zwei Matratzen in den Aufenthaltsraum.)
Munteres Treiben auf der Terrasse
Unterdessen machen Hans und ich es uns in der Sonne vor der Herberge gemütlich. Ist das eine
Ruhe! Und Platz und Zeit und kein Gewühle! Wo sind nur die übrigen Pilger geblieben? Einige müssen
wohl die Doppeletappe bis El Cubo de la Tierra del Vino gelaufen sein. Und
die so halb erwarteten Neueinsteiger sind auch ausgeblieben. Jedenfalls kommt
niemand mehr. Ich nuckele an meiner Bierflasche, schreibe in mein Notizbuch und schaue zu, wie die
Wäsche trocknet. Zum ersten Mal bin ich so richtig zufrieden und glücklich, freue mich auch darauf,
in einigen Tagen evtl. schon auf Ingrid und Renate zu stoßen, denn wir sind unserem Zeitplan ja
schon zwei Tage voraus. 17h30 rücken zwei Frauen als Putzkommando an. Dabei ist hier alles schon
sauber, wir machen ihnen Komplimente. David bittet um Decken, denn es wird sicher wieder kalt.
Damit können sie leider nicht dienen. Dann kommt noch der Pfarrer und zeigt zwei älteren Damen in
seiner Begleitung eine echte Pilgerherberge samt den dazugehörigen exotischen Bewohnern.
Die Damen lugen in den Schlafraum, stellen sich schaudernd vor, dort zu übernachten.
Ich komme mir vor wie im Zoo.
"Vorpacken", um vor der Welle anzukommen
Nachts schnarcht David am lautesten. Gottseilob ist es aber nicht so kalt wie befürchtet. Hans und
ich haben "vorgepackt", unsere Rucksäcke stehen im Aufenthaltsraum. So können wir morgen früh raus,
ohne David und Luisa zu stören. Wir rechnen nämlich so halb damit, dass von Salamanca aus
verzögert eine Welle derjenigen kommt, die zwei Tage geblieben sind (z.B. die Fünfergruppe), und
die nächste Herberge hat laut Handbuch ganze 6 Betten und 2 Matratzen ... Wenn wir aber früh loskommen, haben
die hinter uns keine Chance, uns einzuholen.
19. Mai 2005, Donnerstag: Von Calzada de Valdunciel nach El Cubo de la
Tierra del Vino, 20 km (552 km)
Wieder viel N630
5h45 raus. Im Aufenthaltsraum können wir mit Schacki und Dakshina frühstücken. Schon 6h47 los, aber
es ist bereits hell. Erst geradeaus aus dem Ort, wieder eine Piste entlang. An der nächsten wichtigen Abzweigung ist ein deutliches Schild. Bald geht es durch hohes
Gras auf die N630 zu, so dass die Füße klatschnass werden, und das bei schneidender Kälte.
Dann sind wieder einige Kilometer auf der N630 "wegzuhauen", bis links eine LKW-Waage
(báscula) kommt. Ab dort soll man schon rechts neben der N630 auf einem Fußweg
laufen können. Wir schwenken aber erst auf diesen Fußweg ab, als wir die Abzweigung mit
einem Schild Castillo de Buen Amor erreichen (nur ein verblasster gelber Pfeil).
Vor Bahngeleisen geht es parallel zur N630
über einen sehr matschigen Weg. Wo man einen Platz mit viel Schutt und Abfall erreicht,
links versetzt die Piste weitergehen.
Ein schwieriger Abzweig
Dann kommt eine schwierige Stelle, an der sich viele
verlaufen haben. Es geht darum zu merken, wann man nach links auf die Straße wechseln und
diese überqueren muss. Also: Vor einem ist das Gefängnis aufgetaucht; man geht einen Weg durch
eine Bachsenke. Sobald das Fernstraßenniveau wieder erreicht ist, vor einem Strommast, dort die
Böschung zur N630 hoch, diese überqueren und gleich gegenüber in einen Feldweg nach links.
Wie in der schönen Extremadura ;-)
An der nächsten Verzweigung des Feldweges rechts (kein Pfeil). Man läuft auf eine
buschbestandene Senke zu, rechts liegt ein Bauernhof. Es geht links an der Senke vorbei geradeaus,
und zu meiner Überraschung verlief hier 1 km eine breite cañada, mitten durch ein
Weidegebiet mit Eichen, genau wie in der Extremadura. Jetzt merkten wir, dass die Landschaft dort
auch oft sehr schön gewesen war. Nachdem man noch eine Kuhwiese überquert hat, geht es
leider nach rechts zurück zur N630, auf der man noch einige Kilometer bis zum Zielort El Cubo de
la Tierra del Vino läuft, wobei man zwischendurch auch mal auf einen Pfad jenseits der
Leitplanke wechseln kann. Kurz vor dem Ort verlässt man die N630, geht geradeaus auf ihn zu
und durchquert ihn bis zum Hauptplatz Plaza del Conde Retamoso. Von hier fahren
regelmäßig Busse nach Zamora, wie wir sahen.
Die Herberge an der Kirche
Rechts am Ende des Platzes liegt das kleine unscheinbare Pfarrhaus. Dort war niemand, aber
im Nachbarhaus Nr. 6 links händigte eine Frau uns den Schlüssel zur Herberge aus, kassierte 3 EUR
und stempelte unsere
Ausweise. 100 m weiter auf der Hauptstraße liegt links die Kirche. Ein schmiedeeisernes Tor
öffnet sich zu einem überdachten Vorraum, links und rechts ist je eine Tür, die zu zwei
Schlafräumen der Herberge führen. 10h56 waren wir da, ein neuer Rekord, aber einer, der uns
an diesem Tage wenig freuen sollte.
Wir richteten uns im linken Schlafraum ein: 4 Einzelbetten, ich hatte sogar eine Ablage, gar
nicht schlecht. Badezimmer daneben, aber das Wasser leider kalt. Das Licht funktionierte auch nicht.
O je! - Im rechten Zimmer 3 weitere Betten, aber wie erwartet kein weiteres Bad. Die Wäsche kann man
hinter der Kirche an Leinen aufhängen.
Eine überraschende Einladung
11h30 kommt der
kleine dicke Pfarrer und lädt uns zu 14h00 zum Mittagessen ein. Wir laufen schnell ins nächste
Geschäft und kaufen eine Flasche Kräuterlikör (aus Santiago!) als Mitbringsel. Luisa trifft ein
und verschwindet im Bad. Der Pfarrer erscheint wieder. Ja, auch zu dritt könnten wir kommen,
aber nicht mehr! - Hm.
Punkt 14h00 läuten wir beim Pfarrer. Er macht uns selbst die Tür auf, hat einen Küchenkittel
an: der kocht doch glatt selbst. Innen ist alles sehr ärmlich, im Haus sieht es aus wie in einem
Pilgerschlafsaal. Ich verstehe, dass der Pfarrer in ärmlichen Verhältnissen lebt, und da lädt er
uns verkleidete Reiche ein - wir sind sehr verlegen. Merkwürdigerweise freut ihn unser
Kräuterlikör weniger als ich erwartet hatte, obwohl er kein Abstinenzler zu sein scheint. Die
Lösung dieses Rätsels sollten wir später erfahren.
Pfarrer mit Küchenschürze
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In der winzigen Küche 4 Stühle (daher das
Maximum von 3 Eingeladenen). Es gibt: Wurstplatte, Tomaten in Öl und Zwiebeln, russischen
Salat mit gebackenen Tintenfischkringeln: Nachtisch: Apfel/Banane, Plätzchen; dazu gehörig Vino
tinto. Alles, was recht ist, es hat gut geschmeckt. Ich war nur sehr nervös, da ich immerhin
zwischen drei Sprachen (Spanisch, Deutsch, Englisch) dolmetschen musste, denn
außer mir beherrschte jeder der Anwesenden nur seine Muttersprache.
Der Pfarrer haute mir zum Schluss anerkennend auf die Schulter.
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Luisa spendet noch Schokolade. Der Pfarrer wäscht gleich ab, will sich nicht helfen lassen.
Dann erzählt er etwas, nun selbst verlegen, was ich kaum verstehen kann. Schließlich ist es,
nach peinlichen Rückfragen, klar: Er möchte eine Spende für das Essen, "damit er die nächsten
Pilger bewirten kann". Wir möchten sie diskret in seinem Amtsraum um die Ecke auf den
Schreibtisch legen. Haben wir gemacht. Unser Geschenk hatte ihn in Verlegenheit gebracht,
denn dadurch fiel es ihm schwer, um eine Spende zu bitten.
Später hörte ich von anderen
Pilgern, dass sie auch eingeladen worden waren. Man hielt das für einen listigen Schachzug
des kleinen Pfarrers, Spenden zu sammeln, aber das kann ja nicht so ganz stimmen: Der Aufwand
für ihn war hoch, und er konnte sicher froh sein, wenn er seine Auslagen ersetzt bekam. Zu
verdienen war mit dieser "List" nichts. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass
er die Gemeinschaft mit Pilgern sucht, was man leider von den wenigsten
spanischen Priestern sagen kann. Deshalb denke ich gern an ihn
zurück. Abends sah ich ihn an der Kirche sitzen, seine Blumenbeete
bewässern und ein Schwätzchen halten. Er war schon ein bescheidener Mensch. Übrigens hat
er irgendwo an der Kirche einen Schalter betätigt, und dann tat's das Licht wenigstens.
Das Warmwasser war wohl wegen eines Kurzschlusses ausgefallen.
Zu viel Zeit ist auch nicht das Wahre
Der Rest des Tages wollte einfach nicht vorbeigehen. Hans und ich mopsten uns zu Tode.
Luisa setzte sich in den kleinen Park am benachbarten Fluss und las. Hans sah im Wasser eine
kleine Schlange. Das war schon der Höhepunkt der Sehenswürdigkeiten. Dann schliefen wir
etwas aus Langeweile. Irgendwann schauten wir uns beide an und sagten: "Nie wieder so früh
ankommen, ich bin die Kurzetappen leid." Das Abendessen fiel natürlich auch aus, da wir ja
schon üppig zu Mittag gegessen hatten. Wahrscheinlich gab es in diesem Kaff ohnehin nichts.
Nur am Hauptplatz in einer Bar einen Schlummertrunk.
Keine Pilgerwelle
Die erwartete Pilgerwelle kam auch nicht. Selbst Schacki und Dakshina blieben aus, waren
wie David nach Villanueva de Campeán weitergezogen. So hatten sie morgen eine kurze
und wir eine lange Etappe. In das rechte Zimmer zogen noch zwei italienische Radfahrer ein.
Ansonsten blieben wir mit Luisa allein. Sie lief jeden Tag nur 10-20 km, mehr schaffte sie nicht.
Wir fragten, was sie denn machte, wenn es am Ziel nur ein Dorf ohne Übernachtungsmöglichkeit
gäbe? "Och," sagte sie (sie konnte ja kein Wort Spanisch) "dann stelle ich mich einfach auf den
Marktplatz und heule laut. Irgendeiner nimmt mich dann immer am Ärmel zu sich nach Hause mit."
Na, die hatte Nerven, wir mussten lachen. Tatsächlich ließen wir sie schon anderntags endgültig
hinter uns zurück.
20. Mai 2005, Freitag: Von El Cubo de la Tierra del Vino nach Zamora, 32 km (584 km)
Immer an Gleisen entlang
"Ein toller Tag!" steht in meinem Notizbuch: kein Laufen in Konkurrenz mehr; in Zamora erwartete
uns ein riesengroßes Studentenwohnheim, da konnten wir es geruhsam angehen lassen. 7h00
aufgestanden, so war's mit Luisa verabredet. Schon 7h55 los. Es ist etwas wärmer, nach langer Zeit
kann ich ohne Pullover starten. Wir freuen uns, dass wir heute mit der N630 nichts zu tun haben,
auch wenn es wieder über die üblichen Pisten zwischen Feldern über eine Ebene geht. Die
ersten Kilometer durch einen Buschstreifen, der eine Eisenbahnlinie säumt. Später geht es unmerklich
etwas bergauf, und dann stehen wir auf einmal auf einer quer verlaufenden Geländeabbruchkante,
die mit Strauchwerk bewachsen ist. Vor uns liegt das weite Land, ganz im Hintergrund
schon Zamora, außerdem ein Dorf zum Greifen nahe,
dem auch eine Piste zustrebt, aber das war nicht unser nächstes Teiletappenziel Villanueva
de Campeán noch der richtige Weg.
Eine unverhoffte Abzweigung
Wir wenden uns nach rechts und laufen die Geländestufe entlang. Ein Baulastwagen hüllt
uns in Staub und ruiniert die Piste. Dann dreht der Weg nach links und geht steil hinunter.
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Wenn man unten ist, heißt es aufpassen:
Ich laufe automatisch der Piste nach, die unten eine Linkskurve macht. Hans hält mich zurück:
man muss geradeaus abbiegen. Ich habe den Pfeil übersehen und diese Stelle nicht als die im
Handbuch angekündigte "Kreuzung" erkannt.
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Nun geht es einige Kilometer weiter. Einmal
liegt ein Vogel wie eine übergroße Schwalbe links am Wegesrand. Tot? Ich stupse ihn
vorsichtig mit dem Pilgerstab an, da segelt er plötzlich davon. An seinem Aussehen und
seinem Verhalten erkenne ich ihn: Es war ein Ziegenmelker, den auch Carmen Rohrbach in
ihrem Buch beschreibt. Ich hatte bislang noch nie einen gesehen.
Neues Refugio in Villanueva de Campeán
An der
Gemeindegernze überrascht Villanueva de Campeán mit einem großen Granitblock, der
auf die Via de la Plata verweist. Die müssen ganz schön Geld haben, denn wir sehen noch
weitere. Ein alter Mann kommt uns entgegen, ehemaliger Arbeiter in Deutschland, bringt seine
verbliebenen Brocken Deutsch an den Mann. Das wird uns weiter im Norden noch oft passieren.
An Villanueva de Campeán habe ich praktisch keine Erinnerung mehr, es muss ein
Dorf wie Dutzend andere gewesen sein. In der
Bar Ruta de la Plata machen wir von 10h30 bis 11h00 Pause und lassen uns Zeit zu
einem ausgiebigen Frühstück. Es gibt riesige Bocadillos; Hans steckt sich die Hälfte
von seinem Trumm als Vorrat ein. Die Wirtin erzählt, dass hier in wenigen Tagen ein neues
Refugio eröffnet wird. 10 Betten + Matratzen (im Sommer 2006 bestätigt, man zahlt 4 EUR).
Bisher gab's nur eine Notunterkunft mit 3 Betten,
in denen ja David, Schacki und Dakshina letzte Nacht geschlafen hatten.
Wir sind hier in einer biederen Dorfbar. An der Wand hängen ein knallbuntes Jesusbild und
zwei Rosenkränze darunter, die Volksfrömmigkeit kann man hier greifen, aber wie um
Himmelswillen findet keiner etwas dabei, wenn direkt unter diesen Devotionalien ein
Pornokalender hängt? Das Kreuz für die Frauen und der Kalender für die Machos? Man
macht hier schon seine volkskundlich interessanten Beobachtungen ...
Der restliche Weg nach Zamora
Beim Abrücken geben wir Luisa die Klinke in die Hand. Jetzt scheint die Sonne, heiß,
aber wieder der herrliche frische Wind. Wir laufen wie die Weltmeister, locker und
beschwingt, und die Kilometer spulen unter uns hinweg. Der Weg ist einfach zu finden und
zu gehen. Um das nächste Dorf San Marcial macht die Route einen merkwürdigen
Rechtsbogen, sie hätte m.E. nach auch genauso gut durch das Dorf führen können. Vielleicht
gab's dafür ja einen Grund.
Leichte Bodenwellen, eine Landstraße kurz entlang, dann über
einen fast zugewachsenen Weg, Schafpferche, aber die Hunde bleiben bei ihren
Schützlingen, eine große gemauerte Tränke, an der es scharf rechtsab geht:
ich kann mich an diesen Streckenverlauf noch ziemlich gut erinnern.
Wie man sich der Stadt nähert, wird die Landschaft wieder öder. Straßen, ein
Industriegebiet, man wird langsam etwas ungeduldig. Seit vielen Kilometern ragt vor uns
ein Turm über eine Bodenwelle. Ich halte das für die Kathedrale von Zamora. Es
stellt sich aber heraus, dass es ein Hochhaus ist. Die Kathedrale, wiewohl über dem
Hochufer des Duero, ragt nicht so weit empor.
Über den Pilgerweg ab Zamora siehe auch meine neueren Berichte
von 2007 und von 2015.
Zum Studentenwohnheim
15h00 haben wir den Fluss erreicht
und genießen das Panorama der Altstadt am anderen Ufer, ein sehr beeindruckendes Bild.
Kurios: Große Trümmer einer früheren Brücke liegen im Fluss. Wir laufen nach rechts am
Fluss entlang, bis wir über die mittelalterliche Brücke hinüberkönnen. Wieder einmal ist die
Skizze im Handbuch Gold wert. Man findet die Adresse des Studentenwohnheims (Villalpando)
im Nordosten auf der Skizze. Also konnten wir uns den (im Handbuch von 2004 noch
ausgewiesenen) Umweg nach links
durch die Altstadt sparen und liefen gleich etwas nach rechts, dann links hoch, bis wir
zur Plaza Mayor und zum Rathaus kamen.
Dort folgten wir dem Pilgerweg laut
Handbuchbeschreibung bis zu der Kreuzung, von der es halbrechts die Cuesta Morana
anderntags weitergeht. Um die Unterkunft zu erreichen, geht man wenige Meter vorher an
einer zweitürmigen Kirche über den kleinen Platz Plaza de San Lázaro nach rechts
und erreicht nach 50 m geradeaus die breite Geschäftsstraße Villalpanda. Nach weiteren
100 m liegt links ein mehrstöckiger Bau; Eingang durch den Hof links.
Wo Pilger zu sehr verwöhnt werden
Das Ganze nennt sich
Residencia Juvenil Doña Urraca und ist eigentlich ein Studentenwohnheim.
Alles sehr vornehm, Cola- und Kaffeeautomat im Fernsehzimmer. Für 9,32 EUR pro Kopf
erhalten wir nach Vorlegen des Pilgerausweises ein unglaublich geräumiges 2-Bett-Zimmer
vom Standard eines 4-Sterne-Hotels. Es mag sein, dass wir auf der Gruppenleiteretage (1. Stock)
waren und in den übrigen Stockwerken nicht so ein Luxus herrschte. Das Haus war
nur gering belegt. Unverständlich: Es gab eine große Kantine, aber Essen nur auf
Vorbestellung am Vortag (!).
Drei Tage später erzählt uns Domingo in Santa Croya de Tera, dass in Zamora
schon ein Haus unweit der Plaza Mayor für eine Pilgerherberge vorgesehen ist. Der
Luxuspalast wird also keine Dauerlösung sein. Er passt auch nicht zum normalen Pilgeralltag, aber wer
wird sich da beschweren? Man lässt sich gern verwöhnen.
Die in der Handbuchskizze schon eingezeichnete Pilgerherberge war
im Herbst 2007 immer noch nicht eröffnet. -
Ein Doppelzimmer im Hostal "El Jardin" (siehe Handbuch) kostete 24 EUR.
Eine schöne Altstadt, aber mit Problemen
Nachmittags haben wir viel Zeit, die Altstadt zu besichtigen. Im Oficina de Turismo
gibt's einen Stadtplan. Die Bares und Restaurants sind alle sehr teuer, weil es hier von Touristen
wimmelt. Ich lasse mir im Stadtplan zwei China-Restaurants ankreuzen, leider beide sehr weit
weg im Osten. Nach dem Einkauf zum Studentenheim zurück. Ich laufe doch noch allein zu
dem nächstgelegenen China-Restaurant, das etwa 2 km entfernt ist. (An diesem Tag habe ich
sicher 40 km zu Fuß zurückgelegt, und ich hatte Sorge um mein Fußgelenk.) Vom Essen her
lohnte das nicht; es gab Standard zum Standardpreis. Aber ich lernte ein pulsierendes Stadtviertel
kennen, das in einem krassen Gegensatz zu der fast ausgestorbenen Altstadt stand. Wir hörten
auch von einer wirtschaftlichen Krise des Zentrums: zu hohe Preise, immer mehr Läden und
Bares schlossen. Das Geld gaben die Einwohner woanders aus. - Insofern bekam ich ein paar
neue lohnende Eindrücke.
21. Mai 2005, Samstag: Von Zamora nach Riego del Camino, 34 km (618 km)
3 Tage dem Zeitplan voraus
Inzwischen hatten wir einen dritten Tag gegenüber unserer Planung herausgeholt, weil wir nicht
in Villanueva de Campeán geblieben waren. Nach unserer tödlichen Langeweile in
El Cubo de la Tierra del Vino waren wir die Kurzetappen endgültig leid, und jetzt kam
eine Serie von langen Etappen, die uns geradezu Santiago entgegenfliegen ließ: 226 km in 7 Tagen,
also ein Schnitt von über 30 km. Daran sieht man, dass wir inzwischen in hervorragender Kondition
waren.
Wieder ziemlich miese Strecke
Der heutige Tag verlangte uns einiges an Geduld ab, denn die Gegend nördlich von Zamora
ist wieder öde Kultursteppe, und außerdem kommt man nicht so recht von der N630 los.
Die Nacht war schlecht gewesen, der übliche Feierlärm von Freitag auf Samstag auf der Straße,
und auch auf unserem Flur machten Spätheimkehrer ganz schönen Krach. 8h05 rückten
wir ab. Viele Wolken, aber kein Regen. Lange durch die Vorstädte an Fernstraßen entlang.
Wir überholen David und lassen ihn zurück Blitz-Deutsche! ;-))
Durch das gesichtslose Dorf Roales del Pan, dann wieder über geröllige Pisten zwischen
Kornfeldern, in Sichtweite der N630.
Hinter uns erscheint eine kleine Gestalt: Hat David ordentlich
aufgedreht, oder schlaffen wir ab? Nein, wir laufen unseren gleichmäßigen Eilschritt, den wir
stundenlang durchhalten können. Die Gestalt kommt näher. Hans sagt: "Da ist uns ein
Schnellläufer im Nacken." Na, wir beschleunigen deshalb nicht den Schritt, er kann uns gern
einholen.
Wir kommen an einen Bauernhof. Am Weg ein riesiges Schild zum Pilgerweg. Hans will ein
Foto, wir bleiben stehen. Der Schnellläufer holt uns jetzt ein, sieht sehr deutsch aus. So lernen
wir Manfred kennen, und niemand von uns dreien ahnt, dass wir ab jetzt eine Dreiergruppe sein werden,
die noch bis Finisterre zusammenbleiben wird. Wir stellen uns vor, Manfred macht von uns ein
Bild mit der Pilgerwegreklame. Dann biegen wir gemeinsam rechts ab und laufen nach Montamarta.
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Hier stieß Manfred zu uns
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Neue Herberge in Montamarta! Pilgerfreund U.V. schreibt mir von seiner Pilgertour im Mai/Juni 2006:
"Die neue Herberge an der Straße, zwischen Tankstelle und Dorf,
war beinahe fertig. Nur die Küche war noch nicht installiert und
der Aufenthaltsraum noch nicht möbliert." -
Nach anderen Quellen soll die Herberge 36 Betten haben.
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Auf meine Frage nach einer Bar verweist man uns nach rechts zur Fernstraße. Also machen wir den
Abstecher.
Wer sitzt dort in der nächsten Bar an der N630? Richtig, Schacki und Dakshina.
Während wir uns erholen, bekommen wir mit, dass Dakshina von diesen Wegen die Nase voll hat.
Öde und nervig geröllig, das stimmt wirklich. Auch mir ist heute aufgefallen, wie mühsam man
läuft. Und Manfred hat alle Kräfte angestrengt, uns einzuholen, nachdem David ihm gesagt
hatte, zwei Deutsche seien voraus. Er brauchte mal dringend wieder Gesellschaft von Landsleuten.
Er fragt, ob er bis Riego del Camino bei uns bleiben zu kann. Wir probieren es. Es stellt sich heraus,
dass er keineswegs ein Schnellläufer ist, sondern im Gegenteil langsamer als wir, da er mit
einer alten Knöchelverletzung Probleme auf unebenen Wegen hat.
12h45 lasse ich die anderen zurück und gehe zunächst von der Bar das letzte
Stück zurück durch den Ort, bis ich den Pilgerweg wieder erreicht habe.
Ich habe ja Vorräte mit und will zu Mittag essen, was ich in der Bar schlecht machen kann. Umgekehrt
wollen Manfred und Hans noch gemütlich Bocadillos verzehren. Ich komme zuerst zur Ortskirche,
die das Handbuch nicht erwähnt. Erst danach steht man am Rand einer Senke, gegenüber die
Friedhofskirche auf einem Felsen. Die Senke gehört zu dem riesigen Stausee, den wir
bald noch sehen werden, ist aber zurzeit trocken. (Achtung: Wenn man von der Nationalstraße, speziell der Herberge
kommt, muss man also die Fernstraße verlassen und erst zur Ortskirche links,
um den Pilgerweg wieder aufzunehmen. - Alternativ auf der N630 aus dem Ort heraus und
dann über den Teil, wo links die Senke mit der Friedhofskirche oberhalb liegt,
danach links abbiegen.)
Nachdem ich mich von meinen Vorräten gestärkt habe, setze ich
mich unterhalb der Friedhofskirche weithin sichtbar auf einen Felsblock und warte auf die anderen,
die auch bald erscheinen. Es lohnt nicht, zur Kirche hochzusteigen, denn man muss am Ende doch
wieder steil nach unten, um den Anfang einer Asphaltstraße zu erreichen, die gleich wieder steil
hochgeht.
Eine mögliche Abkürzung nach Tábara
Wenige Kilometer später erreichen wir die N630 und müssen sie überqueren. Diese Stelle ist
unmittelbar vor der Abzweigung der N631, die schnurstracks auf Tábara zu führt. Man kann
so ca. 15 km sparen, und das wird auch als Tipp gehandelt. Aber ich rate davon ab. Zum einen
war ich schon genug Fernstraßen entlanggelaufen und verzichtete gern auf die N631, zum andern
enthält die Strecke bis Riego del Camino noch zwei Sehenswürdigkeiten: einen Stausee und
eine riesige Ritterburgruine an seinem Ende, und hinter Granja de Moreruela wird dann
die Landschaft des Mozarabischen Weges so schön (und bleibt auch so bis Santiago), dass ich sie gern
ein zweites Mal gehen würde. Die viel geschmähte Unterkunft in Granja de Moreruela ist
kein Gegenargument, denn wir brauchten sie gar nicht. (Außerdem soll sie
inzwischen verbessert sein.)
Stausee und Burgruine Castrotorafe
Das Handbuch beschreibt den Uferweg am Stausee entlang übergenau, mit
mehreren Alternativen. Wir hielten uns einfach
stur an das rechte Ufer und suchten systematisch nach Pfeilen.
Hin und wieder gab es einen auf Steinen. Einmal schwärmten wir aus, bis der erste von uns sah, wo es
weiterging. Man kommt so der N630 wieder sehr nahe und läuft auf eine Brücke über einen Zufluss zu.
Je nach Wasserstand kann man unterhalb oder oben auf der Brücke diesen Zufluss überqueren.
Oben sollte man in jedem Fall erst 100 m auf der N630 geradeaus weitergehen,
bis eine Piste nach links abzweigt.
Wir machten das nicht, sondern schlugen uns eine Böschung hinauf und an einem Haus vorbei durch,
bis wir doch auf der Piste landeten; das war überflüssig.
Man läuft nun auf die Burgruine Castrotorafe zu und muss nur rechtzeitig halbrechts abbiegen, um auf der Wegekreuzung
vor der Burg herauszukommen. Wir gingen dann nach links ab, um die riesige Ruine von innen zu
besichtigen. Tatsächlich hat sie die Form einer Stadtmauer mit Türmen; innen ist eigentlich nichts mehr,
und der beste Blick ist eher von außen. Innen sieht man aber, wie gewaltig groß die Anlage mal war,
eigentlich eine eigene kleine Stadt.
Beinahe am Ziel vorbeigelaufen
Der Weg setzt sich dann in einem Linksbogen um die Ruine fort. An das folgende Dorf
Fontanillas de Castro kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Später kamen wir an
eine Betonbrücke, unter der endlich mal wieder etwas Wasser war und Frösche quakten. Dann
sollten wir laut Handbuch halbrechts abbiegen, aber ein alter Mann winkte uns zurück. Besser
geradeaus die bisherige Piste weiter? Zur Vorsicht fragte ich ihn, ob das ein kürzerer Weg nach
Riego del Camino sei. - Ach, da wollten wir hin? - Er hatte geglaubt, wir wollten weiter
nach Granja de Moreruela, und da hätten wir auf der Piste Riego del Camino rechts
liegen lassen können. Aber wenn man dort übernachten will, muss man halbrechts ab. Glück gehabt,
dass ich gefragt habe!
Wie man was in Riego del Camino findet
Kurz darauf, um 16h30, das ist für unsere Begriffe recht spät,
erreichen wir Riego del Camino, ein wirklich armseliges kleines Dorf,
dessen Straßen nur hin und wieder ein Schild haben, so dass die Beschreibung schwer fällt.
Wir überqueren die N630, rechts liegt die Bar Pepe,
in der wir abends essen
können. Geradeaus in den Ort. Wo ist das Refugio? Ein junger Mann mit Hund kommt uns
entgegen. Ich sage den üblichen Spruch: "Quien tiene la llave para el albergue?" (Wer hat den
Schlüssel zur Herberge?) Da sagt er doch glatt: "Ich! Ich bin nämlich auch ein Pilger." In ihm hatten
wir einen guten Führer, der uns zeigte, wo die Herberge war, wo die Bürgermeisterin wohnte
(Stempel!) und wo es Lebensmittel zu kaufen gab.
Ich versuche, alles zu beschreiben. Von der Nationalstraße aus also zunächst in Richtung Kirche
in den Ortskern hinein. Die 3. Gasse rechts, an einem auffälligen grünen Tor. Die erste Gasse
links. Dort rechts im Haus Nr. 10 (keine Kenzeichnung) gibt es Lebensmittel. Will man
zur Bürgermeisterin, muss man hier geradeaus, bis etwa am Ende der Straße links ein großes
Garagentor aus Aluminium ist. Da muss man einfach feste klopfen.
Aufstehen: Alltagsroutine im Pilgerschlafsaal
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Die Pilgerherberge von Riego del Camino
Zur Herberge muss man jedoch vom Haus Nr. 10 aus die nächste Straße links und diese bis
zum Ende weiter. Dann stößt man auf eine größere Querstraße, wo man sich links hält. Die Pilgerherberge
ist dann eines der alten Häuser rechts, an einem gelben Briefkasten gut zu erkennen.
Innen ein Schlafraum links mit 3 Doppelstockbetten (also 6 Betten), dahinter links zwei Räume
mit Matratzen, ganz hinten rechts ein Bad, sehr einfach, aber alles funktioniert. Warmes Wasser.
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Pilger mit Hund
Unser junger Pilgerfreund ist mit dem Fahrrad unterwegs, hinten drauf ein Pappkarton für
den noch sehr jungen Hund. Außerdem ist ein spanischer Fußpilger da. Später kommen noch
3 Radfahrer, die aber die Matratzen beziehen; da sind sie für sich. Der Hund darf bei uns im
Zimmer bleiben, meinen wir, Hauptsache, er fällt mich nachts nicht im Dunkeln an. Tut er nicht, meint der
junge Spanier, der fürchtet sich im Dunkeln dann eher vor dir. Nachts liegt der Hund draußen im
Korridor. Nun ja, immerhin ist er gut erzogen und andere Menschen gewöhnt.
Eine nette Bürgermeisterin
Wieder mit unserem jungen Führer ziehen wir zum Garagentor der Bürgermeisterin.
Keine Hausnummer. Es liegt links neben dem Haus 23. Unser Pilgerbruder böllert einfach laut an die Tür.
Die Bürgermeisterin öffnet, ist noch
relativ jung, evtl. Ende Dreißig, sehr pilgerfreundlich.
Wir durchqueren einen Vorgarten und kommen ins Haus.
Sie ist sehr stolz, dass ihr Dorf nun eine
Unterkunft für Pilger hat und erkundigt sich, ob alles in Ordnung ist.
Zum Stempeln kramt sie eine Kiste heraus. Hans grinst: "Das wird wohl das ganze Bürgermeisterbüro
sein." Ich übersetze etwas, sie lacht und meint, das stimme so ziemlich.
Abendessen in der Bar Pepe
Abends in die Bar Pepe an der Nationalstraße. Ensalada mixta, Tortilla, Apfelsine, 3 Bier
7,50 EUR. "Pilger sind nette Leute", sagt die Wirtin, da freuen wir uns. Auch auf der Straße
grüßen viele Leute auffallend freundlich. Ist sonst nicht selbstverständlich. Leider darf ich aus irgendeinem
Grund in der Bar Pepe nicht das öffentliche Telefon nach Deutschland benutzen. Angeblich geht
es nicht.
Wecken hilft nicht gegen Schnarchen
Nachts nervt mich der junge Fahrradpilger, der über mir schläft, weil er mich dauernd weckt.
Damit reagiert er natürlich auf mein Schnarchen, aber zu schnalzen, am Bett zu rütteln usw.
unterbricht das doch nur, stellt es nicht ab. Sobald ich wieder eingeduselt bin, geht es weiter.
Radfahrer sind eben nicht müde genug.
22. Mai 2005, Sonntag: Von Riego del Camino nach Tábara, 34 km (652 km)
1. Teil: Bis Granja de Moreruela
6h45 stehen wir auf. Manfred hat sich in der Bar Pepe ein Frühstück bestellt. 2 Scheiben Röstbrot,
selbstgemachter Honig, 2 Kaffee, 1,80 EUR. Ich frühstücke in der Herberge, Hans wie üblich gar nicht.
8h00 treffen wir uns an der Nationalstraße. Bei kaltem, aber sonnigen Wetter geht es zunächst
wieder auf Feldwegen 7 km bis Granja de Moreruela. Ein großes Schild kündigt eine
Bar Peregrino an. Hans lechzt nach einem Kaffee. Wir gehen bis zur N630. Rechts
schräg gegenüber das Refugio. Links neben uns eine Kirche. Radfahrer kommen. Ich frage
nach der Bar Peregrino. "Hier rein, immer Richtung Santiago, dann kommt ihr automatisch
hin" sagen sie. Das war falsch! Wir laufen von der Kirche nach links, etwas weiter ist die
Verzweigung: Rechts geht die Via de la Plata weiter in Richtung Astorga. Geradeaus zweigt jetzt
der Nordteil des Mozarabischen Weges, der Camino Sanabrés,
über Ourense ab. Den wollten wir gehen. Haben wir die Bar gefunden?
Die Antwort findet der geneigte Leser im nächsten Kapitel :-))
Zum nächsten Kapitel:
Auf dem Mozarabischen Weg nach Santiago de Compostela
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Letzte Änderungen: 27.06.2022